Das kleine Einmaleins der Ökonomie

Dieser Artikel, gegliedert in vier Teile, soll Schülern, jungen Menschen und Erwachsenen, die sich noch nicht mit dem Thema "Wie funktioniert unsere Wirtschaft, wo kommt unser Wohlstand her" beschäftigt haben, einen leichten Einstieg in das Thema verschaffen und ein Grundwissen vermitteln. Mathematische Formeln gibt es keine und es muss nichts auswendig gelernt werden. Es geht primär darum, bestimmte grundlegende Zusammenhänge des menschlichen Handelns zu verstehen. Hierbei helfen geschichtliche Kenntnisse, zum Beispiel zur Herkunft des Geldes, wie ‚Märkte‘ entstanden sind und dass freiwilliger Tauschhandel einer der ältesten Formen sozialen Austauschs und Miteinanders ist.

“Die Kunst der Wirtschaftswissenschaften besteht darin, nicht nur die kurzfristigen Folgen, sondern vor allen Dingen die längerfristigen Wirkungen einer Maßnahme oder Vorgehensweise zu beachten, sie besteht auch darin, die Wirkungen der Maßnahmen nicht nur auf eine Interessengruppe, sondern auf alle Gruppen zu berücksichtigen.“ - Henry Hazlitt

Teil 1

Einleitung

Thema dieser Artikelserie ist die Volkswirtschaftslehre und zwar die Lehre vom Funktionieren einer Volkswirtschaft. Die meisten Menschen werden sich vermutlich dahingehend einig sein, dass es das vorrangiges Ziel wirtschaftlichen Handelns sein sollte, die Versorgung der Bürger bestmöglich zu gestalten, und das Ganze mit möglichst wenig Arbeitseinsatz. Zu einem guten Lebensstandard gehört nämlich auch, dass man nicht rund um die Uhr arbeiten muss – Freizeit ist ein wertvolles Gut. Alles sollte sich letzten Endes um die Frage drehen: Wie können die besten Ergebnisse zum Wohle aller erreicht werden, wie der Lebensstandard für alle am stärksten angehoben werden?

Diese Fragestellung ist auch heute für uns sehr wichtig, denn wir dürfen unseren derzeitigen Lebensstandard nicht für selbstverständlich halten, nach dem Motto ‚der Strom kommt aus der Steckdose und die Regale sind voll‘. Das kann sich nämlich leider sehr schnell ändern. Allein ein längerer Stromausfall zum Beispiel könnte von einem Tag auf den anderen verheerende Folgen haben und eine falsche Wirtschaftspolitik kann mittel- bis langfristig den Wohlstand, an den wir uns gewöhnt haben, deutlich schmälern. Ein Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit ist, wie schnell auf einmal Toilettenpapier und auch andere Waren zu ‚Mangelwaren‘ wurden; und ein sehr spannendes Buch, das das beispielhaft verdeutlicht, ist der Roman ‚Blackout‘ von Marc Elsberg.

Saubere ökonomische Wissenschaft als Basis guter politischer Entscheidungen muss daran interessiert sein herauszufinden, wie die langfristigen Effekte von wirtschaftspolitischen Maßnahmen ausfallen und zwar für das ganze Land und alle Bürger. Es geht nicht um eventuelle kurzfristige positive Wirkungen staatlicher Maßnahmen für bestimmte Interessengruppen.

Zur Beruhigung ein paar einleitende Worte vorweg:

Um zu verstehen, wie „Wirtschaft“ im Großen und Ganzen funktioniert, muss man keine komplizierten mathematischen Formeln entwerfen und verstehen. Man muss primär das wirtschaftliche Geschehen aufmerksam beobachten, wirtschaftliche Zusammenhänge erkennen und daraus die richtigen Schlüsse ziehen. Das gilt insbesondere im Bereich der Volkswirtschaftslehre.

Bei der Betriebswirtschaftslehre, ist die Lage anders. Auf der Ebene einzelner Betriebe kann man auf den Cent genau berechnen, wie ein Gewinn oder ein Verlust zustande kommt, wie sich Veränderung der Ein- und Verkaufspreise und der Absatzzahlen auf das Betriebsergebnis auswirken etc.: Ertrag minus Aufwand ergibt den Gewinn.

In der Volkswirtschaftslehre, auch Nationalökonomie genannt, sind weder die einzelnen Aggregatgrößen, die gern in mathematischen Formeln auftauchen und zueinander ins Verhältnis gesetzt werden – Bruttosozialprodukt, Beschäftigung, Inflation, Preisniveau, Geldmenge, Umlaufgeschwindigkeit des Geldes -, überhaupt exakt messbar, noch stehen sie in einem genau definierten Bezugsverhältnis zueinander. Insofern eignen sie sich nicht dafür, Eingang in mathematische Formeln zu finden.

Die Volkswirtschaftslehre unterteilt man in die Bereiche Makroökonomie (das große Ganze) und Mikroökonomie (das Verhalten der einzelnen Wirtschaftssubjekte, einzelner Haushalte, Produzenten, Verbraucher, die Betrachtung einzelner Märkte).

In diesem Artikel geht es nur um die Volkswirtschaftslehre – und wir kommen im Sinne der ‚Österreichischen Schule‘ ohne Formeln aus.

“In the field of praxeology and economics no sense can be given to the notion of measurement. In the hypothetical state of rigid conditions there are no changes to be measured. In the actual world of change there are no fixed points, dimensions, or relations which could serve as a standard.” - Ludwig von Mises

Mensch und Wirtschaft

Das Schaubild zeigt die Entwicklung unserer Erde. Menschen wie uns, den „Homo Sapiens“, gibt es auf der Erde erst seit vergleichsweise kurzer Zeit. Nämlich seit rund 700.000 Jahren – die Erde dagegen entstand bereits vor etwa 4000 Milliarden Jahren.

Die Wiege der Menschheit befindet sich in Ostafrika. Dort trennten sich vor etwa 5-6 Millionen Jahren die Entwicklungslinien von Affe und Mensch. Der aufrechte Gang war ein erster großer Entwicklungsschritt, der Mensch konnte so zum Beispiel die Hände viel besser einsetzen und hatte einen besseren ‚Weitblick‘. Vor etwa 2 Millionen Jahren machten sich einige der Urmenschen von dort auf den Weg nach Nordafrika, Europa und Asien und bevölkerten Schritt für Schritt die ganze Welt. Das war auch ohne Bootstechnik möglich, denn die Kontinente waren während besonderer Kälteperioden immer wieder durch Eisbrücken verbunden.

Dem körperlich vielen anderen Tieren deutlich unterlegenen Menschen gelang der Schritt an die Spitze der Nahrungskette anfangs vor allem deshalb, weil er vor etwa 1,7 Millionen lernte, das Feuer zu bändigen und für sich zu nutzen – als Licht- und Wärmequelle, zum Kochen und als Waffe. Über Brandrodungen richteten die Menschen schon vor Urzeiten massive Schäden an der Umwelt an und machten sich den Rest der Tierwelt Schritt für Schritt untertan. Vor etwa 70.000 Jahren begann beim Homo Sapiens eine ‚kognitive Revolution‘, möglicherweise ausgelöst durch eine zufällige Genmutation im Gehirn, die seine Denkfähigkeit deutlich erhöhte und in der Folge zu einem großen Evolutionsschub führte. Einen wesentlichen Beitrag zum Erfolg der Menschen trug dabei die Entwicklung der Sprache bei, die eine ausgefeilte Kommunikation möglich machte und auch zum Beispiel die Abstimmung und Umsetzung komplizierter Pläne. Erst über Sprache und Kommunikation und, darauf aufbauend, später ‚Ideologien‘ wurde es möglich, immer größere Gruppen oder Einheiten von Menschen zu steuern und zu beherrschen.

Den Neandertalern dagegen war die kognitive Revolution nicht vergönnt und sie starben bei der letzten Kälteperiode vor etwa 30.000 Jahren aus. Das zeigt, wie wichtig Denken, Erkenntnis, Kommunikation, Planung und die anschließende Umsetzung der Pläne für das Überleben und Fortkommen ist. Es geht dabei auch um die Frage, wer die Gruppe führen soll, wenn es ums Überleben geht: der Intelligenteste und / oder Erfahrenste oder der ‚Dussel‘.

Die Menschen waren zunächst als Jäger und Sammler in kleineren Gruppen unterwegs, die fast alles Lebensnotwendige für den Eigenbedarf selbst erjagten, sammelten oder produzierten. Geld kannten sie nicht. Güter und Dienstleistungen wurden in der Gruppe geteilt oder getauscht.

Auch als die Menschen vor etwa 11.000 Jahren sesshaft wurden und mit der Landwirtschaft begannen, änderte sich daran erst einmal wenig. Die Menschen lebten weiter in kleinen Gemeinschaften, die einzelnen Dörfer waren weitestgehend autark und das Wirtschaftsleben basierte überwiegend auf dem Tauschhandel von Gütern, Dienstleistungen und Gefälligkeiten sowie zu einem geringen Umfang auch auf Tauschhandel mit Fremden. Erste Handwerksberufe bildeten sich heraus, Schuhmacher, Schmiede, Ärzte.

Die Institutionen Privateigentum und Familie sind ungefähr zur Zeit der Sesshaftwerdung entstanden. Vorher waren Grund und Boden, Pflanzen und Tiere „Allgemeineigentum“.

„Der Gedanke, Nutzpflanzen zu setzen, die zu schützen und sie schließlich zu ernten, ist nicht naheliegend oder trivial, und es erfordert ein beachtliches Maß an Intelligenz, um diese Idee zu konzipieren. Weder ein Affe noch Australopithecus, Homo habilis oder Homo erectus, noch nicht einmal der frühe Homo sapiens ist jemals auf diesen Gedanken gekommen.“ - Michael Hart

Nach und nach bildeten sich größere Einheiten menschlicher Organisationsformen. Städte entstanden und auch die ersten ‚Reiche“, die große Landstriche umfassten (Mesopotamien, Ägypter, Römer, Sumerer, Inkas….). Die Erfindung des Rades zum Beispiel führte zu einer deutlichen Verbesserung der Transportmöglichkeiten, der Transport von Gütern über weitere Strecken konnte effizienter bewältigt werden, Handelsbeziehungen wurden ausgeweitet. In den größeren Ballungseinheiten entstanden weitere Handwerks- oder Berufszweige, wie Schreiner, Bäcker, Friseure, Anwälte, Soldaten oder Priester. Mehr und mehr Güter und Dienstleistungen wurden getauscht.

Die Notwendigkeit, solche komplexeren Tauschbeziehungen effizient abzuwickeln, was über den direkten Tausch von vielen unterschiedlichen Gütern schwierig ist, führte zur Erfindung des Geldes, einem universellen Tauschmittel. Als Geld eignen sich Güter, die werthaltig sind, denen von allen Teilnehmern ein bestimmter Wert zugebilligt wird und die möglichst einfach zu transportieren und nicht verderblich sind. Alsbald kristallisierten sich daher Silber und Gold und darauf basierende Münzen als allseits anerkanntes Tauschmittel heraus.

Der Tausch von Gütern fand anfangs noch eher unorganisiert statt. In den Städten entstanden dann im Laufe der Zeit Marktplätze und Markthallen und für Wertpapiere und einige Waren gab es zum Beispiel ab dem 15. Jahrhundert organisierte ‚Börsen‘ (Gebäude, in denen der Handel stattfand, Beispiel Deutsche Börse in Frankfurt, New York Stock Exchange in U.S.A. u.v.a.m.). Heute gibt es darüber hinaus zahllose elektronische Markt- und Handelsplätze wie ebay, Amazon etc.

Bei freiwilligen Tauschhandlungen in einer freien Wirtschaft spricht man generell davon, dass diese ‚am Markt‘ stattfinden. Auf dem ‚Markt‘ bilden sich, basierend auf Angebot und Nachfrage, die Preise, zu denen die Handelstransaktionen stattfinden.

Getauscht werden, anders als vielfach angenommen, auch keine ‚gleichwertigen’ Güter, denn eine Transaktion findet nur statt, wenn sich jeder der Beteiligten einen Vorteil davon verspricht, also der Meinung ist, dass er oder sie weniger weggibt als er oder sie im Gegenzug erhält.

Zu einen großen Umbruch und einer starken Weiterentwicklung gerade in wirtschaftlicher Weise kam es über die Aufklärung, das Aufkommen des Liberalismus und darauf basierend der Industriellen Revolution um das Jahr 1800 herum – in der westlichen Welt endete das Agrarzeitalter und das industrielle Zeitalter, in dem wir heute noch leben, begann.

Was das für Änderungen mit sich brachte, sieht man zum Beispiel daran, dass am Ende des Agrarzeitalters (selbst in den am meisten entwickelten westlichen Ländern noch 80 bis 90 Prozent der Bevölkerung in der Landwirtschaft beschäftigt war, heute sind es in Deutschland weniger als 2%.

Bis etwa zur selben Zeit das Pferd durch Auto und Lokomotive als Transportmittel abgelöst wurde, musste im Übrigen ein großer Teil der Getreideernte als Pferdefutter verwandt werden, was weiter dazu beitrug, dass die Ernährungssituation für viele Menschen prekär war.

Wirtschaftstheorien

Eine Wissenschaft, die ihren Namen rechtfertigt und Fortschritt für die Menschen bringen soll, muss sich ein Bild der Wirklichkeit verschaffen, darauf basierend belastbare Theorien entwickeln und diese laufend überprüfen und nötigenfalls korrigieren. In Bereichen wie Chemie und Physik kann man Theorien mit Experimenten überprüfen, im Bereich der Sozialwissenschaften ist das schwieriger, da man mit Menschen nicht so leicht experimentieren kann und zum Beispiel psychologische Faktoren nicht exakt vorherbestimmbar sind.

Wenn man die Welt aufmerksam und unvoreingenommen beobachtet, kann man Zusammenhänge und Gesetzmäßigkeiten erkennen. Aus diesen Beobachtungen und Erkenntnissen können im nächsten Schritt Theorien entwickelt werden zur Erklärung der festgestellten Abläufe. Diese Theorien müssen anschließend fortlaufend kritisch hinterfragt, überprüft und gegebenenfalls angepasst oder weiterentwickelt werden. Ludwig von Mises bezeichnet diese Herangehensweise an das Forschungsthema im Bereich der Wirtschaftswissenschaft als „Praxeologie“, die Logik des menschlichen Handelns.

“The method of imaginary constructions is indispensable for praxeology; it is the only method of praxeological and economic inquiry. It is, to be sure, a method very difficult to handle because it can easily result in fallacious syllogisms. It leads along a sharp edge; on both sides yawns the chasm of absurdity and nonsense. Only merciless self-criticism can prevent a man from falling headlong into these abysmal depths.” - Ludwig von Mises (Human Action, Seite 238)
“Handeln ohne Denken, Praxis ohne Theorie sind unvorstellbar. Das Denken mag fehlerhaft, die Theorie mag falsch sein, doch Denken und Theorie können nie fehlen.“ - Ludwig von Mises (Nationalökonomie, 1940)

Im Bereich der Landwirtschaft haben Generationen von Gärtnern und Landwirten die Natur beobachtet und dabei sehr viele Erkenntnisse über die Tier- und Pflanzenwelt gesammelt und über Witterungsverhältnisse in Abhängigkeit von den Jahreszeiten. Daraus konnten sie dann Prognosen über die Ernte ableiten oder Empfehlungen, wann am besten mit der Aussaat begonnen werden sollte. Diese Beobachtungen flossen unter anderem in die allseits bekannten lustigen „Bauernregeln“ ein.

So wenig aber wie die Bauernregeln immer stimmen, so wenig lassen sich allerdings auch im wirtschaftlichen Bereich exakte Vorhersagen machen.

“Prognosen sind äußerst schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen” - Mark Twain

Umfassende wissenschaftliche Studien ökonomischer Phänomene entstanden zeitgleich mit der Entwicklung der heutigen modernen industriellen Wirtschaft. Einhergehend mit den Fortschritten bei Produktion, Kommunikation, Transport und Finanzwirtschaft entwickelte sich auch die Ökonomie als Wissenschaft weiter, neue Erkenntnisse wurden gewonnen und flossen in die Theorien ein. Umgekehrt wurden auf Basis der theoretischen Erkenntnisse die praktischen Abläufe kontinuierlich weiterentwickelt. Sowohl unser aktuelles Wirtschaftssystem, das zurecht oder zu Unrecht, als ‚Kapitalismus‘ bezeichnet wird, als auch die heute bekannten Ökonomischen Theorien sind allesamt erst im Gefolge der Industriellen Revolution entstanden.

Der Mensch verhält sich zwar auch unter ökonomischen Gesichtspunkten nicht immer strikt rational, aber seit Urzeiten war er tendenziell bestrebt seine Lebensumstände, heute würden wir ‚Lebensstandard‘ sagen, zu erhöhen. Trotzdem ist die weit verbreitete Annahme, dass der Mensch ein reiner ‚Nutzenmaximierer‘ ist, ein sogenannter ‚Homo Oeconomicus‘ nicht ganz richtig. Bei menschlichen Entscheidungen spielen immer auch andere Aspekte eine Rolle als der reine wirtschaftliche Nutzen.

Im Laufe der Zeit fing der Mensch an zu ‚sparen‘, um Güter zu einem späteren Zeitpunkt konsumieren oder um sie später teurer verkaufen zu können. Geld und Güter wurden verliehen, man tat sich zusammen, um gemeinsam effizienter zu produzieren. Große Denker der Geschichte, wie Platon und Aristoteles, beschäftigten sich bereits vor mehr als 2000 Jahren mit der ‚Wirtschaft‘ und Themen wie Arbeitsteilung, der Höhe von Mieten, ob Maschinen mal die Sklavenarbeit ersetzen könnten oder auch dem Unterschied von Tausch- und Gebrauchswert. Die Arbeitsteilung ist einer der wesentlichen Faktoren, um die Produktivität der Menschen zu erhöhen.

Der Absolutismus löste in Europa im 16. und 17. Jahrhundert den Feudalismus des Mittelalters ab, in dem der Monarch seine Macht noch mit dem Adel teilen musste

Das Aufkommen der absolutistischen Monarchien führte auch dazu, dass die Wirtschaft des Landes weitgehend durch den Staat kontrolliert und gesteuert wurde. Das Wirtschaftssystem des Absolutismus nennt man den „Merkantilismus“. Der Merkantilismus, der primär den Interessen der Herrschenden diente, hatte allerdings katastrophale wirtschaftliche Folgen für die Bevölkerung. Deren schlechte wirtschaftliche Lage war einer der Gründe, die zur französischen Revolution führten.

Die Misere der Bevölkerung, das Aufkommen der „Aufklärung“ (etwa ab 1650) und in dem Zuge auch die Wiederentdeckung der Lehren und Werke der alten griechischen Meister (Platon, Aristoteles) führten schließlich zum Aufkommen des Liberalismus. In Frankreich entstand im Vorfeld noch die ‚physiokratische Schule‘, deren Lehren vor allen Dingen in England auf fruchtbaren Boden fielen. Aus dieser Zeit stammt das geflügelte Wort des ‚Laissez faire‘, das meistens mit der liberalen Wirtschaftstheorie in Verbindung gebracht wird und das bedeutet, dass der Staat sich möglichst nicht in die Wirtschaft einmischen soll.

‚Laissez–faire, laissez–passer, le monde va de lui-même!‘ - Vincent de Gournay (1751, ‚Physiokratie‘)

Die ersten bekannten umfassenden wirtschaftswissenschaftlichen Theorien entstanden dann im Zuge der industriellen Revolution in England, durch die sogenannten „Klassiker“, von denen Adam Smith (1723-1790) und David Ricardo (1772-18239 die bekanntesten sind. Sie beobachteten die wirtschaftliche Entwicklung und versuchten Erklärungen zu finden und Gesetzmäßigkeiten zu ergründen für Phänomene wie Konjunkturzyklen und Krisen, Arbeitslosigkeit, oder auch die Entstehung und die Wirkung von Monopolen. Ihre Theorien bauten auch auf einer Kritik des Merkantilismus auf, des bis dahin vorherrschenden Dogmas, denn von einer sauberen wissenschaftlichen theoretischen Begründung auf Basis sorgfältiger Analysen des Verhaltens aller Teilnehmer des Wirtschaftszyklus kann man beim Merkantilismus noch nicht sprechen.

Dass sich die Klassiker, trotz solider „Grundlagenforschung“ und guten,, zum Teil auch heute noch gültigen Denkansätzen, langfristig nicht durchsetzen konnten, liegt daran, dass manche der behaupteten „Gesetzmäßigkeiten‘ nicht zutrafen, dass der propagierte bedingungslose Freihandel für die damals weniger entwickelten Wirtschaftsnationen wie Deutschland und USA nicht nur Vorteile hatte, aber vor allem deshalb, weil sie ihre Sache schlecht ‚vermarkteten‘. Ihren Gegnern gelang es mit viel Propaganda und der Unterstützung vieler ‚Intellektueller‘, die Tatsachen zu verdrehen und den Liberalismus in einem sehr schlechten Licht darzustellen. Obwohl auch gerade die Arbeiter und unteren Klassen sehr stark von dem vom Kapitalismus ausgelösten Wohlstandsanstieg im Rahmen der Industriellen Revolution profitierten, gelang es den Gegnern der freien Marktwirtschaft, der Bevölkerung vorzugaukeln, dass der Kapitalismus nur den Interessen der Reichen (Kapitalisten) dienen würde und schlecht für die Massen sei, die zunehmend ‚verelenden‘ würden. In Wirklichkeit – auch wenn es den Massen aus heutiger Perspektive wahrlich noch nicht so richtig gut ging und vieles im Argen lag – hatten die Arbeiter ein deutlich besseres Versorgungsniveau als in den Jahren zuvor und vor allen Dingen auch verglichen mit ihrer Lage im Agrarzeitalter (noch im 19. Jahrhundert gab es zum Beispiel auch in Europa einige Hungersnöte mit vielen Toten).

Zu den aufkommenden Gegnern des Kapitalismus gehörten der ‚nationalistische Protektionismus‘ und der Sozialismus in seinen verschiedenen Ausprägungen -wie dem ‚wissenschaftlichen Sozialismus‘ von Karl Marx und Friedrich Engels und der ‚Historischen Schule‘ des Gustav von Schmoller. Allen gemeinsam ist diesen die Staatsgläubigkeit auf der einen und Misstrauen in die Entscheidungen der Individuen auf der anderen Seite sowie nationalistische Tendenzen und sozialistisches Gedankengut. Alle gemeinsam kann man als ‚Neomerkantilismus‘ bezeichnen. Die moderne merkantilistische Version ist der Keynesianismus, oder heute die Modern Monetary Theory (MMT).

Während der Liberalismus mit dem Grundgedanken des freien Handels, der bestmöglichen Verfolgung der wirtschaftlichen Interessen der Bürger und einem vergleichsweise schwachen Staat tendenziell friedensstiftend wirkt, ist eine Wirtschaftsideologie, die die nationalistischen Interessen eines starken Staates in den Vordergrund stellt, eher konfliktfördernd. Der Neomerkantilismus begann im Deutschland Bismarcks und schwappte von da nach England, USA, Frankreich und in andere Länder über.

Liberale führen den Ausbruch der beiden Weltkriege, die jeweils die internationale Arbeitsteilung weitgehend zerstörten, auch auf die zunehmend nationalistische Wirtschaftspolitik der Länder zurück.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam mit den sogenannten „Neoklassikern“ eine weitere interventionistische Wirtschaftstheorie auf, quasi als Synthese aus Keynesianismus und verschiedenen Gleichgewichtstheorien (Alfred Marshall und Leon Walras). Im Ergebnis propagiert auch diese Theorie staatliche Einflussnahme, um Nachfrage zu generieren und damit Vollbeschäftigung anzustreben.

Bei den ganzen verschiedenen Wirtschaftstheorien geht es letztlich um zwei wesentliche Denkrichtungen, die zwei unterschiedliche Gesellschaftsmodelle und Wirtschaftssysteme favorisieren und jeweils „wissenschaftlich“ bzw. theoretisch zu rechtfertigen versuchen:

Auf der einen Seite der ‚Sozialismus‘, verbunden mit Planwirtschaft, Zentralplanung, Interventionismus und einem starken Staat.

Auf der anderen Seite der ‚Kapitalismus‘ auch liberale, ‚freie Marktwirtschaft‘ genannt, verbunden mit der Idee eines schlanken Staats, der nur den rechtlichen Ordnungsrahmen setzt und sich ansonsten auf seine Kernaufgaben konzentriert: Sicherheit nach außen und innen, Justiz, Infrastruktur.

Bildung zum Beispiel kann auch sehr gut oder sogar besser privat organisiert werden. Hierbei ist allerdings dafür zu sorgen, dass alle Kinder einen Zugang zu guter Bildung haben müssen. Dies kann zum Beispiel privat über Stipendien erfolgen, über Steuererleichterungen und übergangsweise auch mittels staatlicher Unterstützung erfolgen.

„Üble Missstände zu erzeugen und dann anderen die Schuld zuzuweisen, ist geradezu das Wesen der Politik.“ - Gary Galles (‚Greedy Bastard Economics‘).

“Democracy is based on Abraham Lincoln‘s principle, that you can fool all the people some of the time, and some people all the time, but you cannot fool all the people all of the time. If a government is corrupt and fails to improve people‘s lives, enough citizens will eventually realize this and replace the government. But government control of the media undermines Lincoln‘s logic, because it prevents citizens from realizing the truth.” - Yuval Noah Harari

Die Österreichische Schule

Die Österreichische Schule geht auf Carl Menger (1851-1914) zurück, der etwa ab dem Jahr 1870 daran arbeitete, die Ökonomie wissenschaftlich weiter zu untermauern.

Ökonomie, als Lehre vom wirtschaftlichen Handeln der Menschen mit dem Ziel, ihre Bedürfnisse bestmöglich zu befriedigen, kann keine exakte Wissenschaft sein, anders als Chemie oder Biologie oder Physik, wo man mit Experimenten Ergebnisse erzielen kann.

Bei der Ökonomie aus Sicht der Österreichischen Schule geht es darum, Erkenntnisse aus dem Studium des menschlichen ökonomischen Handels abzuleiten, zunächst einmal unabhängig von philosophischen oder moralischen Fragen und auch unabhängig von Geschichte, Geographie und Politik und sonstigen exogenen Faktoren. Ökonomie soll beschreibend sein und nicht wertend.

Eine grundlegende Aussage sowohl der ‚Klassiker‘ als auch der ‚Österreicher‘ ist, dass die Preise das wesentliche Instrument für die richtige Steuerung der Wirtschaft sind – und zwar die Preise, die sich an einem freien Markt über Angebot und Nachfrage bestimmen. Ohne die Informationen, die die Preise liefern, lassen sich keine guten ökonomischen Entscheidungen treffen. Eine ökonomische Wirtschaftsrechnung ohne Preise ist praktisch nicht möglich. Zu den Preisen gehört auch der Zins. Die Österreichische Schule basiert auf einer guten Analyse der Realität und ihre Schlussfolgerungen und Aussagen gelten als vernünftig.

Dass es in einer Planwirtschaft keine ‚Marktpreise‘ gibt, ist das Hauptproblem aller sozialistischen Länder. Primär daran sind bisher alle sozialistischen Experimente gescheitert, und eine Lösung ist nicht in Sicht.

Neben Carl Menger sind Ludwig von Mises (1881-1973), Eugen Böhm von Bawerk (1851-1914) und Friedrich von Hayek (1899-1992) die bekanntesten Persönlichkeiten der Österreichischen Schule.

Keynesianismus

Der Keynesianismus ist seit fast 100 Jahren die wirkmächtigste Wirtschaftsideologie in der westlichen Welt – und das, obwohl sie ‚handwerklich‘ schlecht gemacht ist, auf vielen falschen Annahmen beruht und in der Realität bereits widerlegt wurde.

‚Keynesianismus‘ ist eine extrem staatsorientierte, sozialistisch-merkantilistische Wirtschaftsideologie, die dem Staat eine zentrale Rolle im Wirtschaftsleben zuschreibt – mit entsprechend viel Macht und Einfluss für Politik und Bürokratie. Und genau darin liegt auch die Ursache begründet für seinen dominierenden Einfluss in der westlichen Welt: Politiker und Bürokraten lieben Macht, Einfluss und Zugriff auf die Geldtöpfe eines Landes. Und Keynes liefert ihnen dafür die „wissenschaftliche“ Rechtfertigung.

Der Keynesianismus geht auf das 1936 im Zeichen der Weltwirtschaftskrise veröffentlichte Buch von John Maynard Keynes zurück „The General Theory of Employment, Interest, and Money“.

Wie wir später sehen werden, ist die Weltwirtschaftskrise letztlich mehr oder weniger genau durch die Maßnahmen und staatlichen Einflussnahmen entstanden und in ihrer Dauer verstärkt worden, die Keynes später zur Bewältigung der Probleme vorschlägt.

“If the Treasury were to fill old bottles with banknotes, bury them at suitable depths in disused coalmines which are then filled up to the surface with town rubbish, and leave it to private enterprise on well-tried principles of laissez-faire to dig the notes up again…there need be no more unemployment and, with the help of the repercussions, the real income of the community, and its capital wealth also, would probably become a good deal greater than it actually is. It would, indeed, be more sensible to build houses and the like; but if there are political and practical difficulties in the way of this, the above would be better than nothing.” - John Maynard Keynes (General Theory, 1936, p. 68)

Wirtschafts- und Finanzkrisen

Von der Panik von 1819 über die Weltwirtschaftskrise 1929 (The ‚Great Depression‘) und die „Sub-Prime“-Krise 2008 bis hin zur Corona-Krise des Jahres 2020.

Allen nachfolgend geschilderten größeren Krisen ist gemein, dass ihre Ursachen in einer lockeren Geldpolitik liegen.

Die Panik von 1819: Die im Jahr 1791 gegen viele verfassungsrechtliche Bedenken neu geschaffene US-Zentralbank „Bank of United States“ und ihr Nachfolger im Jahr 1816, die „Second Bank of United States“ sorgten zusammen mit den Geschäftsbanken für eine starke Ausweitung der Geldmenge durch die Ausgabe von ungedeckten Banknoten sowie Krediten. Die Folge war zunächst eine Boomphase mit vielen spekulativen Investitionsvorhaben, die unter normalen Umständen nicht rentabel zu betreiben sind. Als die Zufuhr frischen Geldes und die Kreditausweitung endete, kam es zu einer scharfen Rezession mit vielen Insolvenzen und einer hohen Arbeitslosigkeit.

Die Krise von 1825 war eine überwiegend englische Krise. Auch sie wiederum ausgelöst durch eine enorme Kreditausweitung für Investitionen in der Textilindustrie und in Eisenbahnen. Die folgende Depression endete erst im Jahr 1832.

In Großbritannien, Frankreich und den USA kam es ab 1840 erneut zu Kreditausweitungen, insbesondere zur Finanzierung von Eisenbahngesellschaften. Viele Anleger spekulierten auf Kredit mit Eisenbahnaktien. Als die Aktien ab 1846 zu fallen begannen, kamen viele Investoren in Schwierigkeiten, was zu weiterem Verkaufsdruck führte. Die Kurse stürzten ab, die Spekulationsblase platzte. Die Folge war eine größere Wirtschaftskrise mit hoher Arbeitslosigkeit.

Schlechte Ernten in mehreren europäischen Ländern (Kartoffelfäule, schlechte Weizenernte) in den Jahren 1845 und 1846 verschärften die Krise noch; bei Hungersnöten starben etwa 2 Millionen Menschen.

Auch im Jahr 1857 gab es eine ernste Krise, die sich, ausgelöst in New York über den ganzen Globus ausbreitete, Banken und Unternehmen in die Pleite riss und Millionen Menschen ihren Arbeitsplatz kostete. Auch diese Krise wurde als „Weltwirtschaftskrise“ bezeichnet. Ausgelöst wurde sie durch einen Spekulationsboom und unter anderem durch den Zufluss von viel spekulativem Geld aus Europa verbunden mit einer Kreditausweitung im Inland.

Auch der Krise von 1866 ging eine Kreditausweitung ab dem Jahr 1861 durch englische, französische und spanische Banken voraus, die zu einem kräftigen Preisanstieg geführt hatte. Der Spekulationswelle folgte auch hier eine Geldklemme, es kam zu spektakulären Bankzusammenbrüchen, eine Depression mit hoher Arbeitslosigkeit setzte ein.

Der Hauptschauplatz der Krise von 1873 waren die jungen kapitalistischen Länder Deutschland, Österreich-Ungarn und die USA aber auch zahlreiche andere Länder waren betroffen. Nach dem im Jahr 1871 gewonnenen Krieg gegen Frankreich und der Reichsgründung war in Deutschland eine spekulative Gründerperiode ausgebrochen, noch verstärkt durch den Geldzufluss aus Frankreich (hohe Reparationszahlungen) und eine Kreditausweitung. In USA hatte 1865 der Sezessionskrieg geendet, der mit einer großen Kreditexpansion einherging. Im Mai 1873 begann in Europa die Krise, im Folgejahr auch in den USA. Wieder waren Bankzusammenbrüche die Folge und eine wirtschaftliche Depression, die in Deutschland in den Jahren 1878/1879 ihren Tiefpunkt hatte. Frankreich hingegen hatte sich dieses Mal nicht an der Kreditausweitung beteiligt – nicht zuletzt wegen des 1871 verlorenen Kriegs gegen Deutschland – und blieb von der Krise weitgehend verschont.

Ab 1878 wurden in den USA und in Frankreich die Kredite wieder kräftig ausgeweitet. Investiert, auf Basis einer starken Darlehensvergabe an die Industrie und der Ausgabe neuer Aktien, wurde vor allen Dingen in neue Produktionstechniken und das Verkehrswesen (eiserne Dampfschiffe z.B.). Die Krise von 1882 begann in Frankreich mit dem Zusammenbruch der Bank Union Générale, in den USA brachen mehr als 400 Banken zusammen.

Schwerpunkt der Krise von 1890 bis 1892 war Südamerika. Vorangegangen war erneut eine weltweite Kreditexpansion. Die Folge waren wieder Unternehmens- und Börsenzusammenbrüche verbunden mit Arbeitslosigkeit und Depression.

Bereits ab 1896 wurde die Kreditausweitung erneut angekurbelt. Die neuerliche Krise, die vor allen Dingen die USA betraf, begann im Jahr 1907, viele Banken brachen in den USA zusammen.

Der Krise von 1907 versuchte man durch eine neuerliche Kreditausweitung zu begegnen, was im Jahr 1913 die nächste Krise auslöste, die dann durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs unterbrochen wurde.

Im Jahr 1913 wurde die US Zentralbank FED gegründet. Nach der Gründung der Zentralbank mit ihren erweiterten Möglichkeiten des Gelddruckens erhielten die Krisen eine neue Dimension.

Die Inflationierung der US-Geldmenge durch den damaligen US-Präsidenten Woodrow Wilson (1913-1921) führte im Jahr 1920 nach dem Ende des Ersten Weltkriegs zur nächsten Krise. Der neue Präsident Warren G. Harding (1921-1923) vertraute auf die Marktwirtschaft und untersagte FED-Interventionen. Die Wirtschaft erholte sich von sich aus innerhalb weniger Monate und die Rezession war schnell überwunden.

Die Weltwirtschaftskrise begann im Jahr 1929 nach einem mehrjährigen Boom, der von einer enormen Börsenhausse begleitet war. Die sogenannten ‚Goldenen Zwanziger Jahre‘ hatten viele technische Neuerungen und Produktivitätsfortschritte gebracht, die bei einer gleichbleibenden oder natürlich steigenden Geldmenge in diesen Jahren zu fallenden Preisen für Güter und Dienstleistungen hätten führen müssen. Zu fallenden Preisen kam es aber nicht, weil die FED und auch andere Zentralbanken die Geldmenge massiv inflationierten und damit eine enorme Börsenhausse befeuerten. Die dann folgende Krise hatte hinsichtlich Dauer und Ausmaß eine bis dato unbekannte Dimension und prägte so das Denken der Menschen für lange Zeit.

Über die Gründe für die im Jahr 1929 beginnende katastrophale Entwicklung gibt es die unterschiedlichsten Ansichten. Auf jeden Fall gilt wohl auch für diesen riesigen Crash, dass je größer die vorangegangene Boom-Phase ist, desto größer auch die darauffolgende ‚Bust-Phase‘ ausfällt.

In der Realwirtschaft kam es in der damaligen Zeit ohnehin zu größeren Umbrüchen, die sicher auch ohne vorangegangenen Boom zu einigen Pleiten und vorübergehender Arbeitslosigkeit geführt hätten: in der Landwirtschaft zum Beispiel wurden durch den Einsatz neuer Maschinen viele Arbeitskräfte freigesetzt.

Allerdings hatten sich auch die Vereinigten Staaten von Amerika bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts – wie auch alle anderen westlichen Staaten – mehr und mehr interventionistisch und wohlfahrtsstaatlich verhalten. Die Staatsquote stieg prozentual beträchtlich an, im Jahr 1913 wurde eine bundesstaatliche Einkommenssteuer eingeführt und mit der Einrichtung der Zentralbank (Federal Reserve System ‚FED‘) im selben Jahr und dem damit einhergehenden staatlichen Geldmonopol wurden die Schleusen zu einer seitdem stetig steigenden Staatsverschulung und Geld- und Kreditausweitung geöffnet. Unterbrochen, wie oben angeführt, wurde dies nur durch eine kurze marktwirtschaftlich stringente Phase in USA unter Präsident Harding.

Nachdem die US-Wirtschaft im Jahr 1924 einen Einbruch verzeichnet hatte, löste die FED in Kooperation mit dem Geschäftsbankensystem eine massive Kreditexpansion aus. 1927 wurde dann eine weitere Inflationswelle ausgelöst, so dass die umlaufende Geldmenge zwischen 1924 und 1929 insgesamt um etwa 25% anstieg. Industrie, Finanzsektor und Staat verschuldeten sich kräftig weiter, Aktien- und Immobilienpreise stiegen massiv an.

Inflation und Kreditexpansion bewirken aber immer Fehlanpassungen und Fehlinvestitionen in der Wirtschaft, die früher oder später wieder bereinigt werden müssen – was im Jahr 1929 begann.

Anstatt, wie im Jahr 1920, das Feld den Marktkräften zu überlassen, um die Verwerfungen möglichst effizient zu bereinigen, mischte sich die Staatsmacht unter Präsident Herbert Clark Hoover (1929-1933) immer stärker in das Marktgeschehen ein. Über Steuererhöhungen, Zölle, Zinsmanipulationen, einer expansiven Geldpolitik und sonstigen interventionistischen Eingriffen wurde die Krise verstärkt und verlängert.

Seit 1929 kam es zu verschiedenen weiteren ernsten Wirtschaftskrisen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten alle westlichen Länder für einige Zeit ein ansehnliches Wirtschaftswachstum und geringe Arbeitslosigkeit vorzuweisen. Mit Unterstützung des 1948 eingeführten amerikanischen Marshall-Plans (European Recovery Program, ‚ERP‘) wurde die daniederliegende Wirtschaft der europäischen Länder kräftig angekurbelt. In Deutschland sprach man von dem „Wirtschaftswunder“, das primär dem damaligen Wirtschaftsminister Ludwig Erhard (1897-1977) zu verdanken ist, einem Anhänger der Österreichischen Schule. Ludwig Erhard veranlasste 1946 parallel zur Währungsreform, dass die meisten staatlichen Eingriffe in die Wirtschaft, wie Preiskontrollen, abgeschafft wurden.

Über großes Wirtschaftswachstum bei gleichzeitig relativ niedrigen Zinsen gelang es den westlichen Ländern zunächst, ihre kriegsbedingt sehr hohe Staatsverschuldung deutlich zu senken. Allerdings führte das Wirtschaftswachstum dazu, dass die Staaten den Wohlstand mehr und mehr umverteilen wollten, die Steuern und Staatsquoten stiegen laufend weiter an.

Die Freude wurde durch die Ölkrise 1973 erstmals nachhaltig gedämpft. Zur Zeit des Jom-Kippur-Krieges der Araber gegen Israel begann die arabische Erdölorganisation OPEC mit einer Ölverknappung, die den für die westlichen Industriestaaten wichtigen Rohstoff Rohöl in kurzer Zeit massiv verteuerte. Allein im Oktober 1973 stieg der Ölpreis um 70% und innerhalb eines Jahres verdreifachte sich der Preis. Die Folge war eine massive Wirtschaftskrise in den westlichen Ländern.

Im Jahr 1981 kam es zur US-Sparkassenkrise (Savings and Loan Crisis). Staatliche Eingriffe und Maßnahmen sowie die Niedrigzinspolitik der Zentralbank und steigende Immobilienpreise hatten die Sparkassen zu riskanten Finanzierungsgeschäften verleitet. Als diese zu großen Verlusten führten, musste der gesamte Sektor vom Staat auf Kosten der Steuerzahler gerettet werden.

Am 19. Oktober 1987, „Schwarzer Montag“ genannt in Anlehnung an die Bezeichnung „Schwarzer Donnerstag“ für den Tag des New Yorker Börsencrashs vom 24. Oktober 1929, der die Weltwirtschaftskrise einleitete, kam es zu dem bislang größten Börsen-Crash der Nachkriegszeit: der amerikanische Aktienindex „Dow-Jones“ verlor innerhalb von Stunden fast ein Viertel seines Wertes. Auslöser waren steigende Zinsen und ein hohes Handelsdefizit, aber vor allen Dingen ein massiver Kursanstieg in den vorangegangenen Monaten, der die Bewertung der Aktien zu stark nach oben getrieben hatte. Kursanstiege und Boomphasen, die durch leichtes Geld ausgelöst werden, enden in der Regel recht abrupt sobald der Zufluss frischen Geldes versiegt oder aber die Zinsen zur Eindämmung inflationärer Effekte erhöht werden.

„Für Börsenspekulationen ist der Februar einer der gefährlichsten Monate. Die anderen sind Juli, Januar, September, April, November, Mai, März, Juni, Dezember, August und Oktober. - (Mark Twain)

Wenn Krisen sich nicht ‚auf natürlichem Wege‘, das heißt ohne staatliche Einflüsse bereinigen und im Gegenteil die Krise erneut mit frischem Geld bekämpft wird, kann es kurzzeitig zu einer Verbesserung kommen – allerdings wird dadurch die Saat für die nächst größere Krise gelegt.

Seit 1990 hält die Japan-Krise das Land im Bann. Auslöser waren auch hier künstlich niedrige Zinsen, die zu einem großen Spekulationsboom führten mit stark steigenden Aktien und Immobilienpreisen. Als die Zinspolitik im Jahr 1989 restriktiver wurde, um den Spekulationsexzess einzudämmen, brach das Kartenhaus zusammen – und die Krise hält auch heute noch an. Der japanische Aktienindex Nikkei steht im Jahr 2020 nur bei etwa der Hälfte seines Wertes im Jahr 1989.

Im Jahr 1994/1995 folgte die „Tequila-Krise“ in Mexico, im Jahr 1997/1998 die Finanz- Währungs- und Wirtschaftskrise in Ostasien („Asienkrise“).

Im März 2000 platzte die „Dot-Com“-Börsenblase. Hier verloren zwar viele Anleger Geld und einige Firmen gingen Pleite, die Auswirkungen für die Realwirtschaft hielten sich allerdings in Grenzen. Der deutsche Aktienindex DAX fiel von seinen Höchstständen im März 2000 bis zum Jahr 2003 um über 70%. Im Vorfeld waren Aktien aus dem Bereich ‚New Economy‘ primär mit Bezug zum Internet massiv gestiegen, Firmen, die noch nie einen Cent Gewinn gemacht hatten, wurden auf Basis illusorischer Gewinnerwartungen mit Milliarden bewertet. An der Börse wurde das entsprechende Marktsegment, der Neue Markt, im Jahr 2003 komplett aufgelöst. Die Verluste am ‚Neuen Markt‘ vom Höchststand im März 2000 beliefen sich zum Schluss auf etwa 95%.

Im Jahr 2007 beginnt die Weltfinanzkrise (auch „Sub-Prime-Krise“ genannt), in der wir uns letztlich an sich auch heute noch befinden. Auch hier waren im Vorfeld die Immobilienpreise und Börsenkurse stark gestiegen, auch wieder einmal stark beeinflusst durch staatliche Eingriffe. Nach dem Platzen der Dot-Com-Blase und den Terroranschlägen vom 11. September 2001 hatte die amerikanische Zentralbank eine sehr expansive Geldpolitik betrieben und diese auch längere Zeit nicht beendet, obwohl die US-Wirtschaft bereits wieder ordentlich wuchs, und zwar weil die Arbeitslosigkeit trotz Wirtschaftswachstum hoch blieb; es wurden nur wenige neue Jobs geschaffen. Kapitalzuflüsse aus dem Ausland hatten den Preisanstieg bei Immobilien und Aktien weiter verstärkt, eine neue Spekulationsblase war die Folge. Und wie jede Blase, platzte auch diese irgendwann.

Weiterhin hatte der Staat im Vorfeld mit gesetzlichen Regelungen die Banken auch gezwungen, Immobilienkredite an nicht-kreditwürdige Immobilienkäufer für Schrottimmobilien zu vergeben. Die Ratingagenturen (unter anderem Standard & Poors, Moodys und Fitch), bewerteten problematische Pakete von Schrottimmobilienkrediten mit Bestnoten und viele institutionelle Anleger – besonders auch aus Deutschland – hatten die wertlosen Kredite in Milliardenhöhe gekauft.

Als erste ernstere Zweifel an der Nachhaltigkeit der Immobilienbewertungen aufkamen, brachen die Kurse der involvierten Banken ein und viele gingen Pleite beziehungsweise mussten mit viel staatlichem Geld (Steuergeld!) gerettet werden. Ihren Höhepunkt hatte die Krise am 15. September 2008 als die große amerikanische Investmentbank Lehman Brothers zusammenbrach. Kurzzeitig bestand sogar die Gefahr des Zusammenbruchs des gesamten globalen Banksystems. Um das zu verhindern, versorgten die Staaten das Finanzsystem mit gigantischen Geldsummen, was dazu führte, dass die ohnehin schon hohe Staatsverschuldung so stark anstieg, dass deren Bonität sank und einige Staaten selbst vor der Pleite standen. Sogenannte ‚systemrelevante‘ Firmen wurden mit Steuergeldern gerettet, in Deutschland zum Beispiel die Commerzbank – man sprach von ‚too big to fail‘. Aufgrund der Tatsache, dass diese Firmen in den guten Zeiten ihre Gewinne in Form von Dividenden an die Eigentümer ausgeschüttet hatten, jetzt aber der Steuerzahler zu ihrer Rettung einspringen musste – ‚Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren‘ – spricht man bei einer solchen Situation von ‚moral hazard‘.

Weltweit beliefen sich die Wertpapierverluste infolge der Krise auf etwa 4 Billionen US-Dollar. Der DAX zum Beispiel fiel um etwas über 50% von etwa 8000 Ende 2007 auf 3700 im März 2009.

Die Finanzkrise schlug auch auf die Realwirtschaft durch, auch viele große Unternehmen, wie zum Beispiel General Motors, mussten Insolvenz anmelden.

Um die Folgen der Krise zu mildern, hielten die Zentralbanken in den kommenden Jahren die Zinsen erneut künstlich niedrig – zusätzlich zu der enormen Menge an frischem Geld, das sie in die Märkte pumpten.

In Europa schloss sich die im Jahr 2009 beginnende ‚Eurokrise’ nahtlos an, die auch bis heute noch nicht gelöst ist. Auslöser der Krise war die Erkenntnis, dass Griechenland mehr oder weniger Pleite war. Griechenland hatte über Jahre die eigenen Verschuldungszahlen gefälscht und bereits die Aufnahme in den Euro hatte sich Griechenland mit sehr kreativen Buchungen erschlichen. Bei der Eurokrise kommen insofern Aspekte einer Staatsschuldenkrise, einer Bankenkrise und einer Finanzkrise zusammen.

Im Frühjahr 2010 erklärt Griechenland, dass es seinen Zahlungsverpflichtungen ohne Hilfe der EU nicht mehr nachkommen könne, dann folgt im Herbst Irland. Die EU-Kommission schätzte, dass die EU-Mitgliedsländer 2010 neue Schulden von rund 870 Milliarden Euro anhäufen werden. Als im Jahr 2011 Spanien und Italien in Schwierigkeiten geraten, verschärft sich die Krise weiter.

Die Probleme im Euroraum gehen auf die Einführung der gemeinsamen europäischen Währung EURO zurück, die im Januar 1999 eingeführt wurde. Von vielen Fachleuten wurde bereits im Vorfeld vor der Euroeinführung in Ländern gewarnt, die international weniger konkurrenzfähig sind als andere Euro-Teilnehmer, da Länder wie Italien, Spanien, Portugal, Griechenland aber auch in gewissen Maßen Frankreich ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit in früheren Jahren nur dadurch erhalten konnten, indem sie ihre eigenen nationalen Währungen ständig abwertenden – was bei einer einheitlichen Währung nicht mehr möglich ist. Seitdem steht die Frage eines Auseinanderbrechens des Euro im Raum. Alternativ auch der Ausschluss von Griechenland aus dem Euro.

„Ich glaube, dass die Einführung des Euro den gegenteiligen Effekt haben wird. Sie wird politische Spannungen verschärfen, indem sie divergente Schocks, die durch Änderung der Wechselkurse leicht hätten gemildert werden können, zu umstrittenen politischen Themen macht.“ - Milton Friedman

„Während die Lohnstückkosten – also die Lohnkostenvorteile im Verhältnis zur Arbeitsproduktivität – zwischen 2000 und 2007 in Griechenland (128,6%), Spanien (127,7%), Italien (123,6%), Portugal (122,3%) und Irland (133,6%) in den Himmel schossen, blieben sie in Deutschland erst konstant und sanken ab 2004 sogar.“ - Wolfgang Steiger und Simon Steinbrück

Im Jahr 2011 weitete sich die Eurokrise zu einer ausgewachsenen „Weltfinanzkrise“ aus. Am 8. August 2011 entzog die Ratingagentur Standard & Poors (S+P) den U.S.A. die Ratingbestnote AAA. Die Folge war ein massiver Kurseinbruch. Der 8. August 2011 wird „Schwarzer Montag“ genannt.

In der Folge stieg die globale Staatsverschuldung kräftig weiter an, die Zinsen wurden weiter künstlich niedrig gehalten und die Börsen haussierten weiter.

Bis Anfang des Jahres 2020 die ‚Corona-Krise‘ begann. Ausgelöst wurde sie durch eine aus China kommende Virus-Epidemie oder ‚Pandemie‘, in deren Folge die meisten Regierungen weltweit die heimische Wirtschaft praktisch von einem auf den anderen Tag über angeordnete ‚Lock-Down‘-Maßnahmen massiv drosselten und viele Firmen in den Ruin trieben. Inzwischen (Mitte Juni 2020) ist die Arbeitslosigkeit in Amerika fast so hoch wie in der Weltwirtschaftskrise. Um die Pleitewelle ein bisschen einzudämmen und die Menschen wenigstens ein Stück weit vor den staatlich verordneten Einbußen zu schützen, legten die Regierungen weltweit gigantische schuldenfinanzierte Förderprogramme auf, die die weltweiten Staatsschulden allerdings drastisch weiter erhöhen – und eine geordnete Finanzierung beziehungsweise Rückführung der Staatsschulden inzwischen fast unmöglich machen.

Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die aufeinanderfolgenden Krisen immer größere Ausmaße annehmen. Aus Sicht der Österreichischen Schule ist das insofern nachvollziehbar als die Staaten bei jedem Versuch, die Probleme kurzfristig zu lösen, die Situation weiter verschlimmern. Überschuldung wird mit weiteren Schulden ‚bekämpft‘. Kurzfristige Verbesserungen werden mit mittel- bis längerfristig auftretenden großen weiteren Schäden erkauft.

Teil 2

“Die Kunst der Wirtschaftswissenschaften besteht darin, nicht nur die kurzfristigen Folgen, sondern vor allen Dingen die längerfristigen Wirkungen einer Maßnahme oder Vorgehensweise zu beachten, sie besteht auch darin, die Wirkungen der Maßnahmen nicht nur auf eine Interessengruppe, sondern auf alle Gruppen zu berücksichtigen.“ - Henry Hazlitt

Markt und Arbeitsteilung

Wir betrachten nachfolgend einige Segmente des ökonomischen menschlichen Handels genauer, um die wirtschaftlichen Zusammenhänge besser verstehen zu können und Lösungsansätze zu entwickeln zur Bewältigung und zur Vermeidung von Krisen.

Schon in der Kleinfamilie beziehungsweise der Kleingruppe der Jäger- und Sammlerzeit kam es zu Arbeitsteilung, da ein Mensch allein aus eigener Kraft kaum in der Lage ist, alle seine Bedürfnisse zu befriedigen. Der eine jagte, der andere sammelte Beeren, wieder andere kümmerten sich um die Familie und andere Dinge – es wurden mithin ‚Waren‘ und ‚Leistungen‘ getauscht. Die Tauschbeziehung gilt insofern als die grundlegendste Form sozialen Austauschs. Sie findet, wie bereits eingangs erwähnt, an einem wie auch immer gearteten ‚Markt‘ statt, an dem Güter und Leistungen entweder direkt gegeneinander getauscht werden oder über den Umweg von ‚Geld‘. Märkte können lokal, regional oder international sein. Silber- und Goldmünzen wurden zum Beispiel schon immer über Landesgrenzen hinweg akzeptiert als werthaltiges, allseits gültiges Zahlungsmittel.

Der Markt ist der Dreh- und Angelpunkt allen wirtschaftlichen Handelns, zu dem im zeitlichen Ablauf Produktion, Vertrieb beziehungsweise Verteilung und Konsum gehören.

Bei einem Tausch am Markt werden letztlich immer Güter und Leistungen gegeneinander getauscht, wenn auch heute in der Regel über den Umweg über Geld, das ‚zwischengeschaltet‘ wird, um die Abwicklung zu erleichtern.

Auf einem Markt wird immer ‚Positiver Nutzen‘ (Vorteile) gegen ‚Negativen Nutzen‘ (Nachteile) getauscht. Man erhält eine Ware (Vorteil) im Tausch gegen ein anderes Gut (Nachteil), das man weg gibt. Das kann auch Geld sein.

Beim Arbeiten tauscht man Freizeit gegen Lohn, der in Geld ausbezahlt wird. Dieses Geld benutzt man dann um die Miete zu bezahlen (das Gut ‚Wohnen‘), Essen, Kleidung, Auto, Konsumgüter. Das sind alles Dinge, die einen ‚Wert‘ haben, sogenannte ‚ökonomische Güter‘, die nicht frei erhältlich sind, wie zum Beispiel Luft oder Meerwasser. Was die einzelnen Güter und Dienstleistungen wert sind, hängt von den subjektiven Empfindungen und Entscheidungen der Marktteilnehmer ab, die sich letztlich bei einem ‚Marktpreis‘ zusammenfinden. Es gibt keinen dauerhaft festen Wert von Gütern und Leistungen. Alles ist im Fluss. Wenn sich der Geschmack der Leute ändert oder es technologische Neuerungen gibt, verlieren einstmals begehrte Güter schnell an Wert. Seitdem es Smartphones gibt, interessiert sich kaum noch jemand für andere Mobiltelefone, DVDs waren der Untergang der Videokassetten, CDs brachten die Nachfrage nach Schallplatten fast komplett zum Erliegen.

In der Wüste auf der anderen Seite würde ein Verdurstender einem anderen für einen Schluck Wasser Millionen in Diamanten geben.

Wie bereits oben erwähnt, beschäftigte sich schon im Alten Griechenland der berühmte Philosoph und Naturforscher Aristoteles (385 – 383 vor Christus) mit dem Wert von Gütern und unterschied zum Beispiel den ‚Gebrauchswert‘ vom ‚Tauschwert‘. Der Gebrauchswert einer Sache beschreibt den Nutzwert für einen Anwender, also zum Beispiel einer Nadel für eine Näherin oder von Hammer und Säge für einen Schreiner; der Tauschwert dagegen ist das, was man für ein bestimmtes Gut zu einem bestimmten Zeitpunkt als Gegenwert erhält. Beide Werte ändern sich über die Zeit, für eine wirtschaftliche Betrachtung ist aber an sich nur der Tauschwert relevant. Untauglich für eine realistische Bewertung von Gütern ist zum Beispiel die Frage, wie viel Arbeit erforderlich ist, um ein bestimmtes Gut zu produzieren oder wie viel Arbeit der Einsatz dieses Gutes dem Anwender erspart.

Als „Gut“ definiert man etwas, das knapp ist, das in Besitz genommen werden kann, das zum Erreichen eines Ziels eingesetzt werden kann und einen Wert hat.

Kein ‚Gut‘ in diesem Sinne sind z.B. die Luft in der Umwelt, Regenwasser, Meerwasser.

Man unterscheidet auch zwischen ‚privaten Gütern‘ und ‚öffentlichen Gütern‘. Ein öffentliches Gut ist zum Beispiel ein ‚Leuchtturm‘, den jeder Kapitän eines vorbeifahrenden Schiffs nutzen kann, ohne dafür bezahlen zu müssen. Nicht jedes ‚öffentliche‘ Gut muss allerdings zwingend vom Staat bereitgestellt werden müsste; private ‚Gönner‘ und Philanthropen könnten dazu durchaus auch bereit sein.

„Ein Ding wird zum Mittel, indem menschliches Denken es zur Erreichung eines Zweckes einzusetzen plant und menschliches Handeln es zur Erreichung eines Zweckes einsetzt.“ - Ludwig von Mises

Wenn der Preis, der Wert, eines Gutes, von einer Regierung willkürlich festgesetzt wird (abweichend vom dem Preis, der sich über Angebot und Nachfrage ‚am Markt‘ bilden würde), kommt es zu erheblichen Fehlentwicklungen: wenn der Staat, das heißt die Regierung oder Planungsbehörde, die Preise zu niedrig ansetzt, kaufen die Konsumenten möglichst viel davon und mehr als sie normalerweise benötigen, was schnell dazu führt, dass die Regale ausgeräumt sind und einige Menschen leer ausgehen. Wenn die Preise zu hoch angesetzt werden, weichen die Kunden wenn möglich auf andere vergleichbare Waren aus; die zu teure Ware bleibt ungenutzt liegen, Kapital, das an anderer Stelle benötigt wird, bleibt ungenutzt (es gab zum Beispiel mal die Situation, dass eine Regierung die Preise für Brot so niedrig ansetzte, dass die Menschen das Brot kauften und an ihre Tiere verfütterten, eine riesige Verschwendung von Ressourcen).

Staatliche Eingriffe in die Preisentwicklung – seien es Mindestlöhne, Mietpreisdeckelung oder Höchstpreise für Waren – führen in der Regel bald zu Ausweichbewegungen. Wenn Preise zu niedrig angesetzt werden, werden Produzenten die entsprechenden Waren nicht mehr zu diesen Preisen anbieten, es entstehen ‚Schwarzmärkte‘, an denen die Preisvorgaben umgangen werden. Auch wenn der Staat in die Preise zu stark mittels Steuern und Abgaben eingrifft, kommt es zu entsprechenden Ausweichbewegungen. Im Bereich der Löhne zum Beispiel kommt es dann vermehrt zu Schwarzarbeit, es entsteht eine ‚Schattenwirtschaft‘. Die Realität lässt sich eben nicht unbegrenzt ‚verbiegen‘, die Menschen suchen immer nach Ventilen für ihre Frustration oder zur Abwehr von Maßnahmen, die sie für unbillig halten.

Wer die Wirtschaft versklavt und reglementiert, versklavt letztlich die Menschen. Wenn die Produktion und der Handel in den Händen der Regierung liegt und die Bürokraten über alle Zuteilungen von Waren entscheiden, herrscht eine ökonomische Diktatur.

Ein freier Markt, in dem nur Angebot und Nachfrage freier Wirtschaftssubjekte zählt, bestätigt dagegen die Souveränität der Bevölkerung und gilt somit als einer der wichtigsten Bausteine einer Gesellschaftsform zum Schutz der Freiheitsrechte ihrer Bürger.

Der Unternehmer und die Produktion

Der Konsument ist am freien Markt zwar souverän in seiner Kaufentscheidung und seine subjektive Wertzumessung ist bei der Preisbildung ein wesentlicher Faktor. Die wichtigste Funktion hat in einer freien Wirtschaft jedoch der Unternehmer, der die Güter bereitstellt, von denen er glaubt, dass sie am Markt zu Preisen nachgefragt werden, die ihm bei einem Verkauf einen Gewinn versprechen. Nur was vorher produziert wurde, steht für den Konsum und zur Bedürfnisbefriedigung zur Verfügung.

Der Unternehmer muss überlegen und abschätzen, welche Güter von den Konsumenten am Markt zu welchen Preisen nachgefragt werden und welche dieser Güter er produzieren soll und kann. Dazu muss er berechnen, mit welchen Techniken und mit welchen Rohstoffen und unter Einsatz von welcher Menge an Arbeitszeit und zu welchen Gesamtkosten er die Güter produzieren kann, weiterhin wie und mit welchem Aufwand er die Güter an die Verkaufsstellen transportieren kann. Diese erwarteten Gesamtkosten muss er abgleichen mit dem zu erwartenden Verkaufserlös. Es handelt sich in allen Bereichen um ‚Erwartungen‘, da sich alles in der Zukunft abspielt und insofern Unsicherheit besteht – und damit einhergehend um Risiken.

„Prognosen sind schwierig, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen.“ Mark Twain

Viele Unternehmer treffen die falschen Entscheidungen und gehen pleite, oder haben schlichtweg Pech, wie zum Beispiel beim Auftreten sogenannter „Schwarzer Schwäne“. So nennt man außergewöhnliche Ereignisse, die die Welt schlagartig verändern – wie im Jahr 2020 die Corona-Krise und der mit ihr verbundene Lockdown, der zum Beispiel ein großes und lange Jahre erfolgreiches Unternehmen wie die Lufthansa von einem auf den anderen Tag an den Rand des Ruins getrieben hat.

Um ein eigenes Unternehmen erfolgreich aufzubauen, zu führen und langfristig am Leben zu erhalten, muss der Unternehmer über das notwendige ‚Handwerkszeug‘ verfügen, wirtschaftliche Kenntnisse haben, über viel Erfahrung in seiner Branche verfügen, den Markt ständig beobachten, die Zukunft richtig einschätzen – und darauf basierend die Weichen in seiner Firma überwiegend richtig stellen.

Zu den notwendigen Kenntnissen gehören auch wirtschaftliche Gesetzmäßigkeiten, wie zum Beispiel das ‚Gesetz vom abnehmenden Grenznutzen‘, das besagt, dass der Wert einer Sache von der Knappheit eines Gutes in Relation zur Nachfrage abhängt. Um bei dem Beispiel vom Wasser in der Wüste zu bleiben: wenn ein ganzer Tankwagen durch die Wüste rollt und Wasser nicht knapp ist, wird keiner Millionen für einen Schluck Wasser bezahlen. Und das zehnte Auto gleichzeitig bringt im Vergleich zum ersten Auto nur noch wenig zusätzlichen Nutzen für eine Familie.

Ein weiteres Gesetz ist Ricardos ‚Gesetz der komparativen Kosten‘, das besagt, dass es für ein Land sinnvoll ist, primär die Güter zu produzieren, bei denen es die vergleichsweise kleinsten Produktionskostennachteile hat beziehungsweise die größten komparativen Kostenvorteile. Der positive Wohlstandseffekt des Außenhandels liegt darin, dass andere Länder bestimmte Waren vergleichsweise günstiger produzieren können. Selbst wenn ein Land ALLE Güter günstiger produzieren kann als ein anderes Land, ist es sinnvoll, dass das teurer produzierende Land vor allen Dingen die Güter produziert, bei denen es die geringsten Nachteile hat und diese dann in das andere Land exportiert, das sich aus der Produktion dieser Güter mehr und mehr zurückzieht. Dieses Gesetz ist ein wesentliches Argument für den freien Handel in der Welt. Vom freien Welthandel profitieren alle – so lange er zu fairen Bedingungen abläuft.

Auch das ‚Gesetz abnehmender Renditen‘ oder „Ertragsgesetz“ ist wichtig. Es besagt, dass ab einem bestimmten Punkt der zusätzliche Einsatz eines Produktionsfaktors keinen oder nur noch einen geringen positiven Effekt hat, wenn nicht gleichzeitig auch der Einsatz aller anderen Produktionsfaktoren im gleichen Verhältnis gesteigert werden kann. Das kann zum Beispiel zusätzlicher Dünger auf einem Feld sein oder mehr Arbeitskräfte, die an einer bestimmten Anzahl von Maschinen arbeiten.

Ein Unternehmer kann nur wirtschaftlich überleben, wenn er Gewinne macht. Um das unternehmerische Risiko der Verluste zu rechtfertigen im Vergleich zu einer risikolosen Anstellung bei einer anderen Firma, muss der erwartete Gewinn oder Unternehmerlohn deutlich höher sein als das Gehalt bei einer risikolosen Festanstellung. Oft genug und vor allen Dingen in der Summe über alle Unternehmen eines Landes ist das jedoch nicht der Fall.

An dieser Stelle ist anzumerken, dass angestellte Vorstände und Geschäftsführer von großen Unternehmen KEINE Unternehmer sind, selbst nur wenige Risiken tragen – und heutzutage dennoch oftmals fürstlich entlohnt werden.

Der ganze ökonomische Prozess dreht sich letztlich um das Thema Produktion. Wenn die Produktion in der Hand privater Unternehmer liegt, können diese große Gewinne machen – wenn sie die richtigen Entscheidungen treffen und keine großen Krisen oder unerwartete Ereignisse ihnen einen Strich durch die Rechnung machen. Wenn sie aber Fehlentscheidungen treffen oder Pech haben, werden sie schnell zum Opfer und verlieren ihr Geld. Der Gewinn ist die Entschädigung für das hohe Risiko, das der Unternehmer trägt.

Der Konsument auf der anderen Seite trägt keine Risiken und verliert nicht, wenn der Unternehmer verliert.

Eine Ware entsteht im Rahmen eines Produktionsprozesses unter Einsatz von Arbeitszeit, Rohmaterialien, Maschinen und Technologie. Der Produktionsprozess ist ein ‚negativer Nutzen‘ bezogen auf die geistige und körperliche Anstrengung, die in die Produktion der Ware einfließt und bezüglich des Einsatzes von Kapital für die Maschinen und zum Beispiel auch deren Abnutzung. Beim Produktionsprozess wird eine Idee in die Tat umgesetzt, ein Ziel realisiert: nämlich die Erstellung einer Ware. Der Produzent bezahlt für Arbeit und Kapital und erhält am Ende eines erfolgreichen Produktionsprozesses die Ware, die er dann am Markt verkaufen kann. Der erhoffte Gewinn beim Verkauf der Ware ist die Vergütung des Unternehmers und die Kompensation für das hohe Risiko, das der Unternehmer eingeht.

Die Produktion einer Ware oder einer Dienstleistung ist ein kreativer Schöpfungs- und Gestaltungsprozess. Der Unternehmer setzte eine Idee beziehungsweise einen Plan in die Realität um. Das Ziel ist die Erschaffung eines Produkts oder einer Dienstleistung.

‚Zeit ist Geld‘ sagt man. Für einen Unternehmer ist der Zeitfaktor äußerst wichtig. Produktion ist insofern ein Wettlauf mit der Zeit als in dem Produktionsprozess viel Kapital gebunden ist, das finanziert und zurückgezahlt werden muss. Eine Investition in Maschinen und Gebäude rechnet sich in der Regel nur, wenn alle Maschinen über den geplanten Amortisationszeitraum im Einsatz sind und nicht neue Technologien die Planung über den Haufen werfen. Weiterhin besteht das Risiko, dass sich über die Zeit der Geschmack der Konsumenten ändert, neue Produktionstechniken es den Wettbewerbern ermöglichen, die Waren viel günstiger zu produzieren oder bestimmte wichtige Rohstoffe nicht mehr verfügbar sind oder nur zu viel höheren Preisen als kalkuliert.

Wie wir auch an dieser Stelle sehen, sind die Marktpreise ein entscheidender Faktor für Erfolg und Misserfolg.

Unternehmerisches Risiko ist unvermeidbar, da sich die Zukunft auch mit den ausgefeiltesten Computermodellen nicht berechnen lässt. Das gilt sowohl für den privaten Unternehmer als auch für staatliche Zentralplanungsbehörden. Was ein erfahrener Unternehmer nicht absehen kann, kann auch keine staatliche Planungsbehörde vorhersehen. Wenn bei einer Planwirtschaft der Staat das unternehmerische Risiko trägt, geht dies im Zweifelsfall zu Lasten der Bürger und Steuerzahler. Die Ergebnisse der Zentralplanung in der Sowjetunion und der DDR belegen das zweifelsfrei.

(Die Millionen von Seiten Papier, die für die Planung bedruckt werden und die von einem Heer von Bürokraten zusammengestellt werden, haben sich in aller Regel als vollkommen nutzlos erwiesen).

Sparen und Investieren

Die Ersparnis ist der Schlüssel zu einem gesunden Wirtschaftswachstum und zu einer Erhöhung der zukünftigen Güterproduktion. Ersparnis ist der Teil der Produktion, der nicht konsumiert wird und für Investitionen zur Verfügung steht. Investitionen in Fabriken, Maschinen, Häuser, in die Anstellung zusätzlicher Arbeiter, mit dem Ziel der Erhöhung der Produktion. Erhöhte Produktion, das heißt ein höheres Güterangebot, wird tendenziell zu einer Senkung der Lebenshaltungskosten führen (unter normalen Umständen und einem gesunden Geldsystem tendieren die Preise insofern dazu, zu fallen). Das Geld, das investiert wird, kann bei einem nicht manipulierten Geldsystem nur aus der Ersparnis an anderer Stelle kommen. Ein Sparer will mit dem ersparten Geld normalerweise eine Rendite erwirtschaften (Zinsen, Immobilien, Aktien, Anleihen…) und wird es nicht unter der Matratze horten. Das ersparte Geld steht über Banken oder den Kapitalmarkt (Aktien, Anleihen) Unternehmern zur Finanzierung oder Ausweitung ihrer produktiven Unternehmungen zur Verfügung.

Ersparnis und Investition sind zwei Seiten derselben Medaille und die wesentlichen Faktoren, die in der Zukunft eine Ausweitung der Produktion, ein erhöhtes Güterangebot, mehr Arbeitsplätze und ein Sinken der Güterpreise ermöglichen.

Die Auflösung von Ersparnissen für Konsumausgaben hingegen führt dazu, dass die Produktion stagniert, der Kapitalstock aufgebraucht wird und die Preise steigen. Dadurch sinkt die Kaufkraft der breiten Masse, die Wirtschaft schwächelt und es kommt zu Massenarbeitslosigkeit.

Gemäß Keynes haben staatliche Investitionen dieselbe positive Wirkung wie Investitionen privater Unternehmer. Die Erfahrung hat allerdings gezeigt, dass bei staatlichen Unternehmungen horrende Summen verschleudert werden. Private Unternehmer treffen selbstverständlich auch gelegentlich Fehlentscheidungen, aber prozentual deutlich weniger und meistens auch mit weniger Geld. Mit ‚OPM‘ (Other People’s Money) wird eben immer liederlicher umgegangen als mit dem eigenen.

Es ist erwiesen, dass Unternehmer eine bessere Einschätzung der zukünftigen Entwicklung und Investitionsmöglichkeiten haben als Ökonomen und schon gar staatliche Bürokraten. Die Frage, wer der bessere Unternehmer ist, der zentralplanerische Staat oder der freie Unternehmer, wird seit hunderten von Jahren jeden Tag aufs Neue beantwortet: die Privaten.

Die ‚Klassiker‘ und die ‚Österreicher‘ haben die wichtige Funktion der Ersparnis für das Wachstum der Wirtschaft erkannt.

Die Anhänger des Keynesianismus halten jedoch nichts vom Sparen, sondern möchten, dass möglichst viel Geld ausgegeben wird.

Kapital

Kapital entsteht durch Ersparnis, das heißt echtem Konsumverzicht, und Investitionen. Diese bilden Schritt für Schritt den ‚Kapitalstock‘ eines Landes, die Produktionskapazitäten. Je besser diese Kapazitäten ausgestattet sind und je mehr es davon gibt, desto mehr kann ein Land mit einer bestimmten Zahl von Arbeitskräften an Gütern und Leistungen produzieren.

Zur Umsetzung seiner Pläne benötigt der Unternehmer einerseits Ideen und Mut, vor allem aber Kapital. Mit dem Kapital, das entweder aus eigenen Quellen stammt oder von einem Kapitalgeber bereitgestellt wird, finanziert er die Maschinen, Büros, Fabriken, Rohmaterialien und die Arbeitskräfte, die er zur Produktion benötigt. Der Unternehmer und der Kapitalgeber teilen sich das unternehmerische Verlustrisiko. Als Lohn für die Übernahme des Risikos erhält der Kapitalgeber entweder Zinsen oder Dividenden und der Unternehmer erhält im Erfolgsfall seinen Unternehmerlohn, der zum Teil auch aus Dividenden bestehen kann.

Arbeitsmarkt und Löhne

Der zweite Produktionsfaktor neben dem Kapital ist die Arbeit.

Beim Thema Arbeitsmarkt geht es in den unterschiedlichen Wirtschaftstheorien vorrangig um das Thema Arbeitslosigkeit, wie diese zu erklären ist und welches die richtigen Schritte sind, um Arbeitslosigkeit zu beseitigen. (Unfreiwillige) Arbeitslosigkeit ist zum einen eine riesige Ressourcenverschwendung und zum anderen auch sozial und menschlich sehr kritisch. Insofern ist das Ziel ‚Vollbeschäftigung‘ grundsätzlich durchaus sinnvoll (man sollte es nur nicht ‚zu jedem Preis‘ anstreben).

Die Klassiker gehen davon aus, dass sich an einem freien Markt die Löhne, der Preis der Arbeit bzw. die Vergütung für den Verzicht auf Freizeit, auch über Angebot und Nachfrage zu einem ‚Gleichgewichtspreis‘ herausbilden, an dem Vollbeschäftigung herrscht. Die ‚unsichtbare Hand‘ des Wettbewerbs würde zu optimalen Allokationsergebnissen führen und Angebot und Nachfrage bei einem optimalen Lohn ins Gleichgewicht bringen.

Hier stellt sich aber leider das Problem, dass der Arbeitsmarkt in den wenigsten Ländern ‚frei‘ ist. Über Mindestlöhne, Tarifverträge u.v.a.m. greift der Staat in die Preisbildung ein, die Marktteilnehmer können insofern nicht frei über die Löhne entscheiden. Darüber hinaus verteuert der Staat die Löhne noch in erheblichem Maß über Sozialabgaben und Auflagen. Fakt ist, dass die Löhne heutzutage kaum sinken können, auch wenn Arbeitslose bereit wären, zu niedrigeren Löhnen zu arbeiten. Das ist aber kein Fehler des Marktes oder der klassischen oder liberalen Theorie und bedeutet nicht, dass die Annahme falsch ist, dass der Arbeitsmarkt über Lohnanpassungen zu einem Vollbeschäftigungsgleichgewicht tendieren würde.

Das freie Spiel der Kräfte würde auch nicht unbedingt bedeuten, dass es den ‚mächtigen‘ Arbeitgebern gelänge, die Löhne immer weiter zu drücken. Gerade heute in Zeiten von Internet und Transparenz können Arbeitnehmer leicht feststellen, welche Löhne in bestimmten Branchen oder Regionen bezahlt werden – und können den Arbeitsplatz wechseln, wenn der eigene Arbeitgeber weniger bezahlt. Und auch die Existenz von Arbeitnehmervereinigungen, Gewerkschaften, wird dafür sorgen, dass Arbeitnehmerrechte nicht unterdrückt werden.

An dem Punkt Arbeitslosigkeit aufgrund starrer Löhne setzt die ‚keynesianische‘ Theorie an. Keynes erkannte bei dem Wirtschaftseinbruch nach dem Ersten Weltkrieg, dass es kaum gelingen würde, die Löhne gegen die Macht der Gewerkschaften zu senken. Das wäre aber erforderlich gewesen, um vielen der Arbeitslosen wieder zu einer Beschäftigung zu verhelfen. Die Arbeitslosigkeit war sehr hoch und da es damals noch nicht so viele Versicherungen und Schutzschirme gab, war das wirtschaftlich für viele Familien sehr schlimm. Keynes wollte die Gewerkschaften dadurch ‚austricksen‘, dass er über Inflation, das heißt Geldentwertung, die Reallöhne absenkt – bei ansonsten gleichen Nominallöhnen. Und darauf mehr oder weniger baut letztlich seine ganze Wirtschaftstheorie auf. Argumentativ geht er so vor, dass er als Ursache der Arbeitslosigkeit hauptsächlich eine mangelnde Nachfrage nach Gütern sieht, aufgrund derer die Produzenten weniger produzieren würden und deshalb Arbeiter entlassen würden.

Die Lösung läge darin, die Nachfrage zu erhöhen. Und das am besten über den Staat, der sich dafür verschulden würde und / oder ‚Geld druckt‘. Die zusätzliche staatliche Nachfrage würde dann über Multiplikatoreffekte zu weiteren Steigerungen des Sozialprodukts, der Wirtschaftsleistung, führen, verbunden mit weiterer Nachfrage nach Arbeitskräften. Man könne letztlich über Geldentwertung Arbeitsplätze schaffen.

Leider besteht aber die große Gefahr, dass zwar die erwartete Inflation eintritt, aber langfristig keine zusätzlichen Arbeitsplätze entstehen – das nennt man dann ‚Stagflation‘.

Löhne hängen nicht nur von den ökonomischen Verhältnissen in einem Land ab, sondern vom internationalen Wettbewerb. Der internationale Wettbewerb bestimmt die Preise von Rohstoffen und Gütern am Weltmarkt. Und ‚Arbeit‘ ist eine Ware, ein Gut. Der Lohn ist der Preis für den ‚negativen‘ Nutzen „Arbeit“, die Entschädigung für die Aufgabe von Freizeit. Was nur zum Spaß gemacht wird, gilt ökonomisch nicht als „Arbeit“.

Dem Weltmarkt kann sich keine Nation entziehen, die am Welthandel teilnehmen möchte und nicht autark ist. Die Preise am Weltmarkt bestimmen sowohl die Vergütung des Unternehmers sowie diejenige des Arbeiters. Arbeiter können sich grundsätzlich aussuchen, in welchem Land sie arbeiten möchten, und insofern beeinflussen die Weltmarktpreise auch die heimischen Löhne.

Dass die Löhne in den letzten drei Jahrzehnten in den westlichen Ländern tendenziell gefallen sind oder zumindest nicht gestiegen sind, liegt vor allen Dingen an der Globalisierung und in diesem Zusammenhang an der Tatsache, dass aus Asien und Osteuropa eine sehr große Zahl an zusätzlichen Arbeitskräften auf den globalen Arbeitsmarkt gekommen sind – was die Preise gedrückt und durchaus zu einem starken Missverhältnis der Entwicklung von Lohn- und Kapitaleinkünften geführt hat. Diese Entwicklung wird sich jedoch vermutlich bald umkehren.

Erklärungsansätze, die die Höhe der Löhne davon abhängig machen wollen, wie viel ein Arbeiter an Geld benötigt, um seine Arbeitskraft zu erhalten oder ein ‚Existenzminimum‘ zu bestreiten, sind nicht fundiert. Genau so wenig wie die angebliche Abhängigkeit der Löhne von dem Volumen eines von den Unternehmern gespeisten ‚Lohnfonds’ oder von den Kosten der Ausbildung eines Arbeiters. Was zählt sind die Qualifikationen der Arbeiter sowie Angebot und Nachfrage nach diesen Qualifikationen.

Löhne werden auch nicht unbedingt aus dem ‚Kapital‘ der Unternehmen bezahlt, denn letztlich bezahlt der Konsument die Arbeit insofern als die Kosten der Arbeit in die Preisgestaltung der Waren einfließt. Nur wenn ein Produkt nicht verkauft werden kann, gehen die Kosten zu Lasten des Kapitals des Produzenten. Die Arbeitskosten fließen zwar in die Kalkulation des Unternehmers ein, aber der Wert einer Ware am Markt richtet sich nicht primär danach, wie viel Arbeit in ihr steckt (Arbeitswerttheorie). Wenn ein anderer Produzent ein gleichartiges Produkt mit einer besseren Technologie und besseren Maschinen mit der Hälfte des Arbeitsaufwandes und der Hälfte der Arbeitskosten entsprechend günstiger am Markt anbieten kann, wird der teurere Produzent seine Preise absenken müssen, oder er bleibt auf der Ware hängen. Der Konsument wird nicht mehr bezahlen, nur weil der teurere Produzent mehr Arbeit investiert hat.

Arbeitslosigkeit

So lange die Produktionsmethoden noch primitiv waren und es keine Maschinen gab, die dem Menschen die Arbeit erleichterten oder ganz abnahmen, gab es keine Arbeitslosigkeit. Das bedeutete aber keinesfalls, dass es den Menschen gut ging. Die Zeit vor der Industriellen Revolution prägte ein großes Elend. Der Grund hierfür liegt in der geringen Produktivität der damaligen Produktionsmethoden. Es gab damals sogar insofern einen Mangel an Arbeitskräften, als nicht genug produziert werden konnte, um die grundlegendsten Bedürfnisse aller zu befriedigen. Auch Kinder mussten auf den Feldern mitarbeiten, um der Familie das Überleben zu sichern. Bis zum Beginn der Industriellen Revolution (etwa 1800) waren die allermeisten Menschen in der Landwirtschaft beschäftigt, nur um das primäre Bedürfnis nach Nahrung zu befriedigen. Wobei auch das oftmals nicht gelang, und immer wieder viele Menschen verhungerten. Zwischen 80 und 90 Prozent der Menschen arbeiteten damals auch in den westlichen Ländern in der Landwirtschaft.

Die Industrielle Revolution änderte dieses Bild schlagartig. In Bezug auf die Landwirtschaft kam es zur ‚Zweiten Landwirtschaftlichen Revolution‘. Viele Landarbeiter verloren über den Einsatz von Maschinen ihren Arbeit und zogen in die Städte, wo sie als Industriearbeiter tätig wurden. Die Arbeitsbedingungen waren in der ersten Zeit ziemlich übel, das Leben schwer.

Durch das Aufkommen neuer Technologien und neuer Maschinen kam es auch in manchen Industriezweigen immer wieder zu Arbeitslosigkeit. So zum Beispiel in der Textilindustrie durch die Einführung der Webstühle. In England, aber auch in Frankreich und Spanien führte das bei den Webern zu Arbeitslosigkeit, wodurch es zunächst einmal zu großen Unruhen kam.

Die Arbeitslosen fanden jedoch Schritt für Schritt Arbeit in anderen Industrien und auch in den neu entstehenden Industrien, die zum Beispiel die verschiedenen Maschinen produzierten (Maschinenbau). Da durch den Einsatz der Maschinen die Preise vieler Produkte deutlich sanken, blieb den Konsumenten Geld für den Kauf anderer Waren, die sie sich vorher nicht leisten konnten.

Auch wenn die Situation der Arbeiter damals ‚elend‘ war, gab es keine stärker werdende ‚Verelendung‘, sondern auch der Lebensstandard der Arbeiter verbesserte sich kontinuierlich und gegenüber ihrer vorherigen Situation als Landarbeiter war die Lage ohnehin deutlich besser.

Das Phänomen der Massenarbeitslosigkeit gab es in der Zeit von 1848 und 1914 nicht; dieser Zeitraum war die liberalste Zeit der Wirtschaftsgeschichte. Manche Industrien florierten, andere schrumpften, und die Arbeiter, die in einem Bereich entlassen wurden, fanden Arbeit in den neuen oder prosperierenden Branchen. Sie konnten auch leicht besser bezahlte Arbeit im Ausland suchen, da es damals keine Migrationsbeschränkungen gab und die Arbeiter die Freiheit hatten, sich auf der ganzen Welt die jeweils bestbezahlten Jobs zu suchen. Über den Welthandel, die Verbreitung der neuen Techninken und die Migration breitete sich der Wohlstand aus; zunächst allerdings nur in der westlichen ‚kapitalistischen‘ Welt.

Dann kam es mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges zu einem großen Einschnitt. Durch die Wehrpflicht und den Kriegseinsatz kam es zu einer großen Knappheit an Arbeitskräften. Diese wurde noch verstärkt durch den zusätzlichen Güterbedarf für den Kriegseinsatz (Waffen, Munition, Bekleidung und Lebensmittel für die Armee). Frauen wurden zur Arbeit in Fabriken herangezogen, was bis dato nicht üblich war. Den Arbeitskräftemangel nutzten die Gewerkschaften aus und trieben die Löhne in die Höhe und in der Folge auch die Güterpreise.

Das änderte sich bei Ende des Krieges schlagartig. Die Kriegswirtschaft hatte die Produktionsmittel an vielen Stellen aufgezehrt und es gab kein Kapital, um sie zu ersetzen. Der Krieg hatte enorme wirtschaftliche Schäden angerichtet und die Welt war verarmt. Der einzige Ausweg lag darin, den Kapitalstock, der im Krieg stark gelitten hatte, wieder durch Investitionen aufzubauen. Um investieren zu können, muss auf der anderen Seite in gleicher Höhe gespart werden, und das bedeutet, dass alle ihren Konsum einschränken mussten.

Nach dem Ende des Krieges und der Rückkehr der Soldaten von der Front wuchs die Zahl der vorhandenen Arbeitskräfte schlagartig wieder an. Viele fanden aber keine Arbeit, da die Güterproduktion nicht in gleichem Maße ausgedehnt wurde, da die Güternachfrage nur vergleichsweise gering anstieg, bedingt auch dadurch, dass viele der Heimkehrer erst einmal keinen Job und kein Einkommen hatten.

Darüber hinaus fiel die Produktion der Kriegswirtschaft weg und die dort beschäftigten Arbeitskräfte konnten nicht sofort in zivilen Bereichen eine Arbeit finden, zum Teil auch weil sie nicht die erforderlichen Qualifikationen hatten. Hinzu kam, dass die Löhne im Krieg stark gestiegen waren, während auf der anderen Seite die Nachkriegspreise aufgrund der Normalisierung der zivilen Produktion und dem entsprechend höheren Güterangebot zunächst sanken. Damit die Unternehmer profitabel produzieren konnten, hätten die Löhne wieder sinken müssen. Das versuchten aber die Gewerkschaften mit aller Macht zu verhindern, mit der Folge, dass sich die Arbeitslosigkeit so drastisch erhöhte, dass die Regierungen sich gezwungen sahen, die entlassenen Arbeiter mit Arbeitslosenunterstützung zu alimentieren. Da sie aber dafür kein Geld hatten, fingen sie an, frisches Geld zu produzieren: die Druckerpresse lief an, es gab Geld für jedermann, allerdings entwertetes Geld, da die Preise genauso schnell stiegen, wie das Geldangebot stieg. Den Arbeitern, die keine Lohnkürzung akzeptierten, wurden die Löhne durch die Geldentwertung verringert.

Der volkswirtschaftlich schädlichste Effekt war allerdings, dass die mögliche Erholung lange dadurch verzögert wurde, dass die Arbeitslosen, die die Produktion bei niedrigeren Löhnen zum Wohle aller viel früher hätten erhöhen können, dies nicht taten.

Ähnliches passierte auch nach dem Zweiten Weltkrieg wieder.

“Permanent mass unemployment destroys the moral foundations of the social order. The young people who, having finished their training for work, are forced to remain idle, are the ferment out of which the most radical political movements are formed. In their ranks the soldiers of the coming revolutions are recruited.” - Ludwig von Mises

Die schlimme Arbeitslosigkeit nach dem Ersten Weltkrieg war also keine Folge des Kapitalismus, sondern sie trat auf wegen der Beschränkungen am Arbeitsmarkt (Eingriffen in die Freie Marktwirtschaft und die freie Preisbildung) und der unmittelbaren Folgen einer kriegerischen Auseinandersetzung, die ein kapitalistisches System versucht hätte, unter allen Umständen im Vorfeld zu vermeiden.

Daraus folgt, dass Arbeitslosigkeit kein Wesenszug des Kapitalismus ist. Ein kapitalistisches System neigt im Gegenteil dazu, die Produktion ständig zu erhöhen und im Gefolge auch die Beschäftigung. Wenn neue Maschinen mehr Güter mit dem Einsatz von weniger Arbeit produzieren, können die überzähligen, frei werdenden Arbeitskräfte entweder in derselben Industrie eingesetzt werden, um z.B. die neuen Maschinen zu warten oder in anderen Branchen, die einen höheren Bedarf an Arbeitskräften haben. Eine freie Marktwirtschaft zeichnet sich dadurch aus, dass sie zu einem ständig steigenden Güterangebot führt und im Zuge dessen Arbeit für jeden bereitstellt, der arbeiten möchte. Einflüsse von Interessengruppen oder dem Staat können diese Funktionsweise jedoch nachhaltig stören. Wenn die Löhne so stark steigen, dass die Unternehmer nicht mehr profitabel produzieren können, führt das zu einem Rückgang in der Produktion und Arbeitsplätze entfallen. Das gleiche gilt, wenn der Staat über hohe Steuern, investitionshemmende Regularien und überbordende Regulierung das Investitionsklima verschlechtert.

Um die vermeintlich positive Wirkung von Inflation und Lohnsteigerungen auf das Beschäftigungsniveau wissenschaftlich zu ‚untermauern‘ wurde im Jahr 1958 von Alban Philips im Jahr die sogenannte Phillips-Kurve veröffentlicht, die in der Folge von den Anhängern des Keynesianismus aufgegriffen und weiterentwickelt wurde. Der behauptete Zusammenhang wurde aber im Jahr 1972 von dem ‚Österreicher‘ Friedrich von Hayek widerlegt.

Es wird immer wieder behauptet, dass es im Sozialismus keine Arbeitslosigkeit gäbe. Auch wenn das offiziell vielleicht tatsächlich so ist, unter anderem weil es in sozialistischen Ländern sogar eine gesetzliche Pflicht zur Arbeit gibt (bis hin zu „Zwangsarbeit“) , so ist das nur die halbe Wahrheit. Wenn Menschen zwar offiziell beschäftigt sind, sie in ihrer Arbeitszeit aber nicht richtig produktiv tätig werden können, nennt man das auch ‚verdeckte Arbeitslosigkeit‘. In dieselbe Richtung gehen im Westen sogenannte ‚Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen‘, die viel Geld kosten aber oft keinen Nutzen stiften. Als Beispiel sei hier Keynes‘ Idee angeführt, dass einige Menschen Löcher graben sollten, die dann direkt im Anschluss von anderen wieder zugeschüttet werden.

Letztlich zählt für die Menschen eines Landes und ihre Güterversorgung primär das pro Kopf Einkommen, das erwirtschaftet wird – und da spielt es zunächst einmal keine Rolle, wie viele Menschen das erarbeiten.

In normalen Zeiten gibt es keine Arbeitslosigkeit und in Wachstumsphasen sowieso nicht. Arbeitslosigkeit entsteht in der Krise, und heftigere Krisen treten oft nach exzessiven wirtschaftlichen Boom-Phasen auf, die durch leichtes Geld, das heißt durch staatliches Gelddrucken, ausgelöst werden und die nicht im Rahmen der normalen Zyklen von freien Marktwirtschaften auftreten. Zu Wirtschaftskrisen kommt es auch, wenn Interessengruppen die Produktionskosten so stark erhöhen, dass nicht mehr profitabel produziert werden kann oder der Staat verhindert, dass der Kapitalstock in einer Größenordnung wächst, die mit dem Bevölkerungswachstum Schritt hält (nur dann kann der Lebensstandard steigen) oder über nationalistische Barrieren der internationale Handel behindert wird.

Große Arbeitslosigkeit ist also in aller Regel immer die Folge von politischen Eingriffen in die freie Marktwirtschaft.

Geld, Kredit, Zins

Gutes Geld ist die Basis unseres Wohlstands: Unsere Wirtschaft basiert auf Arbeitsteilung und Tauschhandel und all das basiert wiederum auf Vertrauen. Wenn das Vertrauen verloren geht, wird die Wirtschaftstätigkeit stark beeinträchtigt und es kommt zu erheblichen Reibungsverlusten.

Als Erstes muss man dabei verstehen, was „Geld“ ist, wie „Geld“ entstanden ist.

In den ersten Jahrtausenden der Menschheitsgeschichte, als die Menschen Jäger und Sammler waren, gab es keine nennenswerte „Arbeitsteilung“: alle ‚jagten und sammelten‘ und es gab nur kleine sich selbst versorgende Einheiten, Familien, kleine Stämme.

Als die Menschen dann in größeren Gruppen zusammenlebten, Dörfern oder kleinen Städten, bildeten sich Spezialisierungen heraus, Berufe wie Schuhmacher, Schreiner, Schmiede entstanden. Diese Arbeitsteilung erhöhte die Effizienz stark, die Produktivität nahm zu.

Aus der arbeitsteiligen Wirtschaft ergab sich die Notwendigkeit, die jeweils produzierten Waren gegen andere zu tauschen, der Tauschhandel begann; zunächst wurden Waren direkt gegen andere Waren getauscht.

Um den Tauschhandel effizienter zu gestalten, wurden mit der Zeit manche Waren als ‚Geld‘, als Tauschmedium allgemein anerkannt. Dies war ein gesellschaftlicher Konsens, niemand wurde gezwungen, das zu akzeptieren, das ergab sich im Laufe der Zeit allein aus den Handlungen der Individuen.

Der Tausch ist die fundamentalste soziale Beziehung und der ‚Markt‘ ist der Dreh- und Angelpunkt einer Wirtschaft.

Auf einem ‚Markt‘ können Arbeitsleistungen und Güter sowie Dienstleistungen nur dann effizient getauscht werden, wenn es ein verlässliches und von allen Marktteilnehmern akzeptiertes Tauschmedium gibt. Aus diesem Bedürfnis der Marktteilnehmer entwickelte sich vor Tausenden von Jahren das „Geld“. Als Geld geeignet sind Waren, die leicht zu transportieren, haltbar und nicht beliebig vermehrbar oder reproduzierbar sind. Geld ist mithin auch eine Ware.

Das erste „Geld“ kam vor etwa 5000 Jahren in Gebrauch, und zwar bei den Sumerern. Es war das „Gerstengeld“. Dem Gerstengeld vertrauten die Leute, denn es war real und man konnte es essen. Weniger praktisch war, dass es recht schwer zu transportieren war. Auch Kühe wurden in manchen Regionen als Geld eingesetzt. Auch das war aber eher ‚unhandlich‘. Es war ein großer Durchbruch der Wirtschaftsgeschichte und erleichterte den Tauschhandel ungemein, als vor etwa 4500 Jahren in Mesopotamien die erste Silberwährung eingeführt wurde, der Silberschekel. Der Silberschekel war ein silbernes Gewicht (8,3 Gramm).

Die ersten Münzen aus Gold und Silber wurden um 640 vor Christus von König Alyattes in Lydien, in der heutigen Westtürkei, geprägt. Der Prägung war das Gewicht des Edelmetalls zu entnehmen. Solange die Menschen der Regierung vertrauten, die hinter der Prägung stand, vertrauten sie auch den von ihr herausgegebenen Münzen.

Praktisch in der ganzen Welt galten früher oder später Münzen aus Edelmetallen als Währung, es gab insofern quasi weltweit eine einheitliche Währungszone. Das erleichterte den internationalen Handel, der bereits in der Antike recht ausgeprägt war.

Als „Geld“ entstand, war es also immer eine Ware, die einen eigenen Nutzwert hatte. ‚Echtes‘ Geld entsteht wie jedes andere Gut oder jede andere Dienstleistung, es wird erarbeitet, z.B. dadurch, dass Gold geschürft wird. Alles andere ist „Geld-Ersatz“, ein Geld-Substitut, „Kredit-Geld“. Nur wenn mit Gold-Geld bezahlt wird, erhält der Verkäufer einen echten Gegenwert für seine Waren oder Dienstleistungen, andernfalls erhält er nur ein Zahlungsversprechen.

Betrogen wurde von den Emittenten des (Münz-)Geldes auch damals schon, und zwar indem man den Edelmetallanteil der Münzen manipulierte.

Der Betrug im richtig großen Stil wurde allerdings erst mit der Einführung des Papiergeldes (auch genannt ‚Fiat money‘) möglich.

Das erste Papiergeld wurde um das Jahr 1000 herum in China eingeführt, Ende des 13. Jahrhunderts versuchte sich der persische König mit Papiergeld finanziell zu sanieren. Das Papiergeld wurde üblicherweise unter Zwang eingeführt und die Experimente gingen nie lange gut. In Europa kam Papiergeld zuerst in Spanien Ende des 15 Jahrhunderts ins Spiel. Anfangs war das „Papiergeld“ in Europa meistens durch Gold oder Silber gedeckt, insofern als es sich um Quittungen handelte für bei Goldschmieden, Juwelieren oder Banken hinterlegtes Gold oder Silber, die beim jeweiligen „Emittenten“ eingelöst werden konnten. Diese leichter als der Gegenwert in Gold oder Silber zu transportierenden Quittungen wurden als Zahlungsmittel eingesetzt und erleichterten den Handel.

Bei „Papiergeld“ muss man unterscheiden in solches, das von dem Emittenten mit einem bestimmten Anspruch auf echte Werte/Güter, wie z.B. Gold, herausgegeben wird – also eine goldgedeckte Währung – und ‚fiat money‘-Papiergeld, das keinen Anspruch auf eine bestimmte Menge an echten Waren repräsentiert; dieses Geld könnte man „Schuldengeld“ nennen, es ist ungedeckt und hat keinerlei eigenen Wert außer dem, der auf dem Vertrauen in das System beruht und entsprechend auch nur so lange existiert, wie das Vertrauen in das System besteht.

Der Wert von Papiergeld ist nicht ‚echt‘, denn der Wert des bedruckten Papiergelds existiert nur in unserer Fantasie und basiert auf dem Vertrauen, dass der Schuldner auch in der Lage ist, seine Schulden zurückzubezahlen.

Fiat-Geld ist ein Zettel, den der Emittent selbst nie mehr selbst einlösen wird und für den der Inhaber des Zettels die Hoffnung haben kann, dass ihm ein Dritter dafür Waren gibt. Es ist also ein weitgehend leeres Versprechen beziehungsweise eines, das nicht dauerhaft fundiert ist.

Wenn Zentralbanken ungedecktes Geld in Umlauf bringen oder Geschäftsbanken über ihren Mindestreservesatzhebel frisches Geld kreieren, sind diese Gelder weitestgehend ungedeckt, es haften nur die Banken selbst. Alles baut auf dem Vertrauen auf, dass die Banken in der Lage sein werden, ihren Verpflichtungen nachzukommen – und oft genug in der Geschichte wurde dieses Vertrauen missbraucht

Wohin es führen kann, wenn der Staat exzessiv Geld druckt, konnte man in Deutschland in der Weimarer Republik in den Zeiten der Hyperinflation sehen; wir reden vor allen Dingen über das Jahr 1923.

Der Druck einer 500 Euro Note kostet fast nichts; problematisch wird es nur dann, wenn das Geld so weit entwertet ist, dass der Druck fast so viel kostet wie die frisch erzeugten 500,– Euro. Die Druckkosten lagen zum Schluss bei etwa einem Drittel des Wertes des bedruckten Papiers ausmachten – und das bei Scheinen im Nominalwert von 100 Billionen Mark. Für 100 Milliarden Reichsmark bekam man damals gerade mal ein Brot.

Im Jahr der Hyperinflation 1923 arbeiteten bis zu 133 Fremdfirmen mit fast 2000 Druckmaschinen Tag und Nacht für die Reichsdruckerei, um die Menschen jeden Tag mit frischem Papiergeld zu versorgen, das immer schon am selben Tag einen großen Teil seines Wertes wieder einbüßte. 30 Papierfabriken stellten das dafür erforderliche Banknotenpapier her. 30.000 Menschen und zahllose Lastwagen waren mit dem Druck und Transport der Scheine beschäftigt – es war eine immense Verschwendung von Ressourcen.

Das sollte im Übrigen auch denjenigen Umweltschützern zu denken geben, die gerade mit ihren „Green New Deals“ Tausende von Milliarden frisches Geld in Umlauf bringen möchten, um die Welt zu retten.

Eine weitere „Quelle“ frischen Geldes ist der ‚Kredit‘. Wenn im Geschäftsleben von knappem Geld oder einer Geldschwemme gesprochen wird, ist im Allgemeinen der Kreditmarkt gemeint, nicht das Bargeld. Über die durch die Zentralbank gedruckten Papiergeldscheine hinaus gibt es in einem ‚fiat-money‘-System das ‚Zentralbankgeld‘ beziehungsweise das ‚Buch- oder Giralgeld‘. Als Zentralbankgeld bezeichnet man die Guthaben der Geschäftsbanken bei der Zentralbank, die durch Kredit auf hinterlegte Wertpapiere entstehen können oder durch eine ungedeckte Kreditvergabe der Zentralbank an die Geschäftsbanken. Buchgeld entsteht, wenn Geschäftsbanken an Endkunden Kredite vergeben. Über die Festsetzung der Quoten, die eine Bank als Eigenkapital und/oder Reserven vorhalten muss, entsteht eine große Hebelwirkung, die es den Banken erlaubt, ein Vielfaches der Kundeneinlagen und des Eigenkapitals als Kredite in Umlauf zu bringen. Diesen Hebel nennt man ‚Mindest-Reserve-Sätze‘, das System ‚fractional reserve banking‘. ‚Gedeckt‘ sind die Forderungen gegen die Banken zum größten Teil nur durch die Schulden Dritter.

Je niedriger die Mindestreserveanforderungen an die Geschäftsbanken sind, desto mehr fremdes Geld können die Banken auf eigene Rechnung verleihen und an der Marge Geld verdienen. Daher haben die Banken kein Interesse daran, den Hebel zum Geldverdienen zu verkleinern. Bei einem Mindestreservesatz von zum Beispiel 10% (der Einlagen) kann die Bank über fortlaufende Kreditgewährung Geld in Höhe des Zehnfachen der Einlage ‚schöpfen‘, bei einem Mindestreservesatz von 20% wäre nur das Fünffache möglich.

Der Staat hat ebenfalls kein Interesse daran, das System zu verändern und auf eine solide Basis zu stellen, denn mit der Geldflut finanziert er seine Bürokratie, die Wohltaten, mit denen Wählerstimmen gekauft werden und fragwürdige Abenteuer, wie Kriege, Energiewenden oder „Weltpolitische Maßnahmen“.

Die insgesamt vorhandene Geldmenge kann also rein technisch oder buchhalterisch stark erhöht werden, ohne dass sich gleichzeitig in der Realwirtschaft oder am Volksvermögen etwas tut.

Wenn Geld gedruckt wird, erhöht das nicht das Vermögen oder den Wohlstand der Bürger!

Dem globalen Geldvermögen steht als „Deckung“ ein ebenso hoher Betrag an Schulden gegenüber. Erst in zweiter Linie ist das Geld durch die vorhandenen Waren „gedeckt“, es gibt jedoch keinen Anspruch auf Erhalt einer bestimmten Warenmenge gegen Hergabe eines Papiergeldscheins. Und das kann dann zu Problemen führen, wenn der Besitzer der Ware dem Geld, das er im Gegenzug erhalten soll, nicht mehr traut und die „Annahme verweigert“.

Die Bürger sind mehr oder weniger per Gesetz gezwungen, das böse Spiel mitzuspielen, denn die Regierungen erklären ihr eigenes ungedecktes Geld zum alleinigen gesetzlichen Zahlungsmittel und verhindern aktiv die Entstehung von werthaltigeren Parallelwährungen.

Seit im Jahr 1971 die Golddeckung in USA endgültig abgeschafft wurde, leben wir in einer reinen ungedeckten Papiergeldwelt (‚fiat money‘) und die Staaten haben ihr Monopol auf das Geld seitdem weidlich ausgenutzt. Darauf aufbauend hat sich die globale Verschuldung in den letzten Jahren massiv erhöht, auf inzwischen über 250 Billionen US-Dollar (Stand 2020; gegenüber 173 Billionen zur Zeit der Lehman-Krise im Jahr 2007).

Dass unser derzeitiges System der fiat-Währungen bislang noch hält, liegt zum einen daran, dass es bislang wenig „Fluchtmöglichkeiten“ gab, da alle größeren Währungsräume parallel inflationieren, und zum anderen daran, dass den meisten Bürgern die Gefahren nicht bewusst sind – auch weil es bislang zumindest auf den Gütermärkten wenig wahrnehmbare inflationäre Tendenzen gibt (die ‚Inflation‘ spielt sich aktuell an den Immobilienmärkten und Wertpapiermärkten ab). Dass die offiziellen Preissteigerungsraten in den letzten 40 Jahren niedrig waren, ist der Sondersituation zu verdanken, dass über Demographie, die Globalisierung und hier vor allen Dingen die Einbindung von China in die Weltwirtschaft ein riesiges zusätzliches Arbeitsangebot auf den Markt gekommen ist, das die Löhne und die Warenpreise konstant gedrückt hat. Dieser Effekt wird sich jedoch vermutlich bald umkehren.

In der Geschichte hat noch nie ein ungedecktes Papiergeldsystem überlebt – und dieses Mal wird es mit höchster Wahrscheinlichkeit genau so enden.

Dieses Mal könnte das Aufkommen der Kryptowährungen oder alternativer ‚privater‘ gold- oder anderweitig ‚gedeckter‘ Währungen dem Inflationieren der Staaten und ihrem fiat-money System ein Ende bereiten – nämlich dann, wenn das Vertrauen der Bürger in das ungedeckte Papiergeld weiter schwindet und sie diese Fluchtmöglichkeit vermehrt nutzen. Dann wird die massive ungedeckte staatsmonopolistische Geldschöpfung, der ‚Geldsozialismus‘, erneut als ein gigantischer Betrug an den Bürgern, ein riesiges „Ponzi-Scheme“ (Schneeballsystem) entlarvt werden.

„Money is gold, nothing else.“ - John Pierpont Morgan

Jetzt kommen wir zum ‘Preis’ des Geldes, dem ‚Zins‘, den der Kreditnehmer an den Kreditgeber bezahlt. Geld per se ist unproduktiv und generiert allein keine Rendite. Produktiv ist nur ‚Arbeit‘ im weitesten Sinn, die Arbeit des Unternehmers in Verbindung mit den anderen Produktionsfaktoren, darunter auch das ‚Kapital‘.

Ein Unternehmer kann benötigtes Kapital – z.B. für geplante Expansionen – aus dem Verkauf der von ihm produzierten Güter und den daraus erzielten Gewinnen generieren, oder aber am Markt als Kredit aufnehmen. Wenn er Kredit aufnehmen kann, kann er heute Rohmaterialien oder Maschinen kaufen, ansonsten muss er bis ‚morgen‘ warten, bis er selbst die entsprechende Liquidität aus seinen Gewinnen generiert. Das heißt, wenn der Unternehmer Kredit bekommt, kauft er nicht ‚Geld‘ sondern ‚Zeit‘. Den Zins bezahlt er dafür, dass er heute haben kann worauf er ansonsten bis morgen warten müsste.

Der Wert eines Gutes heute ist immer höher als der eines Gutes, das erst in der Zukunft zur Verfügung steht. Daher ist die gebräuchlichste Form eines kommerziellen Kredits die Diskontierung, bei der ein Kreditgeber, in der Regel eine Bank, dem Kreditnehmer für einen Zahlungsanspruch in z.B. 90 Tagen (Geldforderung, ‚Wechsel‘..) heute schon den Nennwert der Forderung abzüglich eines Betrags, der auf Basis des ‚Diskontsatzes‘ (Zinssatz) berechnet wird, ausbezahlt. Der Unternehmer bezahlt den Zins, wenn ihm das Geld heute entsprechend mehr Rendite liefern wird über seine unternehmerische Verwendung als er an Zinsaufwendungen haben wird.

Geld heute ist normalerweise immer mehr wert als Geld in der Zukunft (anders kann es unter verzerrten Marktbedingungen wie heute mit negativen Zinsen sein, Stand 2020). Es ist ein Vorteil, Geld heute in der Hand zu haben, anstelle von morgen. Man kann es dann ad hoc einsetzen bei günstigen Gelegenheiten oder zur Umsetzung interessanter Projekte. Geld an sich produziert allerdings keine Renditen. Wenn daher jemand anbietet, das Geld zu interessanten Konditionen zu leihen, und dieser Mehrwert die Vorteile übersteigt, das Geld sofort verfügbar zu haben, wird man es verleihen, wenn der entsprechende sofortige Zinsvorteil den möglichen zukünftigen Nutzen übersteigt. Der Verleiher diskontiert insofern auch Zeit.

Was wird also den Zins beeinflussen, den Preis von Geld? Nicht mehr und nicht weniger als Angebot und Nachfrage nach Geld.

Der ‚Marktzins‘ wird aber zusätzlich noch von psychologischen Faktoren beeinflusst, von Zukunftsperspektiven und den Einflüssen der Zentralbanken. Die Zentralbanken haben einen sehr großen Einfluss auf die Höhe des Zinses, weil sie über ihr Geldmonopol wichtige Zinssätze ‚festsetzen‘ können. Ihre Macht ist aber nicht unbeschränkt und endet spätestens dann, wenn die Bürger das Vertrauen in das staatliche Papiergeld verlieren.

Bei der Bestimmung der Höhe des Marktzinses spricht man auch von der ‚Zeitpräferenz‘. Waren oder Dienstleistungen, die man heute bezieht, halten die Menschen in aller Regel für wertvoller als der Bezug derselben Leistung in der Zukunft. Und wenn Menschen ihr Geld verleihen und dafür auf Konsum verzichten, wollen sie dafür entschädigt werden – das ist der Preis des Geldes, der Zins. Die Höhe hängt ‚am Markt‘ davon ab, wieviel freies Geld zur Verfügung steht und wie viele Menschen sich Geld leihen möchten für Investitionen oder für vorgezogenen Konsum.

„Satisfaction of a want in the nearer future is, other things being equal, preferred to that in the farther distant future. Present goods are more valuable than future goods.” - Ludwig von Mises

Finanzierung

Banken waren traditionell die Institutionen, zu denen die Sparer ihr Geld brachten und von denen die Unternehmer Kapital für ihre Investitionen erhalten konnten. Die Banken konnten, wenn sie ihre Sache ordentlich machten und die geplanten Investitionen ihrer Schuldner richtig einschätzten, an der sogenannten Zinsmarge gutes Geld verdienen. Bei den Zinsmargen unterscheidet man zwischen Sparmarge, der Transformationsmarge und der Kreditmarge.

Unternehmen haben jedoch auch noch andere Finanzierungsmöglichkeiten. Sie können Geld am Kapitalmarkt (Börse) aufnehmen in Form von Anleihen oder über die Ausgabe von Aktien (Beteiligungen) oder aber über private außerbörsliche Beteiligungen (Private Equity, Venture Capital). Aktien- und Anleihen-Platzierungen über die Börse lagen traditionell ebenfalls in den Händen der Banken und waren eine schöne Einnahmenquelle.

Wichtige Geldquellen für Unternehmen sind dabei Kapitalsammelstellen wie Fonds (offene Fonds oder geschlossene Fonds).

Finanzinnovationen machen die Banken jedoch seit einigen Jahren mehr und mehr entbehrlich (z.B. Crowd Funding, Kreditvermittlungsplattformen).

Teil 3

„Sobald mehr als die Hälfte der Bevölkerung eines Landes ihr Einkommen ganz oder teilweise vom Staat bezieht, ist eine Umkehr auf dem Weg in die Knechtschaft nicht mehr möglich.“ - Roland Baader

Geldtheorien

“It is well enough that people of the nation do not understand our banking and monetary system, for if they did, I believe there would be a revolution before tomorrow morning.” - Henry Ford

Es gibt verschiedene Geldtheorien. Entsprechend der Reihenfolge ihres historischen Auftretens sind zu nennen die ‚quantitative Theorie‘, die ‚qualitative Theorie‘ und die ‚Neutralitätstheorie des Geldes‘.

Die Quantitätstheorie wurde entwickelt, um den massiven Preisanstieg zu erklären, zu dem es in Spanien im 16. Jahrhundert aufgrund des enormen Imports von Edelmetallen aus den spanischen Kolonien in Südamerika kam. Der Wirtschaftswissenschaftler Jean Bodin (Frankreich 1502-1596) erklärte den Preisanstieg damit, dass der Wert des Geldes sich umgekehrt proportional zu dem Angebot von Gütern auf dem Markt verhalten würde. Je mehr Geld und je weniger Güter vorhanden seien, desto geringer der Wert, d.h. die Kaufkraft des Geldes, und umgekehrt. (Seite 41 ff)

Diese Theorie hat einen wahren Kern leidet aber an zwei Irrtümern: Sie basiert auf der Annahme einer autarken Wirtschaft und darauf, dass das jeweilige Geld nur in dem einen Land eingesetzt werden kann. Tatsächlich aber zirkulieren sowohl Geld als auch Waren international und ein Land mit großem Geldangebot und einer Knappheit an Gütern kann ein reiches Land sein, wenn es jenseits der Grenzen Länder gibt mit Geldknappheit und einem Güterüberangebot.

Weiterhin basiert sie auf der Annahme, dass Geld nur ein Tauschmedium ist und nur zur Bezahlung von Gütern und Leistungen eingesetzt wird. Aber Geld hat noch weitere Zwecke, wie zum Beispiel die Vermögensaufbewahrungsfunktion und die Funktion, den Waren einen Wert zuzumessen.

Die ‚Qualitätstheorie‘ dagegen stellt nur auf den intrinsischen Wert der Edelmetalle ab, die das Geld enthält (John Locke, England, 1632-1704). Auch diese Theorie enthält einen wahren Kern, berücksichtigt aber nicht alle Faktoren. Nach dieser Theorie orientiert sich der Wert einer Währung allein oder zumindest vorrangig an den bei der Zentralbank hinterlegten Edelmetallbeständen. Diese Ansicht vernachlässigt aber wichtige Einflussfaktoren wie das Wirtschaftswachstum eines Landes, die vorhandene Infrastruktur, die Ausbildung der Menschen (das ‚Humankapital‘) oder den Kapitalstock.

Die Neutralitätstheorie hingegen sieht Geld nur als einen Wertmaßstab für Waren und Dienstleistungen an (David Hume, England 1711-1776 und John Stuart Mill, England 1806-1873). Geld und Waren hätten aber gegenseitig keinen Einfluss aufeinander. Diese Theorie geht fälschlich von einer vereinfachenden Annahme aus, dass alle Transaktionen am Markt letztlich Tauschgeschäfte seien. Im realen Leben steht zwischen dem Tausch von Gütern/Waren ein anderes Gut, nämlich Geld. Waren werden nicht unmittelbar gegeneinander getauscht sondern über den Umweg über Geld als Tauschmedium. Ein Tauschhandel (‚Barter Trade‘) ist direkt und bilateral, wogegen der ‚Markt‘, ausgedrückt in Geldpreisen, indirekt und multilateral ist. Daraus folgt, dass Geld, als eigene Ware, die jeweils ‚getauscht‘ wird, einen eigenen Wert haben muss, der von Marktfaktoren bestimmt wird, insbesondere durch bessere oder schlechtere Qualität und Knappheit oder Überschuss. Gegen Geld werden mehr oder weniger Güter eingetauscht, abhängig von dem Wert, der dem Geld zugemessen wird. Geld ist nicht gleich Geld. Manche Geldformen werden gegenüber anderen präferiert. Geld wird höher eingeschätzt, wenn es knapp ist, schlechter, wenn es im Überfluss vorhanden ist. Geld bleibt weiterhin ein Wertmaßstab für Güter, aber es ist eben auch selbst ein Gut, dessen Nutzwert abhängt von seiner Qualität (z.B. Material), seiner Funktion und dem Angebot und der Nachfrage nach diesem Geld.

Insofern müssen alle drei Geldwerttheorien (qualitativ, quantitativ, neutral) gemeinsam angewandt werden.

Inflation und Deflation

Inflation ist das Aufblähen der Geldmenge. Das Ansteigen der Preise ist nicht ‚Inflation‘ sondern das ist ‚Teuerung‘ oder ‚Preisinflation‘. Wenn die Geldmenge fällt, spricht man von ‚Deflation‘.

Die Preisinflation folgt der Inflation (dem Aufblähen der Geldmenge) erfahrungsgemäß in ‚normalen‘ Zeiten mit etwa einem Jahr Verzögerung und normalerweise liegt die Korrelation zwischen beiden Größen fast exakt eins zu eins. Das ist aber nicht zwingend.

„Nichts hat, worauf Lenin hingewiesen hat, eine so desorganisierende Wirkung wie eine Inflation: ‚um die bürgerliche Gesellschaft zu zerstören, muß man ihr Geldwesen verwüsten‘.“ - Joseph Schumpeter

Wenn bei einer steigenden Geldmenge die Gütermenge im gleichen Verhältnis ansteigt, wird sich das Preisniveau zunächst einmal nicht verändern. Dabei erhöhen sich aber nicht alle Preise im gleichen Maße. In den letzten Jahren zum Beispiel gab es über Globalisierungseffekte und Billigimporte in manchen Bereichen sogar einen Preisdruck (Computer) und gestiegen sind bislang vor allem Vermögenspreise, das heißt unter anderem die Preise von Immobilien und Aktien. In den letzten hundert Jahren hätten die Güterpreise eigentlich insgesamt rapide sinken müssen, weil das Produktivitätswachstum der westlichen Länder seit der Industriellen Revolution gewaltig war.

Wenn die Menge des Geldes in den Händen der Konsumenten steigt oder fällt, können sie mit diesem Geld entsprechend mehr oder weniger Güter erwerben. Der Quotient aus der angebotenen Gütermenge geteilt durch die gesamte verfügbare Geldmenge ist, bei sonst gleichen Bedingungen, die Kaufkraft des Geldes – wie viel Ware bekomme ich für mein Geld.

Solange es noch die Golddeckung gab, kam es zu Inflation, wenn aus den Goldminen mehr Gold gewonnen wurde und ins Land gebracht wurde und im gleichen Wert mehr Geld in Umlauf kam. Wenn bei einem durch den Zufluss von Gold ausgelösten Anstieg der Geldmenge das Warenangebot nicht in gleichem Maß anstieg, kam es zu einem entsprechenden Preisanstieg.

Zu einer Deflation kam es, wenn durch technischen Fortschritt und eine wachsende Bevölkerung ein Überschuss von Waren produziert wurde, ohne dass sich die umlaufende Geldmenge entsprechend erhöhte.

Es gibt auch eine ‚Kostendrucktheorie der Inflation‘, diese Theorie wurde aber bereits um das Jahr 1870 herum von den Ökonomen Carl Menger, Walras und William Stanley Jevons widerlegt. Preisinflation wird immer von der Nachfrageseite her ausgelöst und nicht von steigenden Kosten der Produzenten – es sei denn, die Kostensteigerungen sind selbst wieder inflationsgetrieben.

Falsch ist auch die Theorie, Preisinflation sei eine Begleiterscheinung des Wirtschaftswachstums. Das Gegenteil ist richtig: Ein Mehr an Gütern bedeutet in aller Regel niedrigere Preise je Gut.

„Das Preisniveau kann ohne Ausweitung der Geldmenge nicht steigen; genauso wenig, wie der Wasserpegel einer Badewanne steigen kann, wenn man kein neues Wasser zugießt.“ - Roland Baader

Auf breiter Fläche sinkende Preise sind nicht Deflation, sondern eine Folgeerscheinung der Deflation, einer schrumpfenden Geldmenge. Preise sinken regelmäßig auch aus anderen Gründen, wie zum Beispiel einem größeren Angebot, sinkender Nachfrage und einer gestiegenen Produktivität aufgrund technischen Fortschritts und neuer Maschinen.

Allgemein sinkende Preise kommen nur bei schrumpfender Geld- und Kreditmenge vor oder wenn die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes abnimmt.

In einem Gold- oder Silberstandard kommt Deflation an sich nicht vor. Wenn Geld mit Gold oder Silber oder anderen Edelmetallen hinterlegt ist, kann die Geldmenge normalerweise nur langsam wachsen, da die Edelmetalle erst einmal geschürft und die Münzen oder Barren geprägt werden müssen. Und eine nennenswerte Schrumpfung der Geldmenge ist vor diesem Hintergrund auch schwer vollstellbar. Wenn dann über einen – durch Ersparnis ermöglichten – höheren Kapitaleinsatz oder sonstiger Einflussfaktoren, die die Produktivität erhöhen, mehr Güter und Dienstleistungen produziert werden, auf eine unveränderte Geldmenge treffen, führt das tendenziell laufend zu leicht sinkenden Preisen. Und niedrigere Preise steigern den Wohlstand der Menschen, weil sie sich dann mehr leisten können.

Deflation ist nur dann wirklich kritisch, wenn sie Folge einer schrumpfenden Geldmenge ist. Das passiert in aller Regel, um inflationäre Fehlentwicklungen einer zuvor aufgeblähten Geldmenge zu korrigieren. Dennoch ist in dieser Situation die Deflation mit all ihren hässlichen und äußerst unangenehmen Folgen für die Menschen die einzig denkbare Kur für die vorherigen inflationären Übertreibungen. Je länger man damit wartet, desto schlimmer wird es, desto böser wird das Erwachen sein.

Der auch von vielen Ökonomen vertretene Irrglaube, sinkende Preise würden Deflation bedeuten und müssten gefürchtet und um jeden Preis verhindert werden, führt dazu, dass nötige Anpassungen verzögert werden und durch weitere Inflationierungsmaßnahmen die nachfolgende Krise verschlimmert wird (so zum Beispiel durch die Maßnahmen der Regierungen und Zentralbanken in der Corona-Krise). Zur Lösung einer deflationären Krise ist es leider sogar erforderlich, dass Preise und Löhne weiter sinken, bevor eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung möglich ist. Sinkende Preise und Löhne sind einerseits die Folge und andererseits auch das Heilmittel der (künstlich herbeigeführten) Deflation in Folge einer (künstlich herbeigeführten) Inflation.

Wenn die Preise ausreichend gesunken sind, werden die Menschen auch wieder mehr konsumieren und die Wirtschaft beginnt sich zu erholen. Wer das verhindert, verschlimmert und verlängert die Deflation. Deflation ist ein schmerzhafter Prozess der finanziellen Schrumpfung und Gesundung.

Wir fassen zusammen: Aus dem normalen Wirtschaftsgeschehen resultierende Inflation und Deflation ist im allgemeinen nicht problematisch, die Auswirkungen sind eher gering und können durch Preisanpassungen wieder bereinigt werden. Wenn Inflation und Deflation aber von Regierungen und Zentralbanken künstlich herbeigeführt werden, können die Folgen sehr ernst sein. Das haben die Ausführungen zur Weltwirtschaftskrise 1929 gezeigt.

Nur diese staatlich herbeigeführte Inflation (oder Deflation) ist gemeint, wenn man von den bösen Auswirkungen der Inflation spricht. Diese Form der Inflation entsteht, wenn eine Regierung, die Geld braucht, Zugriff auf die Geld-Druckerpresse hat. Den Staat kostet das Drucken frischen Papiergelds nichts außer den Kosten für Papier und Druck. Aber dieses frisch gedruckte Geld in der Hand des Staates ist nominal genau so viel Wert wie das Geld, für das die Bürger hart gearbeitet haben. Die zum Konsum verfügbaren Güter sind nicht mehr geworden durch das Gelddrucken und müssen jetzt aufgeteilt werden auf das neue und das alte Geld. Das ist ähnlich wie wenn man Wein mit Wasser verdünnt. Die Regierung gießt Wasser in den Wein des Volkes und beansprucht einen Teil des verdünnten Weines für sich selbst. Und finanziert damit seine eigenen Ausgaben, die Gehälter von mehr oder weniger nützlichen Bürokraten, mehr oder weniger sinnvolle staatliche Projekte oder von sinnlosen Kriegen, die besser vermieden worden wären.

Bei Lichte betrachtet werden alle diese Zahlungen finanziert mit einem Teil des Weines, der den Bürgern vom Staat entzogen wurde.

Das Ganze ist kaum besser oder anders, als wenn jemand heimlich einen Stromzähler umgeht, nicht für den verbrauchten Strom bezahlt und die Kosten der Allgemeinheit aufbürdet. Oder wenn ein Betrüger selbst illegal Geld druckt und in Umlauf bringt.

Durch solche Maßnahmen entzieht der Staat willkürlich den Bürgern einen Teil der Früchte ihrer Arbeit um es nach eigenem Gutdünken ‚umzuverteilen‘.

Besonders verwerflich ist, dass durch die Politik des willkürlichen Gelddruckens die Armen besonders geschädigt werden, denn ein Millionär spürt die Auswirkungen einer Wegnahme von 30% seines Besitzes deutlich weniger als ein Armer und der von einer Inflation ausgelöste Anstieg der Löhne kann in der Regel nicht mit dem Anstieg der Lebenshaltungskosten mithalten.

Als positiver Effekt der Inflation wird regelmäßig angeführt, dass sie den Schuldnern zu Gute kommen würde, da sie ihre Schulden mit ‚schlechterem‘ Geld zurückbezahlen könnten. Aber diese Theorie beruht auf der falschen Annahme, dass alle Schuldner arm und alle Kreditgeber reich seien. De facto bekommt aber jemand in der Regel nur Geld geliehen, wenn er Vermögen hat; niemand leiht einem Pleitier Geld. Die Kreditgeber sind, zumindest indirekt, die Anteilseigner der Banken und die große Masse der Sparer mit ihren Einlagen bei den Banken.

Auch eine künstlich herbeigeführte Deflation führt zu ungerechten Ergebnissen, da die am Ende des Inflationsprozesses aufgenommenen Kredite in schlechtem Geld von diesen neuen Kreditnehmer später mit gutem Geld zurückgezahlt werden müssen.

Aus diesen Gründen wird von vielen ‚stabiles Geld‘ gefordert als ideales Tauschmittel. Aber stabiles Geld ist unmöglich, denn wie jede Ware, ist Geld inhärent instabil. Unabhängig von staatlichen Interventionen gibt es viele unvorhersehbare Faktoren, die den Geldwert beeinflussen. Dennoch ist es erstrebenswert, dass Geld möglichst stabil ist, oder dass sich zumindest die Schwankungen in engen Grenzen bewegen und keine großen Auswirkungen haben.

Aber wie kann das erreicht werden?

Einige empfehlen, dass sich die umlaufende Geldmenge proportional zur Menge der angebotenen Gütermenge verhalten soll. Das ist aber schwerlich kontrollierbar und umsetzbar. Insofern müssten der Exekutive umfassende Vollmachten erteilt werden zur Regulierung der Geldmenge, was heutzutage auch in fast allen Ländern der Fall ist. Das Resultat einer solchen unglücklichen Politik ist heute allerorten zu beobachten.

Was den menschlichen oder sozialen Aspekt angeht, so vergrößern Inflation und Teuerung die Schere zwischen Arm und Reich, denn die zur Geldvermehrung betriebene Niedrigzinspolitik verbilligt den Kapitaleinsatz gegenüber dem Faktor Arbeit und lässt die Vermögenspreise der Investoren steigen. Geringverdiener und Rentner auf der anderen Seite können sich dem Kaufkraftverlust deutlich weniger entziehen. „Sozial“ ist etwas anderes.

Eine ungerechte Verteilung findet bei Inflation auch insofern statt, als diejenigen, die als erste Zugang zum neuen Geld haben, gewinnen gegenüber denjenigen, die erst später das neue Geld beziehen – das nennt man den ‚Cantillon Effekt‘.

Am Ende verlieren aber fast alle Leute, weil das ständig expandierende Geldangebot gigantische Blasen erzeugt, deren unvermeidliches Platzen Vermögenswerte und Ersparnisse zerstört, sowie zu Arbeitslosigkeit und weit verbreitetem Elend führt.

Wie ungerecht die Verteilungseffekte bei einer Inflationierung sind, zeigt zum Beispiel auch ein Chart von Thomas Piketty, der damit an sich nur auf die vermeintlichen Ungerechtigkeiten des kapitalistischen Systems hinweisen möchte. Unverkennbar ist, dass die Einkommens- und Vermögensungleichheit sowohl in den USA als auch in Europa ab etwa dem Jahr 1971 tatsächlich stark zugenommen hat. Was hat sich in 1971 geändert? Im Jahr 1971 hatte der damalige US-Präsident Richard Nixon den Goldstandard aufgehoben – nicht zuletzt um einige teure kriegerische Auseinandersetzungen zu finanzieren – und seitdem inflationierten alle westlichen Zentralbanken in immer größerem Stil. Ein wesentlicher Grund dafür, dass die Schere zwischen arm und reich seitdem auseinander geht, ist offensichtlich die schleichende Entwertung des Papiergelds durch Staaten und Zentralbanken durch Inflationierung – und gerade nicht die freie Marktwirtschaft.

Die schlimmste Folge der Inflation im Papiergeldsystem ist der letzten Endes fast unvermeidliche Totalruin der Währung. Staatsbankrott und Währungsreform führen zum Totalverlust aller Geldvermögen der Bürger – eine Erfahrung, die die Deutschen im letzten Jahrhundert gleich zwei Mal machen mussten. Beide Male nach Kriegen, die zum guten Teil über die Druckerpresse finanziert worden waren.

Inflation und sporadische Währungsreformen sind in einem fiat money System regelmäßig angewandte Entschuldungsmethoden des Staates und somit geradezu systemimmanent.

Zu den negativen finanziellen Auswirkungen der Inflation kommt hinzu ein Zerfall der moralischen und gesellschaftlichen Ordnung, der am Ende oft in Chaos und Revolution mündet. Wenn Schuldenmachen belohnt und Sparsamkeit bestraft wird, wenn Klugheit, Vorsicht und Vernunft nichts mehr gelten, unterminiert das das bürgerliche ‚Geschäftsmodell‘, auf dem unser Wohlstand zu großen Teilen beruht.

„Schon beim Untergang des Römischen Reiches spielten die wechselseitig miteinander verbundenen Phänomene Militarisierung, Inflation und Überbesteuerung die Hauptrolle.“ - Roland Baader

Ein Vorschlag, um den Werterhalt des Geldes zu sichern, ist die Rückkehr zu einem Goldstandard. Zu Zeiten des Goldstandards gab es die stabilste wirtschaftliche Entwicklung. Kurz nach der Aufhebung des Goldstandards in vielen westlichen Ländern begann der Erste Weltkrieg – Zufall hin, Zufall her.

Der Sinn und Zweck eines Goldstandards liegt weniger in einer absoluten Stabilität der Währungen – auch der Goldpreis schwankt in Abhängigkeit von Angebot und Nachfrage -, sondern darin, dass es die Staaten zu einer ordentlichen Haushaltsführung zwingt und Manipulationen an der Währung verhindert.

Am besten für die Stabilität des Geldes wäre es allerdings, wenn die Staaten ganz auf ihr Geldmonopol verzichten würden und konkurrierende private Währungen zulassen würden. Ein Beispiel für eine stabile silbergedeckte Privatwährung ist die ‚Mark Banco‘ der Privatbank ‚Hamburger Bank‘, die von 1629 bis 1875, als die Bank in die neu gegründete ‚Reichsbank‘ integriert wurde, einen stabilen Wert hatte.

Wenn man Politikern und Bürokraten Spielräume für Staatsverschuldung und Gelddrucken lässt, werden sie diese vermutlich leider früher als später ausnutzen.

In den letzten 200 Jahren gab es weltweit über 50 Hyperinflationen. Von Hyperinflation spricht man im allgemeinen bei monatlichen Preissteigerungsraten von mehr als 50%; die größte Hyperinflation jemals gab es in Ungarn 1945/1946 mit täglichen Preissteigerungsraten von 207 Prozent und einer maximalen monatlichen Rate von 4,19 Billiarden Prozent. Aber auch die vermeintlich so stabile D-Mark hatte seit ihrer Einführung im Jahr 1948 bis zur Einführung des Euro im Jahr 1999 bereits etwa 95% ihres Wertes verloren.

„Nichts hat das deutsche Volk …. so erbittert, so hasswütig, so hitlerreif gemacht wie die Inflation.“ - Stefan Zweig

Gelddrucken am Beispiel von ‚Monopoly‘ erklärt

Was bedeutet das Gelddrucken der Zentralbanken für den normalen Bürger?

Den meisten scheint das nicht klar zu sein, denn sonst würden sie dieses böse Spiel nicht in aller Ruhe mit sich spielen lassen. Es ist nämlich keineswegs so, dass das Gelddrucken am Vermögen der Bürger spurlos vorüber geht.

Was es für den einzelnen Bürger bedeutet, kann man an einem einfachen Beispiel aus dem Leben deutlich machen: Jeder hat vermutlich schon mal Monopoly gespielt.

Da bekommt jeder Spieler am Anfang eine genau bestimmte Menge Geld und kann damit Straßen kaufen, darauf wiederum Häuser und Hotels bauen und dafür Miete bei den Mitspielern kassieren.

Wenn man nicht genug Geld hat, kann man keine Straßen kaufen und die können von den Mitspielern weggeschnappt werden.

Wer die meisten Straßen und Häuser hat, verdient auch das meiste Geld.

Wer kein Geld mehr hat, scheidet vorzeitig aus.

Und wer am Ende am meisten Geld hat, gewinnt.

Fair ist das Spiel nur, wenn alle Spieler am Anfang des Spiels denselben Betrag an Geld erhalten und alle sich an die Regeln halten.

Man stelle sich jetzt vor, dass sich einer der Spieler das Recht nimmt, für sich selbst beliebig viel Geld frisch zu ‚drucken‘ beziehungsweise sich aus der Kasse der Bank so viel zu nehmen wie er möchte. Dieser ‚legale‘ Gelddrucker, Dieb oder Geldfälscher kann sich alles leisten, kann jeden Preis bezahlen und wird nie Pleite gehen.

Wer wird wohl gewinnen, wer verlieren?

Am Ende werden die ehrlichen Spieler Pleite sein – sie werden mit Sicherheit die Verlierer sein. Im richtigen Leben sind das die normalen Bürger.

Die unmittelbaren Gewinner sind der Staat und seine Nutznießer (Cantillon Effekt).

Und wenn das System am Ende unter den durch das Gelddrucken verursachten Schäden für die freie Wirtschaft zusammenbricht, wird es fast nur noch Verlierer geben.

Ein solch böses Spiel läuft so lange, wie es sich die Mitspieler gefallen lassen.

Beim Monopoly würden es sich die anderen Spieler von Anfang an nicht gefallen lassen, warum lassen sie es sich ‚im richtigen Leben‘ gefallen?

Die Antwort ist: Weil die meisten Bürger im richtigen Leben nicht merken oder merken wollen, welches Spiel der Staat spielt – obwohl es genau auf dasselbe herausläuft: der Bürger verliert, weil er betrogen wird.

Die meisten Bürger merken es nicht, weil die Regierungen die Wahrheit sehr gut verschleiern und die Zusammenhänge immer bewusst sehr abstrakt und unverständlich darstellen. Wer bezieht schon abstrakte Begriffe wie „Geldmenge“, “Bruttosozialprodukt“, „Beschäftigung“, „Außenhandelsüberschuss“ oder „Leistungsbilanzdefizit“ auf seine ganz persönliche Situation?

„Mit Gold als Geld – also mit echtem Geld – hätte weder der Erste noch der Zweite Weltkrieg geführt werden können. Allenfalls drei Wochen lang.“ - Roland Baader
„So wird die Inflation zu dem wichtigsten psychologischen Hilfsmittel einer Wirtschaftspolitik, die ihre Folgen zu verschleiern sucht. Man kann sie in diesem Sinne als ein Werkzeug anti-demokratischer Politik bezeichnen, da sie durch Irreführung der öffentlichen Meinung einem Regierungssystem (…) den Fortbestand ermöglicht.“ - Ludwig von Mises

Staatsverschuldung

„Verschuldung ist nichts weiter als vorgezogener Konsum, der in der Zukunft ausfällt.“ - Dr. Hjalmar Schacht (Präsident der Deutschen Reichsbank)

Ein Staat finanziert sich über Steuern und Abgaben, die seine Bürger an ihn entrichten. Ein gut funktionierender Staat ist wichtig, ein großer Staatsapparat mit viel Bürokratie ist allerdings teuer. Die Gelder, die an den Staat fließen, stehen den Bürgern nicht mehr zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse zur Verfügung. Es ist insofern wichtig, dass hier ein gesundes Maß gewahrt wird. Von der Antike bis über das Mittelalter hinaus begnügten sich Staaten und Herrscher mit etwa 10 Prozent, heute liegt die Staatsquote oft über 50%.

Über die negativen Einflüsse von staatlichen Eingriffen bis hin zur totalen Kontrolle durch Zentralplanung hatten wir schon gesprochen. Während die Keynesianer einen großen staatlichen Einfluss befürworten und dafür auch eine Schuldenaufnahme des Staates, lehnen das zum Beispiel ‚Die Österreicher‘ mit guten Argumenten ab.

Selbst Keynes verlangte jedoch, dass Staatsschulden nur in Krisensituationen aufgenommen werden sollen und in guten wirtschaftlichen Zeiten wieder abgebaut werden sollten – Letzteres wird allerdings praktisch nie umgesetzt.

Es gibt durchaus Situationen, in denen sich ein Staat verschulden können muss. Zum Beispiel in Krisenzeiten, wie Kriegen (dass auch Angriffskriege durch die ungehemmte staatliche Verschuldungsmöglichkeit erleichtert werden, ist allerdings negativ) oder (unverschuldeten) Wirtschaftseinbrüchen, zum Beispiel bei Eintritt der berühmten „Schwarzen Schwäne“. Zulässig sollte eine solche Staatsverschuldung, wie oben ausgeführt, aber auch dann nur unter der Bedingung sein, dass sie sofort bei einer Erholung zwingend wieder abgebaut wird.

Staatsschulden werden besonders problematisch, wenn sie so hoch ansteigen, dass die Zinszahlung schwierig wird und/oder das Vertrauen der Anleger schwindet (die ‚Bonität‘ sinkt) und die Aufnahme neuer Gelder erschwert oder unmöglich wird.

Staatsschulden sollten aus vielen Gründen nicht die Norm sein, sondern die Ausnahme. Das Geld, das der Staat für die Zinszahlungen aufwenden muss, steht nicht mehr für Investitionen in sinnvolle Bereiche zur Verfügung. Und auch wenn Staatsschulden fast nie zurückgezahlt werden, belasten sie immer die zukünftigen Generationen, die für den Schuldendienst aufkommen müssen. Wenn den Staatsschulden wenigstens noch sinnvolle staatliche Investitionen gegenüberstehen, die in gewisser Weise Erträge generieren, geht es noch, wenn das Geld aber verbraucht wurde, das heißt konsumiert, werden zukünftige Generationen das nicht mehr verbrauchen können, was ihre Vorfahren ‚verbraten‘ haben.

Staatsschulden sind in der Historie praktisch noch nie zurückbezahlt worden (sie wurden aber recht häufig durch Staatspleiten ‚bereinigt‘). Es gelang Ländern wie den USA oder England aber öfter, die Staatsverschuldung in Relation zur Wirtschaftsleistung (und das ist die relevante Kennziffer) deutlich abzubauen – in der Regel erfolgte das über großes Wirtschaftswachstum und niedrige Zinsen. Ein solcher relativer Schuldenabbau ist allerdings leider die Ausnahme.

Stand 2020 (vor Corona) beläuft sich die deutsche Staatsverschuldung einschließlich der „impliziten Verschuldung“ in Höhe von 5,6 Billionen Euro, inzwischen auf über 220% der jährlichen Wirtschaftsleistung (die offizielle Staatsverschuldung liegt bei ‚nur‘ 60%). Die implizite Verschuldung ist eine ‚heimliche‘, verschleierte Verschuldung, die sich aus zukünftigen Leistungsversprechen wie Grundrente, Mütterrente etc. zusammensetzt. Sie wird in den normalen Statistiken nicht erfasst – belastet aber die zukünftigen Generationen.

„Zentralisation des Kredits in den Händen des Staats durch eine Nationalbank mit Staatskapital und ausschließlichem Monopol.“ - Karl Marx (‚Kommunistisches Manifest, Punkt 5. Grund: Totale Kontrolle des Geld- und Kreditwesens bedeutet totale Kontrolle über das Wirtschafts- und Gesellschaftsleben)

Börse und Spekulation

Börsen sind Handelsplätze für Wertpapiere (Aktien, Anleihen), Waren, Devisen und Derivate (u.a. Optionen und Terminkontrakte). An der Börse investieren Menschen investieren oder sie sichern Transaktionen ab oder spekulieren. Nur weil an Börsen auch spekuliert wird, sind sie kein kapitalistisches Teufelszeug. Börsen haben eine sehr wichtige Funktion im Wirtschaftsleben, denn über sie kann man einfach und schnell Transaktionen absichern und Geld investieren. Absichern können sich zum Beispiel Bauern, indem sie ihre zukünftigen Ernten schon auf Termin verkaufen können oder Firmen, die Rohstoffe auf Termin einkaufen und so eine sichere Kalkulationsbasis haben. Ein Juwelier, der goldene Ringe liefern muss, kann sich durch den Kauf von Gold auf Termin gegen den Anstieg des Goldpreises absichern. Gegen Spekulation ist grundsätzlich auch nichts einzuwenden. Spekulanten spielen an der Börse sogar insofern eine wichtige Rolle, als sie Liquidität beisteuern und dadurch die Abwicklung von Transaktionen erleichtern.

Es steht auch jedem frei, mit eigenem Geld zu spekulieren, man sollte es nur nicht mit fremden Geld machen (Other Peoples‘ Money) und man sollte die Verluste verkraften können. Wenn Spekulanten ihr eigenes Geld verlieren, ist davon der Rest der Bevölkerung nicht betroffen.

An der Börse können Menschen, wenn sie sich damit auskennen, ihr Geld sinnvoll investieren und Vermögen aufbauen, zum Beispiel für ihre private Altersvorsorge. Dass recht viele Anleger an der Börse Geld verlieren, bedeutet nicht, dass Börsen an sich schlecht sind. Sie sind grundsätzlich für die meisten Menschen sogar der sinnvollste Weg zu einer guten Geldanlage. Auch an der Börse wachsen die Bäume jedoch nicht in den Himmel und selbst die wenigsten ‚Profis‘ verdienen langfristig mehr als ihre ‚Benchmark‘ (die Vergleichsrendite, in der Regel sind das Börsenindizes, letztlich reden wir über den Durchschnitt der Rendite vergleichbarer Anlagen).

Verluste treten ein, wenn man die falschen Entscheidungen getroffen hat. Emotionen wie Gier und Angst sind sehr schlechte Ratgeber. Wenn man über ein gutes Fachwissen verfügt und sich diszipliniert an bestimmte Regeln hält, lässt sich bei einem mittel- bis längerfristigen Anlegerhorizont mit hoher Wahrscheinlichkeit auch an der Börse Geld verdienen. Wichtig ist, dass die Kosten niedrig gehalten werden und Timingfehler (falscher Ein- und Ausstiegszeitpunkt, oft aus Gier oder Angst) vermieden werden.

Eine der unter diesen Aspekten aus Anlegersicht erfolgreichsten Strategien ist der Aufbau eines passiv verwalteten ETF-Portfolios (ETF = Exchange Traded Funds), bei dem das Portfolio immer nur bei Bedarf an die vorher festgelegten Gewichtungen angepasst wird und aktive Entscheidungen vermieden werden. ETFs sind Fondsanlegen, die sich in aller Regel an einem Index orientieren, bei denen es keine aktiven Anlageentscheidungen gibt und die vergleichsweise sehr niedrige Gebühren haben. Wer in Aktien investiert, sollte mindestens einen Anlagehorizont von 5 Jahren haben, besser noch von 10 Jahren.

Auch Staaten Versicherungen und Pensionsfonds investieren an den Börsen. Länder wie Norwegen oder arabische Erdölproduzenten investieren einen Teil der Einnahmen aus dem Ölverkauf global in Wertpapiere und Beteiligungen, um für zukünftige Generationen Vermögen aufzubauen. Die Investitionsentscheidungen werden aber nicht von Bürokraten getroffen, sondern von gut ausgebildeten Profis.

Auf keinen Fall sollten Staaten mit den Steuergeldern spekulieren, die sie ihren Bürgern zwangsweise abnehmen.

Die Bürger können selbst an der Börse investieren oder spekulieren, dafür brauchen sie keine staatliche Bürokratie. „Eigenes“ Geld hat ein Staat nicht, auch die oben erwähnten Öleinnahmen, die zwar an den Staat fließen, sind letztlich das Geld der Bürger der jeweiligen Länder und auch das Geld der zukünftigen Generationen.

Wenn die Bürger wollten, dass der Staat für sie an der Börse spekuliert oder investiert, dann könnten sie dem Staat zum Beispiel zielgerichtet und freiwillig Geld in speziell dafür aufgelegte Fonds geben, die der Staat verwaltet – was allerdings vermutlich kein vernünftiger Mensch tun würde.

Monopole

Man wirft dem Kapitalismus auch vor, Monopole zu fördern.

Das Wort ‚Monopol‘ stammt aus dem Griechischen (monos = einzig; polein = verkaufen) und bedeutet ‚einziger, alleiniger Verkäufer‘. Das kann sich auf ein Kunstwerk, eine Erfindung, eine Warenklasse oder auch auf das Angebot von Arbeitsleistungen beziehen. In der Ökonomie verwendet man den Begriff ‚Monopol’ um eine Situation zu beschreiben, in der das freie Spiel der Marktkräfte, von Angebot und Nachfrage, gestört oder ausgehebelt ist.

Monopole gibt es schon seit Urzeiten. Bereits in den ältesten Gemeinschaften gab es Monopole für Salz, Edelmetalle, Parfum, Farbstoffe und, während des Verfalls des Römischen Reiches, sogar für Stoffe und Getreide.

Im Mittelalter hatten die Gilden (Zünfte) ein doppeltes Monopol, und zwar kontrollierten sie die Produktion und den Arbeitsmarkt. Diese Rechte setzten sich bis in die Zeit der Absoluten Monarchien fort, wobei diese sich sukzessive Rechte selbst aneigneten, um Einnahmen für sich zu generieren. Ein großer Teil des Adels lebte vom Einkommen aus Monopolen.

Aufgrund der Existenz solcher englischen Monopole wurde in die Amerikanische Unabhängigkeitserklärung der Passus über die ‚Freiheit der Arbeit“ und das ‚Recht zum Streben nach Glück‘ aufgenommen. Gleiches wurde in die Französische Verfassung nach der Französischen Revolution aufgenommen.

Monopole sind nicht vereinbar mit einer modernen freien Wirtschaft. Dennoch wird es immer Bestrebungen von Unternehmern geben, ihre Gewinne dadurch zu erhöhen, dass sie sich zusammentun, um gemeinsam in bestimmten Bereichen eine Monopolstellung zu erreichen. Aber in einem Umfeld freien Unternehmertums wird es in Anbetracht der hohen Gewinnmargen eine andere Gruppe von Unternehmern geben, die deren Kunden mit niedrigeren Preisen abzuwerben versuchen. Der Effekt werden wieder sinkende Preise sein bis zu einem ‚normalen‘ Wettbewerbsniveau. Das funktioniert allerdings nur in einem freien Umfeld, wo keine Gruppe staatlich protegiert und vor Wettbewerb geschützt wird (Lizenzen, hohe Zölle, Steuervorteile, Subventionen..).

Es findet sich in der Geschichte kein einziges Beispiel eines Monopols, das ohne staatlichen Schutz Bestand hatte.

Monopole mit ihrer schädlichen Wirkung haben also in einer freien Marktwirtschaft an sich keinen Platz.

Der ökonomische Prozess, Konjunkturzyklen, Krisen

Der ökonomische Prozess besteht aus drei Phasen: Produktion, Distribution und Konsum. Sie sind Phasen eines lebendigen und dynamischen Zyklus, die nicht losgelöst voneinander nacheinander ablaufen, sondern in einem bestimmten Rhythmus, wie Zahnräder ineinandergreifend. Die Zeit ist bei diesem Prozess ein wichtiger Faktor, denn Produktion und Vertrieb müssen finanziert werden. Zeit ist Geld. Die Wirtschaft ist, wie das menschliche Leben, nicht statisch oder gleichmäßig ‚pulsierend‘. Regelmäßig kommen nicht planbare neue Technologien auf oder „disruptive Ereignisse“, wie Erdbeben, Kriege oder Pandemien.

Der Ökonom Joseph Schumpeter hat sich eingehend mit Konkunkturzyklen beschäftigt. Unter Bezug auf den russischen Ökonomen Nikolai Kondratieff unterscheidet Schumpeter primär zwischen drei unterschiedlichen Zyklen beziehungsweise Wellenbewegungen. Er spricht von Kondratieff-Wellen, die 40-60 Jahre dauern, sowie Juglar-Wellen mit einer Dauer von 7-10 Jahren und Kitchin-Wellen, die durchschnittlich 40 Monate dauern. Die jeweils neuen Kondratieff-Wellen werden ihrer Ansicht nach durch revolutionäre ‚Basisinnovationen‘ ausgelöst, die nach ihrer Entdeckung und ihrem breiteren Einsatz in der Praxis ‚die Welt verändern‘.

Bis heute hat man folgende Kondratieff-Wellen identifiziert:

  • Erste Welle: Industrielle Revolution bis 1780-1840
  • Zweite Welle: Dampfmaschine und Stahl, 1840-1897
  • Dritte Welle: Elektrizität, Chemie ab 1898 – 1940
  • Vierte Welle: Petrochemie und Automobil 1940 -1990
  • Fünfte Welle: Informations- und Kommunikationstechnik 1990 –
  • Die Sechste Welle, die irgendwann beginnen wird, könnte zum Beispiel ausgelöst werden durch Erfindungen im Bereich Künstliche Intelligenz, Nanotechnologie oder Biotechnologie.

Innovationsschübe werden ausgelöst über bahnbrechende Erfindungen. Geforscht wird immer, allerdings nicht immer mit dem gleichen Elan. Unternehmen geben laufend viel Geld für Forschung und Entwicklung aus, um in ihrem Bereich technologisch führend zu sein (in den Bilanzen findet man die entsprechenden Ausgaben unter ‚F+E‘; englisch: Research and Development, R+D). Große Veränderungen und neue Kondratieff-Zyklen treten ein, wenn neue Erfindungen Lösungen bieten für Probleme, die im alten Zyklus aufgetreten sind und dort starkes weiteres Wachstum verhindert hatten. Radikale, basisinnovative Lösungen werden zum ‚game changer‘. Die einmal von innovativen und risikofreudigen Unternehmern in den Markt eingeführten Basisinnovationen (Amazon…) setzen sich mit zunehmender Geschwindigkeit durch, mehr und mehr Kapital fliesst in solche Verwendungen, alte Konzepte verlieren weiter an Rentabilität.

Das grundlegende Prinzip des ökonomischen Prozesses ist nicht ein Gleichgewicht, sondern das Ungleichgewicht. Gleichgewicht würde zu ökonomischer Stagnation führen; Ungleichgewicht ist die treibende Kraft, die die Wirtschaft am Leben hält und zu Fortschritt führt. Das Wirtschaftsleben ist nicht Ruhe, Friede und Sicherheit; es verlangt Unruhe, Drang, Risiken und Abenteuer. Weitere Antriebsfaktoren sind die Unzufriedenheit mit der aktuellen Situation und der Wunsch und das Bestreben, Dinge besser zu machen, Abläufe effizienter zu gestalten, Zeit zu sparen – ‚effektiver‘ zu werden.

Insofern sind zyklische Bewegungen der Wirtschaft und Veränderungen vollkommen normal. Auf Aufschwungphasen folgen regelmäßig Phasen der Abschwächung, die dann auch immer mit einer gewissen Arbeitslosigkeit verbunden sein wird (gemeint sind nicht ‚Boom‘ und ‚Bust‘-Phasen, die an anderer Stelle besprochen werden). Eine freie Wirtschaft hat jedoch innere automatische Mechanismen, die selektive Störungen durch die Marktkräfte korrigiert. Wenn eine Ware zu viel produziert wird und das Angebot die Nachfrage übersteigt, führt das so lange zu fallenden Preisen bis die Produktion reduziert wird und sich die Preise wieder stabilisieren. Und umgekehrt. Es gibt jedoch auch Zeiten, bei denen diese Selbstheilungskräfte anscheinend nicht funktionieren, es zu Fehlanpassungen kommt und sich eine handfeste Wirtschaftskrise entwickelt.

„Braucht die Welt eine Heilkur gegen Rezession und Depression? Nein, denn Rezession und Depression sind Heilkuren. Warum lassen die Politiker der Welt sie dann nicht zu? Weil sie ihre Macht schmälern, die auf dem unendlichen Wachstum von Scheingeld (Fiat money) und Kredit beruht.“ - Roland Baader (Freiheitsfunken II)

Wenn der Staat ‚mit Gewalt‘ notwendige Anpassungen in Form von einem Wirtschaftsabschwung verhindert, hat das mittel- bis langfristig sehr negative Konsequenzen: Weil unproduktive Unternehmen am Leben erhalten werden, werden Arbeitskräfte in unproduktiven Jobs gehalten, was die gesamtwirtschaftliche Produktivität hemmt.

Als ausgewachsene ‚Wirtschaftskrise‘ bezeichnet man eine ernste Abschwungphase mehr oder weniger der gesamten Wirtschaft, die zu einer wirtschaftlichen Depression führt. Wir betrachten aber an dieser Stelle nur Krisen, die nicht durch externe Schocks wie Naturkatastrophen, Epidemien, Kriege, Revolutionen oder disruptive neue Technologien oder Entdeckungen ausgelöst wurden.

Die Frage nach den Ursachen der Entstehung solcher Krisenphasen ist eine der wesentlichen Fragen im Rahmen der Wirtschaftswissenschaften, um darauf basierend Lösungen zu finden, solche Krisen zukünftig zu vermeiden. Liegen die Ursachen in der Freien Marktwirtschaft selbst begründet oder vielleicht mehr in staatlichen Eingriffen in die freie Wirtschaft?

Bei den Konjunkturtheorien stehen sich hauptsächlich gegenüber die ‚Überinvestitionstheorie‘ (Mises, Österreicher) und die ‚Unterkonsumptionstheorie‘ (Keynes).

Unter den Phänomenen, denen die klassischen Ökonomen und ihre Widersacher (Adam Smith & Co., Marx) im Rahmen ihrer Forschung und Beobachtungen begegneten, waren Krisen, Monopole und Arbeitslosigkeit. Daraus schlossen sie, dass diese besonderen Erscheinungen zwangsläufig mit dem Kapitalismus oder der Freien Marktwirtschaft verbunden seien.

Dies ist jedoch aus den folgenden Gründen nicht richtig:

Im Allgemeinen drückt sich die ökonomische Krise so aus, dass die Umsätze zurückgehen und der Markt die angebotenen Produkte nicht mehr absorbiert – was seitens der Unternehmer zu einer reduzierten Produktion und der Entlassung von Arbeitern führt.

Ökonomen wie die Merkantilisten oder Keynes erklären dies mit einem ‚Unterangebot von Geld‘ bzw. einer ‚Überproduktion‘, einem ‚Überangebot von Waren‘. Diese Erklärungsversuche sind aber nicht überzeugend. In einem ehrlichen Geldsystem (nicht ‚fiat money‘) werden die Waren zwangsläufig mit einem übereinstimmenden Geldangebot in Umlauf gebracht. Wenn das Geldangebot klein ist, sinken die Preise, aber es gibt keine Störungen der Wirtschaft. Der Wert der Waren sinkt, der Wert des Geldes steigt und alle Güter werden absorbiert. So haben es schon Adam Smith und Jean-Baptiste Say erklärt und bislang konnten sie nicht widerlegt werden.

Mit ‚Überproduktion‘ ist gemeint, dass die Produzenten mehr Güter produzieren als Bedarf besteht, so dass ein Überschuss an Gütern vorliege, eine Güterschwemme und die Konsumenten, obwohl sie das erforderliche Geld dafür hätten, die Güter nicht kaufen.

Dagegen ist einzuwenden, dass es bis zum heutigen Tag noch nie eine Situation gegeben hat, wo auf der Welt genug Güter für alle produziert worden wäre. Das große ökonomische Problem der Welt ist die Knappheit, nicht der Überschuss. Eine generelle Überproduktion von Gütern ist ein Mythos, eine unhaltbare realitätsferne These und keine tatsächliche reale Begebenheit. Es kann mancherorts mal zu einem Überangebot bestimmter Güter kommen, aber nie von allen Gütern gleichzeitig. In solchen Fällen treten dann die bereits angesprochenen Mechanismen in Kraft und normale Verhältnisse werden wiederhergestellt, ohne dass es zu nennenswerten Störungen kommt, wobei durchaus bei dem Anpassungsprozess einzelne Produzenten Pleite gehen können, die sich verkalkuliert haben.

Das ist dann ein Fall von ‚ungleichmäßiger Produktion“, den eine dritte Krisen-Theorie als Erklärung heranzieht. Aber solche selektiven, lokalen und vorübergehenden ‚Produktionsstörungen‘ in Folge von Pleiten können keine Krise als Phänomen einer allgemeinen wirtschaftlichen Störung erklären.

Auch eine freie Marktwirtschaft hat zwangsläufig ihre Zyklen, aber diese fallen weniger heftig aus und Lösungen werden schneller gefunden, wenn unternehmerische Profis am Werk sind und nicht staatliche Dilettanten. Jede Verzerrung der Marktsituation durch staatliche Maßnahmen – seien es Zinsmanipulationen, Preiskontrollen bei Gütern und Löhnen, staatliche Restriktionen etc. -führt dazu, dass notwendige Anpassungen sehr viel langsamer erfolgen, oder gänzlich verhindert werden.

Karl Marx und die Sozialisten erklären Krisen als Resultat der ‚Konzentration des Kapitals‘. Die Produzenten würden ihre Gewinne, die sie der Gesellschaft ‚entziehen‘ beziehungsweise vorenthalten, akkumulieren und würden dadurch die Kaufkraft der Massen reduzieren. Wenn die Produzenten dann später ihre Gewinne in zusätzliche Produktionsmittel investieren und für den Bau weiterer Fabriken zusätzliche Arbeitskräfte benötigen, fließen zusätzliche Gelder an die Arbeiter und stehen diesen für den Konsum zur Verfügung. Dadurch kommt es zu einem Preisanstieg, da zu diesem Zeitpunkt dem erhöhten Geldzufluss noch keine zusätzlichen Konsumgüter gegenüberstehen, da sich die zusätzlichen Produktionsmittel noch im Aufbau befinden und noch keine Waren produzieren. Sobald aber die zusätzlichen Produktionsmittel ihren Betrieb aufnehmen, kommt es zu einem Überangebot von Gütern am Markt, das nicht aufgenommen werden kann – woraus eine Krise entsteht.

Auch diese Erklärung ist allerdings fehlerhaft, da nie alle Produzenten gleichzeitig Gewinne einheimsen, sparen oder investieren, sofern dieses Verhalten auf einzelne Produzenten überhaupt zutrifft. Eine allgemeine Krise könnte allenfalls ausgelöst werden, wenn sich alle Produzenten absprechen und synchron gleich verhalten würden, was eine unrealistische Annahme ist.

Die „Währungs-Schule‘ (England, zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts) und die ‚Wiener Schule‘ versuchten das Problem der Krise von der Währungsseite her zu begreifen.

Wie bereits dargestellt hat Geld neben seiner Tauschmittelfunktion noch andere Funktionen und Auswirkungen, die ihm ein ‚Eigenleben‘ verschaffen. Wenn in den Geldwert eingegriffen wird, wird das Geld von einem Regulator des ökonomischen Lebens zu einem Störfaktor.

Wirtschaftliche Krisen entstehen nicht aus einem Mangel an Geld sondern aus einem Überfluss an Geld.

Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass Krisen durch Inflation ausgelöst werden. Wenn Inflation bei einem normalen wirtschaftlichen Verlauf auftritt, so stört das nicht das Gleichgewicht des Marktes. Was ökonomisch schädlich ist, sind die nachteiligen Effekte, die aus staatlicher Inflationspolitik resultieren. Insofern muss man unterscheiden zwischen natürlicher Inflation und einer Kreditausweitung im Rahmen einer Politik des ‚billigen Geldes‘. ‚Natürliche‘ Inflation kann beim normalen Gang der Dinge entstehen, wenn die Geldmenge schneller steigt als das Güterangebot; z.B. als Gold aus den Kolonien nach Europa kam, insbesondere nach Spanien…..

Wenn allerdings Regierungen die Druckerpresse anwerfen, um für sich Geld das zu generieren, mit denen sie oftmals wenig sinnvolle öffentliche Projekte oder eine wuchernde Bürokratie finanzieren möchten, kommt es sowohl zu Inflation als auch gleichzeitig zu einer Kreditausweitung, da die öffentlichen Ausgaben die Entwicklung und das Wachstum eines Landes über die normalen Bedürfnisse und Verhältnisse hinaus steigern. Dadurch entstehen Firmen und Projekte, die am Markt ohne weitere staatliche Hilfe nicht überlebensfähig sind.

Zu einer Kreditausweitung kommt es, wenn die Regierung einen Produktionsanstieg über das normale Niveau hinaus erzwingen möchte und dazu ‚Ressourcen mobilisiert‘ (die meisten dieser teuren Ressourcen werden dabei leider verschwendet). Hierzu wird Geld für diejenigen bereitgestellt, die ihre Produktion in den Bereichen ausweiten möchten, die von der Regierung als vorteilhaft für ein Land angesehen werden (Sonnenenergie, Windenergie, Elektroautos u.s.w., u.sw.). Das löst eine Boomphase aus: Fabriken werden gebaut, Maschinen produziert oder importiert, das Ganze wird noch obendrein von einer weiter ausufernden, teuren Bürokratie begleitet. Das frische Geld fließt durch viele Hände und führt am Markt zu erhöhter Nachfrage nach Konsumgütern, deren Angebot sich aber nicht vergleichbar erhöht hat. Nach den Gesetzen von Angebot und Nachfrage führt das zu steigenden Preisen (selbst wenn die Regierung Preisobergrenzen festgelegt haben sollte). In Anbetracht der steigenden Preise steigen in der Folge auch die Löhne. Es entsteht eine Wohlstands- oder Wachstumsillusion – alle fühlen sich reicher. Dann kommt es allerdings irgendwann zu dem Punkt, an dem das für die Produktionsausweitung zur Verfügung stehende Geld aufgebraucht ist und die neu kreierten Unternehmungen alleine überleben müssen. Viele sind dazu aber nicht in der Lage. Einige besonders schlecht geplante Unternehmungen gehen recht bald Pleite da sie sind nicht konkurrenzfähig sind, andere haben starke Umsatzeinbußen. Eine Krise entsteht: Preise sind gestiegen, das Geld hat an Wert verloren, sinnvolle Produktionskapazitäten sind nicht gestiegen, Umsätze gehen zurück, Arbeiter verlieren ihre Jobs, die Arbeitslosigkeit steigt und eine schmerzhafte Anpassungsphase (Readjustierung) beginnt.

Die Politik der Kreditexpansion hat – anstatt den Wohlstand der Nation zu mehren – einen großen Teil des vorher vorhandenen Wohlstands zerstört.

Wenn man auf Illusionen aufbaut, kommt die Enttäuschung meist schneller als langsamer.

In einer wirklich freien Marktwirtschaft werden so große Krisen nicht entstehen können, da dort deutlich weniger Fehlanreize gesetzt werden – denn bei einer Staatsquote von 40 Prozent oder mehr ist der Staat, der die größten Fehlanreize setzt, der größte und mächtigste Spieler am Markt.

Krisen sind nicht die Folge einer freien Marktwirtschaft oder zwangsläufige Begleiterscheinungen davon. Sie sind im Gegenteil die Folge von politischen Eingriffen in die freie Marktwirtschaft.

„Wo es keine Marktwirtschaft gibt, sind alle gesetzlichen Garantien der Freiheitsrechte wertlos. Was soll Pressefreiheit in einem Lande, in dem alle Druckereien von der Regierung verwaltet werden? Oder Versammlungsfreiheit, wenn alle Versammlungshallen Regierungseigentum sind?“ - Ludwig von Mises

Teil 4

Internationaler Handel

Internationalen Handel gab es schon seit der Antike (Handelsrouten, die alte Seidenstraße, Handelsplätze, Messen, Börsen, internationale Handelsregularien und -konventionen, Transporte mit Karavanen, Handel auf dem Seeweg, Wikinger, Griechen, die Hanse, Genua, Venedig, Kolonien, Gewürze, Parfum, Kaffee, Tee, Tabak….). Es gab mithin schon immer eine weltübergreifende Wirtschaft. Der echte Markt ist der ‚Weltmarkt‘. Und bis zum Ersten Weltkrieg war das internationale Handelsvolumen sehr groß, dazu trug auch der Handel mit den Kolonien bei. Dieses Volumen wurde erst vor wenigen Jahren im Zuge der ‚Globalisierung‘ wieder erreicht bzw. übertroffen.

Um den geldlichen Erfordernissen des Welthandels genüge zu tun, entwickelte sich ein Währungsmarkt und um den gefährlichen und aufwändigen Transport von Bargeld zu vermeiden, wurden papierene ‚Wechsel‘ (‚bill of exchange‘) eingeführt. Geldwechsler tauschten z.B. einem Käufer in Paris, der eine Ware in England in Pfund Sterling bezahlen mussten, seine Francs und stellten ihm einen Wechsel in Pfund aus, den der Käufer in England einlösen konnte. Aus den festen Plätzen, an denen sich Käufer und Verkäufer trafen, um die Konditionen auszuhandeln, entstanden die späteren „Börsen“ (regulierte Handelsplätze), an denen neben Waren auch Aktien, Hypothekenanleihen etc. gehandelt wurden.

Die Preise wurden durch Angebot und Nachfrage bestimmt.

Solch ein freier Handel an internationalen Börsen oder Märkten sollte der normale Zustand des Geschäftsverkehrs zwischen Nationen sein. Die großen Vorteile liegen darin, dass die Preise an Börsen transparent sind und so alle Käufer und Verkäufer leicht über die wesentlichen Daten verfügen und Waren weltweit ohne großen Aufwand kaufen und verkaufen können. Die internationalen Börsen, an denen zum Beispiel Rohstoffe gehandelt werden, spiegeln jeweils Angebot und Nachfrage weltweit wider.

Auf Basis freien Handels, dem effizienten Funktionieren von Börsen und der Möglichkeit von Arbitragegeschäften (gleichzeitiger Kauf und Verkauf derselben Ware an unterschiedlichen Plätzen, um Preisunterschiede auszunutzen) kommt es zur günstigsten und effizientesten Form, weltweit Güter zu handeln und zu vertreiben.

Trotz seiner Vorteile und Erfolge hatte dieses effiziente System von Anfang an Gegner und Kritiker, die die öffentliche Meinung stark beeinflusst haben.

Die Entwicklungen der letzten 3 Jahrzehnte und der Eintritt der Corona Krise zeigen jedoch die Grenzen einer ungezügelten und ungeregelten Globalisierung auf.

Die Verlagerung der Produktion in Niedriglohnländer in Asien und Osteuropa hat nicht nur die Entwicklung der Löhne in den entwickelten westlichen Ländern stark negativ beeinflusst, sie hat auch dazu geführt, dass Lieferketten in Sondersituationen nicht mehr zuverlässig funktionieren, es in den alten Industrieländern partiell zu einer Deindustrialisierung gekommen ist, ungewollte Abhängigkeiten entstanden und Know-how verloren gegangen ist.

Die – auch von westlichen Firmen – im fernen Ausland produzierten Güter kommen auch deshalb so günstig auf unsere Märkte, weil bestimmte Kosten von den Produzenten externalisiert werden, also der Allgemeinheit aufgebürdet werden. Die hohe Umweltbelastung durch Schiffs- und Flugzeugtransporte schlägt sich zum Beispiel nicht in den Transportkosten nieder.

Nationalismus, Sozialismus, Planwirtschaft

Gegenspieler der freien Wirtschaft und des freien Handels sind vor allem Nationalismus und Sozialismus beziehungsweise deren wirtschaftliche Ausprägungen, die Planwirtschaft oder die Zentralplanung.

Seit Tausenden von Jahren, seitdem sich die Menschen in immer größeren Einheiten organisierten – erst Städte, dann Länder, dann Reiche – gibt es weltweit den Hang der Regierenden und der Zentralbürokratie, immer mehr Macht an sich zu ziehen und immer größere Bereiche zu kontrollieren. Die Voraussetzung dafür, dass sich viele Menschen untereinander abstimmen konnten, Menschen geführt und kontrolliert werden konnten, war die Sprache. Beispiele für Großreiche sind die Römer, die Ägypter, die Inkas, die Mongolen, die Sumerer, das Reich Karls des Großen, das Römische Reich Deutscher Nation oder das Osmanische Reich. Zentrale Staatswirtschaft, die heute in der Regel in den Formen Sozialismus oder Kommunismus auftritt (China, Nordkorea) gab es insofern schon seit Menschengedenken.

„In der Tat kann gemäß unserer und den meisten anderen Definitionen eine Gesellschaft voll und ganz sozialistisch sein und dennoch durch einen absoluten Herrscher geführt oder in der denkbar demokratischsten Weise organisiert sein; sie kann aristokratisch oder proletarisch sein; sie kann eine Theokratie und hierarchisch oder atheistisch oder religiös indifferent sein; sie kann unter viel strafferer Disziplin stehen als die Menschen in einer modernen Armee oder jeglicher Disziplin ermangeln, sie kann asketische oder eudämonistischen Geistes sein, energisch oder träge, nur an die Zukunft oder nur an das Heute denken, sie kann kriegerisch und nationalistisch oder friedliebend und internationalistisch, gleichheitstrunken oder das Gegenteil sein; sie kann das Ethos von Herren oder das Ethos von Sklaven haben; ihre Kunst kann subjektiv oder objektiv sein, ihre Lebensformen individualistisch oder standardisiert..“

Joseph Schumpeter (ein Befürworter des Sozialismus, ‚Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie, S. 234, 1947; siehe auch Igor Schafarewitsch „ Der Todestrieb in der Geschichte“)

Auch der griechische Philosoph Platon favorisierte einen straff organisierten ‚Zentralstaat‘ mit einem streng hierarchischen Aufbau, in dem die geistige Elite (die ‚Philosophen‘) alle relevanten Entscheidungen fällte. Die Arbeiter, Bauern und Handwerker hatten eher wenig zu melden aber immerhin sollte der Staat von den Intelligentesten und Qualifiziertesten geführt werden, was für sich genommen ein guter Denkansatz ist.

Auch wenn Nationalismus ein eher modernes Phänomen zu sein scheint aus der Zeit zwischen dem 16. und dem 19. Jahrhundert, als der Feudalismus verschwand und das von Karl dem Großen begründete Römisch-Deutsche Reich mit der Vereinigung von Italien endgültig unterging, so ist der Geist des Nationalismus schon seit der Antike virulent. Er ist und war immer ein Faktor in der politischen und wirtschaftlichen Geschichte, nur in anderer Form. Nationalismus bewegte die Alten Ägypter, das verfallende Rom, die Merkantilisten des 17. und 18. Jahrhunderts und später die Planwirtschaften, die unter dem Einfluss von Krieg und Sozialismus entstanden.

Nur in der Zeit zwischen Wiener Kongress (1814) und dem Ersten Weltkrieg waren diese Tendenzen in den Hintergrund gedrängt, weshalb in dieser Zeit die größten wirtschaftlichen Fortschritte in der Geschichte der Menschheit gemacht wurden.

Der Sozialismus begann zwar anfangs als eine internationale Bewegung, mit dem Motto ‚Proletarier aller Länder vereinigt Euch‘. Recht bald kamen jedoch nationalistische Tendenzen auf und die Interessen der heimischen Arbeitnehmer und der Schutz der heimischen Arbeitsplätze rückten in den Vordergrund. Wie wir allerdings schon gesehen haben, sind Protektionismus und Interventionismus nicht der geeignete Weg, die heimische Wirtschaft zu fördern.

Der Nationalismus basiert auch in ökonomischer Hinsicht auf Fehlannahmen: nämlich dass es eine abgeschottete nationale Wirtschaft gibt und dass es einer Nation nur dann besser gehen kann, wenn es einer anderen schlechter geht. Als erstes waren es die Ökonomen der Klassischen Schule, die diesen beiden falschen Überzeugungen entgegen getreten sind. Aber auch sie konnten sich dem Mythos einer nationalen Wirtschaft nicht ganz entziehen und Reste dieses Irrglaubens hielten sich auch bei ihnen.

Nichts ist illusorischer als die Existenz einer rein nationalen Wirtschaft und eines nationalen Vermögens. Der Handel hört nicht an nationalen Grenzen auf, Nationen gehört selbst kein Vermögen und sie sind weder reich noch arm. Das können nur Individuen sein. Die Ressourcen, über die Regierungen verfügen, und die Mittel, die sie verteilen, haben sie ihren Bürgern vorher über Steuern, Abgaben oder Inflation weggenommen.

Die Bürokratien (national, supranational) geben zwar enorme Summen aus, um Jahr für Jahr das Vermögen und das Einkommen von Nationen zu berechnen, aber all diese Kalkulationen sind weitgehend unglaubwürdig und wenig erhellend, da der Staat – auch wenn er noch so viele Gesetze erlässt und eine noch so mächtige Polizei zur Verfügung hat – nicht genau wissen kann, was die einzelnen Individuen in einzelnen Ländern besitzen oder verdienen. Aufgrund eines tiefen und gut begründeten Misstrauens in die Staatsmacht werden die meisten Bürger dem Staat niemals freiwillig alle Informationen über das wahre Einkommen und das wahre Vermögen geben, da sie befürchten müssen, früher oder später besteuert oder enteignet zu werden. Aus diesen Gründen vermutlich gibt es auch aktuell die Bestrebungen, das Bargeld abzuschaffen und die Kontrolle über die Bürger auszuweiten. Wenn die Regierungen zum Beispiel alle Menschen zwingen würden, sich einen Überwachungschip einpflanzen zu lassen, nähern wir uns der totalen Kontrollmöglichkeit und der totalen Überwachung: der Traum jedes autoritären oder totalitären Regimes.

Es ist auch kaum möglich, dass ein Land vollkommen autark ist. Kein Land hat Zugriff auf alle für Produktion und Konsum erforderlichen Ressourcen im eigenen Land. Jedes Land muss importieren (Rohstoffe und Fertigprodukte) und, um für die Importe zu bezahlen, auch exportieren. Wenn ein Land vom Außenhandel weitgehend abgeschottet ist, wie z.B. Nordkorea, kommt es zu miserablen Lebensbedingungen. Die einzige ganzheitliche Wirtschaft ist die Weltwirtschaft, der Weltmarkt.

Handel findet auch nicht zwischen Nationen statt, sondern zwischen natürlichen Personen und über die Grenzen hinweg. Das funktioniert am besten, wenn jeder Unternehmer an allen Märkten der Welt kaufen und verkaufen kann. Im freien Spiel von Angebot und Nachfrage kommt es zu einem Gleichgewicht, Einkünfte und Ausgaben gleichen sich unmerklich aus und jeder passt sich den Gegebenheiten an.

Aber sobald nationale Gruppen und nicht Einzelpersonen am Markt Einfluss nehmen, wird der Welthandel erschwert, und die Situation wird dann auch insofern gefährlich, als verdeckte Ambitionen und Rivalitäten und Konflikte entstehen – und zwar zwischen bewaffneten Kräften und nicht zwischen handeltreibenden Personen.

Wer eine Ware im Rahmen seiner freien Entscheidung erwerben möchte, will nicht durch staatliche Vorgaben davon abgehalten werden, wie zum Beispiel, dass nur nationale Produkte gekauft werden dürfen. Manche Produkte können in bestimmten Ländern nicht profitabel hergestellt werden, und oft schon gar nicht profitabel im Vergleich zu den Kosten gleichartiger ausländischer Güter.

Am absurdesten ist die besessene merkantilistische Idee, dass sich ein Land nur gut entwickeln kann, wenn es eine positive Leistungsbilanz hat, das heißt mehr exportiert als importiert und mehr Geld einnimmt als es ausgibt – was der Idee entspricht, dass ein Land nur prosperieren kann auf Kosten anderer Länder. Man kann aber nicht reich sein inmitten von Armut. Vermögen entsteht durch die Möglichkeit zu Tauschen.

Wenn zum Beispiel die USA so lange jedes Jahr mehr exportieren als importieren würden, bis die USA alles Geld aller anderen Länder bei sich in Gold angehäuft hätten, müssten die USA entweder dieses Geld/Gold ausgeben, um Güter im Ausland zu kaufen (womit die Leistungsbilanz negativ würde) oder aber der internationale Handel würde auf reinen Warentauschhandel (Barter Trade) reduziert.

Ein Land prosperiert ökonomisch, wenn es die inländische Produktion von denjenigen Gütern erhöht, qualitativ und preislich, die am Weltmarkt gesucht sind, und mit dem Erlös aus diesen Verkäufen am Weltmarkt andere Güter einkauft, die es benötigt, und die am Weltmarkt von denen zu attraktiven Preisen angeboten werden, die sie günstig produzieren können. Darin liegen die Vorteile des Welthandels.

Exportüberschüsse bedeuten, dass den Bürgern eines Landes weniger Güter zum Verbrauch zur Verfügung stehen, als sie selbst produziert haben. Wenn das im Tausch gegen möglicherweise nicht werthaltiges Geld geschieht oder über Kreditvergabe an nicht kreditwürdige Länder (aktuell zum Beispiel Griechenland, Italien, Spanien), führt das ökonomisch zu Schäden. Für die Bürger eines Landes ist eine solche Situation dann besonders negativ, wenn die Exportüberschüsse zu dem Preis niedriger Löhne ‚erkauft‘ werden und die Bürger am Ende noch für die generösen staatlichen Kredite an andere Länder haften. Denn dann finanzieren sie ohne Gegenleistung den Konsum fremder Menschen. Warum sollte das ein Mensch machen, der bei klarem Verstand ist? Deutlich sinnvoller ist es, den eigenen Konsum zu finanzieren.

Handel funktioniert nur reibungslos, wenn beide, sowohl Käufer als auch Verkäufer, die volle Freiheit haben, ihre wirtschaftlichen Entscheidungen in ihren jeweiligen Ländern, aber auch über politische Grenzen hinweg ohne Beschränkungen auszuüben.

‚Nationen‘ sind nicht ‚ökonomisch‘ sondern politisch, es sind Gemeinschaften von Menschen, die ein Einverständnis darüber gefunden haben, wie und unter welchen Bedingungen und Gesetzen sie zusammenleben wollen.

Der ideale wirtschaftliche Zustand wäre, wenn – so wie das Recht auf das ‚Streben nach Glück‘ in der Amerikanischen Unabhängigkeitserklärung niedergelegt ist – jeder Mensch in jedem Land allen Menschen weltweit die Waren anbieten könnte, die ihnen hinsichtlich Preis und Qualität gefallen, wofür er im Gegenzug bezahlt wird und Geld bekommt; mit diesem Geld kann er dann gemeinsam mit all jenen, die am Produktionsprozess beteiligt waren (alle Beteiligten erhalten ihren Lohn, sei es für Arbeit oder für Kapital), von anderen Unternehmern national oder auf dem Weltmarkt die Waren erwerben, die er benötigt oder wünscht. Angetrieben durch das Streben der Menschen nach konstanter Erhöhung des Lebensstandards verbessern die Wirtschaftssubjekte die Lebensverhältnisse der Einzelnen und auch der Nation insgesamt – wenn sie in ihren Handlungen frei sind.

Wenn allerdings die Aktivitäten und der Unternehmungsgeist der Individuen im Hinblick auf ‚nationale Interessen‘ gehemmt und gesteuert werden, führt das zu Stagnation. Wenn der Rhythmus des Wirtschaftslebens gestört wird, brechen über kurz oder lang Konflikte und Verteilungskämpfe zwischen verschiedenen Interessengruppen auf. Regelmäßig ist dann Unterdrückung die Folge, was letztlich sogar zu gewaltsamen Auseinandersetzungen führen kann.

In der Phase der großen wirtschaftlichen Aufwärtsentwicklung, die fast das ganze 19. Jahrhundert und die ersten Jahre des 20. Jahrhunderts umfasste (Industrielle Revolution, Liberalismus), stellten wenige die Frage nach der ‚nationalen Wirtschaft‘ oder der Zahlungsbilanz. Alle waren vorrangig damit beschäftigt, Güter und Dienstleistungen zu produzieren, die am Weltmarkt Akzeptanz finden. Im Ergebnis führte dieses multilaterale Produktions- und Handelsnetzwerk bei allen Beteiligten zu einem deutlichen Anstieg des Lebensstandards. Einen Mangel an Währungsreserven (foreign exchange reserves) gab es damals nicht. Bis 1914 kam es auch nie zu einer Situation, in der ein Land etwas zu vernünftigen Preisen importieren wollte aber nicht konnte, weil es die fremden Währungen nicht zur Verfügung hatte.

Trotz dieser sehr positiven Entwicklung begannen einige deutsche Ökonomen der „Historischen Schule“ etwa zu Beginn der Bismarck-Zeit (1860 ff), die Fiktion einer ‚Nationalen Ökonomie‘, einer ‚Volkswirtschaft‘, aufzubauen. Sie zweifelten, ob Deutschland eine faire Vergütung für die produktiven Anstrengungen des deutschen Volkes bekäme und kreierten eine psychologische fixe Idee hinsichtlich einer internationalen Ausbeutung, die schließlich im Krieg von 1914 und in der Folge auch dem von 1939 mündete. Diese Ökonomen standen mehr oder weniger im Dienst der militaristischen und imperialistischen Fraktion und entwickelten ihre Theorie dahingehend, dass sie einen mächtigen Zentralstaat (der möglichst von einem mächtigen Fürsten beherrscht werden sollte) befürwortete.

Die Zahlungsbilanz rückte in den Vordergrund und wurde zum Fetisch hochstilisiert. Statistiker machten sich ans Werk und kamen zu dem erstaunlichen Ergebnis, dass über lange Zeit alle Länder mehr importiert als exportiert hätten.

Dieses vermeintliche Ergebnis wiederum führte dazu, dass die Regierungen auf dem Weltmarkt intervenierten, Importquoten verhängten, Währungskontrollen einführten und sich über ‚Dumping‘ Vorteile zu verschaffen suchten. Die negativen Einflüsse der immer stärkeren Regulierungen führten dazu, dass die Zahlungsbilanzen immer schlechter wurden. Die internationalen Handelsrestriktionen schaukelten sich gegenseitig hoch (beggar my neighbour policy).

Wer sich die damaligen Statistiken aller Länder anschaut, erkennt, dass angeblich insgesamt mehr Waren importiert als exportiert wurden und in der Summe mehr Gold exportiert als importiert. Das kann selbstverständlich nicht sein. Die einzige Erklärung ist, dass die Statistiken falsch sein müssen: Statistiken können ohnehin nur die offiziellen Daten erfassen, das heißt die Waren, die zu den willkürlich festgesetzten staatlichen Preisen abgewickelt werden. Je stärker die staatlichen Eingriffe sind, desto mehr Waren werden aber abseits der offiziellen Kanäle abgewickelt, zum Beispiel am ‚Schwarzmarkt‘, dem in dieser Situation ‚wahren‘ weil ‚freien‘ Markt.

„Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.“ - Redewendung

Eine staatliche Wirtschaftspolitik, die auf falschen Daten beruht, führt mehr oder weniger zwangsläufig zu schlechten politischen Entscheidungen, die die Übel, die sie eigentlich bekämpfen möchte, noch vervielfacht. Die Konsumenten müssen in einer solchen Situation sowohl die Kosten der Bürokratie bezahlen als auch die Risiken von Transaktionen am Schwarzmarkt. Die Länder, die eine solch nationalistische Wirtschaftspolitik betreiben, das Wirtschaftsleben behindern und die Preise nach oben treiben, werden am Ende ärmer und nicht reicher sein. Von daher ist in den besonders protektionistischen Ländern das durchschnittliche Jahreseinkommen vergleichsweise gering, bis hin zu Armut und Hunger.

Der andere mächtige Feind des weltweiten Freihandels ist der Sozialismus.

Dabei spielt es keine Rolle in welcher Spielart der Sozialismus daherkommt, ob als Sozialdemokratie, Syndikalismus, Kollektivismus, Kommunismus oder Wohlfahrtsstaat.

Das Wort Sozialismus scheint von dem Engländer Robert Owen (1771-1858) geprägt worden zu sein, der die These vertrat, dass ökonomisches Handeln ausschließlich aus altruistischen Motiven heraus geschehen solle und die Wirtschaft nicht individualistisch organisiert sein solle, sondern ‚sozial‘, im Sinne von ‚der Gemeinschaft gehörend‘. Die Leitmotive des Sozialismus sind ‚Ausbeutung‘ (im Kapitalismus) ‚Überfluss‘, ‚Gleichheit‘ und ‚soziale Gerechtigkeit‘ (im Sozialismus). Bis zur Verwirklichung des Sozialismus beziehungsweise seiner nächsten Ausbaustufe, des Kommunismus, in dem es überhaupt kein Privateigentum mehr gibt, ist es das Anliegen der Sozialreformer und Zentralplaner, die Gerechtigkeit über Umverteilung, das heißt eine ‚gerechte‘ Verteilung der Güter, zu erreichen.

Die Arbeiterbewegungen (Gewerkschaften) waren von Anfang an stark mit dem Sozialismus verbunden und stehen sich auch heute noch gedanklich sehr nahe.

„Man stelle sich Gleichheit in der Natur vor: Nur eine Baumart, nur eine Blumenform, nur eine Obstsorte, nur eine Tierart, nur ein Wetter, nur ein Tageslicht, nur eine Jahreszeit. Auf einen solchen Horror kann nur der Mensch hinsichtlich seiner eigenen Gattung kommen.“ - Roland Baader (Freiheitsfunken II)

Zum Thema ‚angeblicher Überfluss‘ ist anzumerken, dass es auch heute, trotz des immensen Wohlstandsanstiegs in einem großen Teil der Welt noch keinen ‚Überfluss‘ gibt und auch keiner abzusehen ist. Genau das ist aktuell die Hauptursache der großen Migrationsströme.

Unsere aktuelle wirtschaftliche Situation ist geprägt von Mangel, nicht von Überfluss; und von Unterschieden in der Produktivität, nicht von einer ungerechten Verteilung.

Die Möglichkeit, in einem Land in einer bestimmten Zeitspanne bestimmte Güter, Waren, Dienstleistungen zu erwerben, hängt von der Gesamtmenge des Geldes ab, das die Einwohner dieses Landes in der Periode verdient haben. Rein rechnerisch entspricht das zwangsläufig wiederum der Gesamtmenge der Produktion in diesem Land in diesem Zeitraum, dem Warenangebot. Insofern kann es an sich nicht an einem Geldmangel liegen, wenn Waren nicht nachgefragt werden und Produzenten darauf sitzen bleiben (wie schon an anderer Stelle erwähnt, kann es keine generelle Unterkonsumption oder Überproduktion geben). Das Jahreseinkommen des einzelnen Individuums ist der numerische Ausdruck seines Anteils an der Produktion des Güterangebots, das in dieser Periode für die ganze Bevölkerung zur Verfügung steht.

Jeder Produktionsprozess, auch der sozialistische, beruht auf dem Einsatz der Produktionsmittel Arbeit und Kapital. Der Hauptunterschied der Systeme liegt darin, wem das Kapital gehört, was für Arbeit bezahlt wird, wie Entscheidungen getroffen werden und wie die Gewinne verteilt werden.

Auch wenn es in sozialistischen Ländern keine freie Preisbildung gibt, müssen sich diese Länder zumindest hinsichtlich ihrer Exportgüter an den Preisen des Weltmarktes orientieren. Hinsichtlich der Löhne allerdings können sich kommunistische Länder den Zwängen des Marktes entziehen, da die Löhne von der Regierung festgesetzt werden – und das meistens nicht im Sinne der Arbeiter. In einem sozialistischen System gibt es keinen freien Arbeitsmarkt. Die Löhne werden per Dekret von der Regierung festgesetzt, auch der Arbeitsplatz wird festgelegt und freie Gewerkschaften gibt es auch mehr: Die Arbeiter sind letztlich versklavt.

In Russland war der Unterschied zwischen den Löhnen der Arbeiter und denen der Manager lange Zeit sogar größer als in den USA – so viel zum Thema ‚sozialer Gerechtigkeit‘ im Sozialismus.

„Kapital‘ ist also in jeder Wirtschaftsform erforderlich. Ohne Maschinen und Fabriken würde die Produktion eines Landes dramatisch zurückgehen, auf ein Niveau wie vor der industriellen Revolution. Das gilt für alle Wirtschaftssysteme, seien sie kapitalistisch oder sozialistisch. Die Produktivität des Arbeiters, das heißt, wie viele Güter er in einer bestimmten Zeit erschaffen kann, hängt ganz wesentlich von seinen Arbeitsmitteln (Maschinen, Werkzeuge, Technik) ab. Wenn die nicht vorhanden sind, kann auch der fähigste Arbeiter kein Auto bauen.

Der Ansatz der Marxisten ist es, dass die Unternehmer, die Inhaber des ‚Kapitals‘, enteignet werden. Die Frage ist dann allerdings, wem die Produktionsmittel gehören sollen? Dem Staat als Repräsentanten des Volkers oder direkt den Arbeitern und Bauern in Form von Syndikaten? Im Endstadium des wahren Marxismus würde es den Staat praktisch nicht mehr geben, nur noch die Arbeiterräte würden bestehen. Was aber würde das für die Arbeiter letztlich bedeuten? Die Produktion wäre immer noch ‚kapitalistisch‘, ohne Kapital geht es nicht. Und am Weltmarkt gelten die Marktpreise. Wer trifft die unternehmerischen Entscheidungen? Wer trägt die Verantwortung für Fehlentscheidungen? In der freien Wirtschaft bekommt der Arbeiter seinen Lohn und der Unternehmer trägt das unternehmerische Risiko.

Im Falle der Syndikate hängt die Vergütung der Arbeiter von dem ab, was das Syndikat nach Kosten erwirtschaftet. Und da besteht die große Gefahr, dass die bürokratische Führung des Syndikats deutlich schlechtere Ergebnisse erwirtschaften wird als ein privater Unternehmer – zu Lasten der Arbeiter.

Eine spezielle Form des Sozialismus soll hier noch erwähnt werden: der ‚Agrarsozialismus‘. Er fußt auf den Ideen der ‚Grundrente‘ (ansatzweise bei Adam Smith, Thomas Robert Malthus, entwickelt von David Ricardo). Als ‚Grundrente‘ wird das bezeichnet, was die Besitzer von Land bester Qualität an Mehrrendite erzielen gegenüber den Besitzern von Agrarflächen durchschnittlicher Qualität. Dabei wird davon ausgegangen, dass es auf der Welt nur begrenzt Land bester Qualität gäbe. Die Grundrente soll besteuert werden, damit keiner bessergestellt ist. Der Deutsche Adam Damaschke wollte diese ‚Mehrwertsteuer‘ auch auf Erlöse aus Verkäufen von Agrarland erheben, das zu Bauland erklärt wurde.

Die Grundrente-Idee ist aus zweierlei Gründen falsch. Zum einen gibt es weltweit noch Flächen bester Qualität, die nicht kultiviert werden – Menschen könnten dorthin umziehen und sie bewirtschaften.

Weiterhin ist Land ein Produktionsfaktor wie Maschinen oder Werkzeuge. Wie bei Maschinen auch ist die Rendite guter Maschinen gegenüber schlechten Maschinen ebenso größer wie bei gutem und schlechtem Land. Dies drückt sich in entsprechend höheren Marktpreisen für gutes Land und gute Maschinen aus, die der Eigentümer bezahlen muss, bevor er das Land oder die Maschine nutzen kann – die höhere Produktivität ist insofern ‚verdient‘ über die höheren Preise, die dafür bezahlt werden müssen.

Dass ‚Merkantilismus‘ – das heißt einerseits die Gegnerschaft zu Freihandel und Liberalismus und andererseits die Betonung des staatlichen Einflusses auf die Wirtschaft – Konflikte mit dem Ausland tendenziell fördert, wurde schon angesprochen.

Wenn es dann zu kriegerischen Auseinandersetzungen kommt, führt das zwangsläufig zu noch mehr staatlichen Eingriffen. Während des Ersten Weltkriegs, der der großen Weltwirtschaftskrise vorausging, verlangten alle Kriegsparteien (und sogar einige der neutralen Länder) von ihren Parlamenten das Recht, in die Wirtschaft einzugreifen. Gerechtfertigt wurden diese Eingriffe mit militärischen Geheimnissen, mit den Prioritäten der Kriegsführung und in den neutralen Ländern mit der Notwendigkeit, den auftretenden Turbulenzen in Form von Mangel und hohen Preisen, besser begegnen zu können. Die Staatsquoten der Länder, das heißt der Anteil des Staates an der heimischen Wirtschaft, stiegen auf diese Weise kräftig weiter an.

Nach dem Ende Krieges kam es naturgemäß zu Krisen, da die Kriegswirtschaft wieder auf eine Friedenswirtschaft umgestellt werden musste. Wie so oft bei Problemen wurde sogleich wieder der Ruf nach ‚Vater Staat‘ laut. In Deutschland machte das Wort ‚Planwirtschaft‘ die Runde. Das Argument dafür war, dass die moderne Wirtschaft so kompliziert sei, dass man sie sich nicht sich selbst überlassen könne, ‚Experten‘ müssten Pläne aufstellen und die Regierungen sie umsetzen. Dass genau die staatlichen Eingriffe in die Krise geführt hatten, wurde verschwiegen und war den meisten Leuten nicht bewusst.

Es gab auch damals keinen Mangel an ‚Experten‘, die ihre Meinung äußerten, und an Bürokraten, die die Chance auf gutbezahlte Jobs in den neuen Abteilungen für wirtschaftliche Interventionen sahen, oder an Regierungen, die ihre Machtfülle ausweiten wollten.

Auch ‚wissenschaftlich‘ wurde der Boden bereitet für Planwirtschaft und kontrollierte Wirtschaft. Tausende Bücher wurden geschrieben zu diesem Zweck, die Schulen produzierten Generationen von spitzfindigen Ökonomen, die den Weg zum Paradies in der endlosen Ausdehnung der Administration sahen und die Welt wurde überschwemmt von Regierungseingriffen und –kontrollen, die vergleichbar waren mit der Grippeepidemie (Pandemie), die unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg zwischen 25 und 50 Millionen Todesopfer forderte.

Die ‚Planer‘ – damals und auch heute – möchten angeblich das System des freien Unternehmertums bewahren und zu diesem Zweck ‚verbessern‘, letztlich sind sie aber Vorboten des Sozialismus, wie schon Friedrich August Hayek in seinem Buch ‚Der Weg in die Knechtschaft‘ richtig beschreibt.

Ihr Ziel sei es, die Schwächen des Systems zu beseitigen, die angeblich darin bestehen, dass die Ressourcen nicht mobil genug seien, dass Einkommen und Vermögen zu ungerecht verteilt würden und der internationale Handel nicht ausgeglichen genug sei. Diese Schwächen sollten ausgeglichen werden über Steuern, Subventionen, staatliche Eingriffe bei Löhnen und Preisen, Kapitalverkehrskontrollen und Beschränkungen des internationalen Handels. Die angeblich fehlende Mobilität des Kapitals soll durch Steuern auf ‚untätiges‘, nicht-arbeitendes Kapital und durch Subventionen für wesentliche Industriezweige korrigiert werden.

In der sozialistischen Ideenwelt der keynesianischen und expansionistischen Planer ist der Staat derjenige, der die Wirtschaft optimal steuern kann. Wenn Arbeitslosigkeit auftritt, liegt das an falschen Entscheidungen der privaten Wirtschaft und letztlich zu geringen Investitionen ‚der Privaten‘. Wenn nicht ausreichend privates Kapital für Investitionen zur Verfügung gestellt wird, müsse der Staat mit seinen Planern einspringen.

Wenn der Staat selbst investiert, bedeutet das, dass anstatt, dass die Produktion mit dem Kapital derjenigen ausgebaut wird, die es gespart haben und freiwillig an die Investoren ausleihen, der Staat mit Geld tätig wird, das er vorher oder nachher den Konsumenten durch Steuern wegnimmt. Die Konsumenten verlieren also doppelt, durch die höheren Preise und durch die Steuern, mit denen die staatlichen Investitionen oder Subventionen finanziert werden.

Wenn dem Staat die Steuereinnahmen nicht reichen, verlegt er sich auf Inflation und Geldausweitung, wodurch der Konsument noch ein weiteres Mal belastet wird, da sein Geld an Wert verliert.

Anstatt, dass die Sparer und Kapitalgeber selbst entscheiden, wie sie ihr Geld investieren, hat sich der Staat das Recht genommen, nach eigenem Gutdünken über privates Eigentum zu verfügen und über seine Verwendung zu entscheiden und letztlich die Produktion zu steuern basierend auf oftmals utopischen Plänen – und im Wesentlichen zum Nutzen von Interessengruppen. Produziert wird nicht länger, was der Konsument wünscht, sondern was die Regierung wünscht, und der Konsument wird seines Rechts beraubt, selbst zu entscheiden und zu wählen. Seine Freiheitsrechte werden ihm genommen und er wird vom Staat bevormundet.

Was die angeblich ungerechte Vermögensverteilung angeht, versuchen die Befürworter eines starken staatlichen Einflusses, diese über Steuern oder staatliche Eingriffe in Löhne und Preise zu korrigieren (Anmerkung: Besteuerung kann grundsätzlich lenkenden, korrigierenden oder konfiskatorischen Charakter haben). kernauDas ist jedoch im wahrsten Sinne des Wortes ‚kontraproduktiv‘ und führt letztlich zu dem, was die Befürworter der ‚Kontrollierten Wirtschaft‘ angeblich vermeiden wollen: dem Sozialismus.

Die Vermögenden, die eine niedrige Konsumquote haben, investieren entsprechend einen großen Teil ihres Einkommens, was wiederum den Kapitalstock und das Produktivkapital der Nation stärkt.

Wenn dieses Kapital den privaten Händen vom Staat entzogen wird, wird es der Staat entweder für unproduktive Bürokratie ausgeben oder für öffentliche Investitionen (Infrastruktur, sonstige ‚Projekte‘) oder wird es in die ‚Produktion‘ dirigieren, entweder direkt oder über halbautonome Agenturen – und das ist Sozialismus.

Wenn der Konsum angeheizt wird, führt das zu steigenden Preisen, wenn nicht gleichzeitig auch das Warenangebot steigt. Weiterhin kann das Geld, das in den Konsum fließt, nicht für Investitionen in Häuser, Fabriken oder Maschinen genutzt werden. Wie wir schon gesehen haben, sind Investitionen und darauf basierend ein steigendes Warenangebot aber die Voraussetzungen für einen steigenden Lebensstandard.

Was den Lebensstandard erhöht, ist nicht, mehr Geld in Umlauf zu bringen, sondern mehr Waren zu produzieren, die am Markt für die vorhandene Geldmenge erworben werden können. Hierfür muss die Produktion erhöht werden und der beste Weg um dieses Ziel zu erreichen, ist es, Anreize für das Kapital zu schaffen, Produktionskapazitäten aufzubauen – und nicht das Geld für Konsum auszugeben.

Die Befürworter einer ‚Kontrollierten Wirtschaft‘ möchten die Leiden der Armen dadurch lindern, dass sie Vermögen umverteilen über die Kontrolle von Preisen und Löhnen – jedoch nicht von allen Löhnen und Preisen, denn das sei ja Sozialismus. Es sollen nur die Preise lebensnotwendiger Güter festgelegt werden, damit sich auch Arme alles Wichtige leisten können. Aber auch dieses Projekt – so wohlmeinend es auch sei – scheitert an der Wirklichkeit. Kein Produzent wird bereit sein, eine unprofitable Produktion aufrecht zu erhalten – denn man darf nicht außer Acht lassen, dass Produkte nicht aus einer Laune des Produzenten heraus teuer sind, sondern wegen der Produktionskosten. Wenn die Regierung die Preise unterhalb der Produktionskosten festsetzt, wird der Produzent die Produktion einstellen oder er muss subventioniert werden. Da Subventionen vom Staat aus Steuern finanziert werden, bezahlt der Konsument das an Steuern, was er an der Ware einspart – und hinzu kommen noch die Kosten der Bürokratie.

Darüber hinaus führt die Verbilligung eines Produkts zu einem verschwenderischen Konsum und in der Folge wird es notwendig werden, den Verbrauch zu rationieren. Aber auch das wird das Problem nicht lösen, denn wenn es Rationierungen gibt, wird jeder Verbraucher seine volle Quote ausschöpfen und das, was er selbst nicht verbraucht, am Schwarzmarkt verkaufen oder anderweitig verbrauchen, z.B. wenn überschüssiges Brot als Tierfutter verwandt wird – als nach dem letzten Krieg in Frankreich die Brotrationierung aufgehoben wurde, stellte man überrascht fest, dass die Franzosen auf einmal weniger Brot als vorher konsumierten.

Preise einzelner Waren von Staats wegen festzusetzen, ist mithin nicht sinnvoll. Noch schwieriger und noch weniger sinnvoll ist es, wenn der Staat Löhne fixieren möchte. Eine generelle Anhebung der Löhne ist zwecklos, denn das führt unweigerlich zu einem korrespondierenden oder sogar größeren Preisanstieg. Wenn nur die Löhne angehoben werden, die angeblich ‚zu niedrig‘ sind, geht die Sache auch schief, denn diese Löhne sind genau deshalb niedrig, weil sie in Produktionsbereichen anfallen, bei denen aufgrund der Marktlage (zum Beispiel: großes Güterangebot) keine höheren Preise durchsetzbar sind und die Produktion bei höheren Löhnen unprofitabel wird. Wenn die Löhne angehoben werden, wird die Produktion eingestellt, die Güter fehlen am Markt und die Arbeiter verlieren ihre Arbeit. Sie konkurrieren dann mit anderen Arbeitern am Arbeitsmarkt was tendenziell dazu führt, dass deren Löhne sinken.

Kapitalverkehrskontrollen werden angewandt, um den internationalen Handel zu kontrollieren. Die Kontrolle des internationalen Handels ist charakteristisch sowohl für Nationalismus als auch für Sozialismus, und begann fast gleichzeitig in der sozialistischen Sowjetunion und dem nationalistischen Deutschland.

Das ist insofern auch nicht verwunderlich als Nationalismus zwangsläufig zu Sozialismus führt, und Sozialismus unweigerlich zu Nationalismus. Fast jedes sozialistische Land muss nationalistisch agieren, und umgekehrt: in beiden Fällen handelt es sich um eine Form des Totalitarismus. Man kann keine nationalistische Wirtschaftspolitik betreiben ohne staatliche Kontrolle von Produktion und Verteilung – und das ist ‚Sozialismus‘. Auf der anderen Seite kann man nicht die Kontrolle über Produktion und Distribution übernehmen, ohne eine Politik eines ökonomischen Nationalismus zu betreiben. In beiden Fällen gibt es nur einen Produzenten und Verteiler: den Staat.

Bei Hitler und Mussolini wurde zwar der Schein einer freien Wirtschaft aufrecht erhalten, aber tatsächlich mussten die Unternehmen genau den Vorgaben des Staates folgen.

Die Befürworter einer ‚Gelenkten Wirtschaft‘ werden nicht gern mit dem Vorwurf konfrontiert, Nationalisten oder Sozialisten zu sein, da sie sich für die einzigen Retter der freien Wirtschaft in Zeiten einer Krise sehen.

Die Planwirtschaftler können sich nicht lösen von dem Mythos einer „Volkswirtschaft“, die es zu schützen gelte. Eine internationale freie Wirtschaft sei zwar grundsätzlich das Beste, aber staatliche Interventionen seien leider unerlässlich, um ein Gleichgewicht in der Zahlungsbilanz zu gewährleisten.

Der Außenhandel wird über Kapitalverkehrskontrollen staatlich kontrolliert, indem der Staat bestimmte Importe und Exporte fördert oder behindert. Alle Im- und Exporte werden vom Staat finanziell abgewickelt, mit dem Ausland zu Weltmarktpreisen z.B. in Gold oder Dollar, mit den inländischen Exporteuren und Importeuren in Landeswährung, wobei der Staat die Preise und Mengen festlegt. Die Preisfestsetzung sowie die Verteilung der Güter ist willkürlich, ungerecht und diskriminierend – ein weiterer negativer Aspekt sind die Kosten der staatlichen Intervention.

Derlei staatliche Interventionen werden weder zu einer ‚gerechteren Vermögensverteilung‘, noch zu einer größeren Mobilität von Kapital und Arbeit oder zu einer Ausweitung des internationalen Handels führen. Im Gegenteil: solche staatlichen Interventionen sind teuer, unnötig, willkürlich diskriminierend und beschneiden in extremer Form die individuelle Freiheit.

Dass die vermeintlich sozial gerechten Eingriffe des Staates in Form von progressiven Steuern, Gelddrucken, Subventionen und Zinsmanipulationen neben ihren sonstigen bereits besprochenen negativen Effektiven auf die Volkswirtschaft auch noch oft einen vermeintlich ungewollten Umverteilungseffekt haben, kann man an einem Chart erkennen, der die Entwicklung der Kapitalvermögen zum Lohneinkommen zeigt. Man erkennt, dass die Kapitalvermögen in den letzten Jahren deutlich stärker angestiegen sind als die Lohneinkommen. Das geht eindeutig zu Lasten der einfachen Bürger, die doch angeblich von der Politik der ‚sozialen Gerechtigkeit‘ profitieren sollen – und zeigt, dass die getroffenen Maßnahmen nicht bis zum Ende durchdacht wurden.

Zur Leistungsfähigkeit einer Planwirtschaft nachfolgend ein einfaches Beispiel aus dem Bereich Sport:

Man stelle sich ein Fußballspiel vor.

Wie üblich spielen zwei Mannschaften zu je 11 Spielern gegeneinander, es gelten die normalen Regeln, es gibt ein normales Fußballfeld, einen Schiedsrichter, die Trainer.

Bei der einen Mannschaft entscheiden die Spieler wie bei jedem ganz normalen Team eigenständig, intuitiv und spontan über ihre Spielweise und über die Spielzüge, die sie im Team abwickeln – wir nennen sie das Team ‚Freiheit/Liberalismus‘.

Die andere Mannschaft dagegen wird zentral vom Trainer gesteuert, der jedem einzelnen Spieler zu jeder Zeit genau befiehlt, was er zu tun und zu lassen hat. Ohne Anweisung vom Trainer rührt sich kein Spieler von seinem Fleck, entwickelt keine Einzelinitiative und keine eigenen Ideen.

Wir nennen das Team „Sozialismus/Staat“.

Auch kein noch so genialer Trainer wird seine 11 Spieler zum Erfolg führen können, wenn diese ausschließlich auf sein Kommando reagieren dürfen. Es wird kein Spielfluss entstehen und nur die wenigsten Spielzüge werden gelingen.

Es ist nicht schwer, sich auszumalen, wie das Spiel ausgehen wird.

Ein Ergebnis von zum Beispiel 7:1 bezeichnet man in der Bundesliga als „Deklassierung“ des Gegners, als „Kantersieg“.

In unserem Beispiel wird man eher von einem Sieg von 50:0 ausgehen dürfen – natürlich für das Team „Freiheit/Liberalismus“.

Die Politik der ‚Zentralplanung‘ ist nicht nur in der Theorie unhaltbar, ihr Zusammenbruch ist immer nur eine Frage der Zeit. Beispiele dafür gibt es in der Historie zuhauf.

Kernaussagen

In der Wissenschaft stehen sich letztlich Unterkonsumptions- und Überinvestitionstheorie in verschiedenen Ausprägungen gegenüber.

Konsum führt nicht zu Wohlstandssteigerungen. Nur echte Ersparnis erreicht das, denn nur das, was vorher real an Konsumgütern gespart wurde, kann in Investitionsgüter investiert werden, in Maschinen, Fabriken, Häuser – und nur ein Mehr an Investitionsgütern erhöht die Produktivität der Arbeit und die mögliche Güterproduktion.

In der Freien Marktwirtschaft ‚ist der Kunde König‘, er entscheidet als Konsument, was er bei wem zu welchem Preis kauft und bestimmt damit letztlich, welcher Unternehmer Erfolg hat und welcher nicht. In der Planwirtschaft ist der Staat und das ‚Zentrale Planungsbüro‘ der König, der alles entscheidet. Die Kunden haben keine Wahl und müssen alle Entscheidungen hinnehmen. Es stehen sich Freiheit und Absolutismus gegenüber.

Investitionen in unrentable Bereiche führen zu einer Verschwendung von Ressourcen und zur Vernichtung von Kapital. Wenn Investitionen mit Schulden finanziert werden, sind sie nur dann sinnvoll, wenn sie langfristig Zinsen und Tilgung einspielen.

Produktion, Verteilung und Konsum sind integrale Bestandteile eines dynamischen Wirtschaftsprozesses. Sie laufen ineinander verzahnt ab und wirken konstant aufeinander ein. Die Prozesse verändern sich laufend und eine statische Situation, in der ‚Gleichgewichte‘ herrschen, in dem zum Beispiel Angebot und Nachfrage übereinstimmen, wird es allenfalls nur für sehr kurze Zeit geben. Ungleichgewichte und der Drang zu Verbesserungen sind der Antrieb des Fortschritts.

Über die Druckerpresse lässt sich der Wohlstand nicht erhöhen.

Wenn das so wäre, gäbe es keine Armut mehr in der Welt, denn Geld lässt sich unbegrenzt drucken. Nur was vorher produziert wurde, kann später konsumiert werden.

Geldmengenausweitung führt nicht zu Wirtschaftswachstum, eher zum Gegenteil.

Wenn man echte Ersparnis durch Gelddrucken ersetzt, führt das langfristig zu einem ökonomischen Desaster.

Güter werden nicht getauscht, weil sie denselben Wert haben, sondern weil Käufer und Verkäufer ihnen unterschiedliche Werte zumessen.

Die Verwendung von Aggregatgrößen in mathematischen Gleichungen ist weitgehend unsinnig, da die Aggregatgrößen allein schon nicht exakt messbar sind. Hier mit mathematischen Gleichungen eine Exaktheit vorzutäuschen, ist Pseudowissenschaft. Man kann sich die Folgen von Verschuldung, zu viel Konsum und zu wenig Ersparnis am besten vorstellen, wenn man sie nicht abstrakt auf „den Staat“ bezieht, wo alles recht unüberschaubar wird, sondern auf kleinere Einheiten, wie zum Beispiel eine Familie.

Eine Erhöhung der Geldmenge (bei gleichbleibender ‚Umlaufgeschwindigkeit des Geldes‘) führt nicht zwangsläufig sofort oder in gleichem Maß zu einem Preisanstieg, wenn die Gütermenge nicht in gleichem Maße steigt. Auch hier werden wieder Aggregatgrößen unzulässig verknüpft (auch der Cantillon Effekt wird missachtet)

Inflation ist eine Form der Besteuerung, und zwar eine sehr ungerechte, denn sie fördert letztlich die Einkommens- und Vermögensungleichheit (die seit der Aufhebung des Goldstandards im Jahr 1971 stark angestiegen ist).

Staatliche Zentralplanung führt in aller Regel zu deutlich schlechteren Ergebnissen, als wenn private Unternehmer über ihre eigenen Investitionen entscheiden, für die sie das Risiko tragen. Es kann nicht sinnvoll sein, unnütze Investitionen oder unsinnige Geldausgaben zu tätigen, nur um ‚Nachfrage‘ zu generieren und Arbeiter zu beschäftigen; man denke nur an das keynesianische Beispiel vom ‚Löchergraben und Wiederzuschütten‘.

Es gibt keine feststehende Konsumquote, aus der sich Multiplikatoren für (staatliche) Investitionen ableiten ließen.

Dass sich Länder nicht unbegrenzt verschulden können, auch wenn sie die Kontrolle über die eigene Währung haben, zeigen Beispiele wie das Deutsche Reich oder Venezuela. Rein theoretisch können sie zwar immer frisches Papiergeld drucken, aber irgendwann – spätestens wenn der Druck mehr kostet als der Geldschein wert ist -, ist das Spiel zu Ende.

Papiergeld ist keine Ware, kein ‚Gut‘ mit eigenem Wert sondern ein reines Tauschmittel und eine Recheneinheit – und in der Regel ein schlechtes Wertaufbewahrungsmittel.

Mehr (Papier-)Geld erhöht nicht das vorhandene Vermögen, das tun nur mehr Güter, denn Geld kann man nicht essen und trinken.

Staatsschulden belasten zukünftige Generationen und sind ungerecht. Vorgezogener Konsum führt zwangsläufig dazu, dass der Konsum zum Ausgleich irgendwann reduziert werden muss. Vom Gelddrucken profitieren am wenigsten die Menschen mit geringem Vermögen. Sie können sich auch am schlechtesten gegen Inflation wehren.

Außenhandel zu fairen Konditionen ist für alle Länder vorteilhaft. Wirtschaft ist kein Nullsummenspiel, es gibt Situationen, in denen alle Beteiligten profitieren – und die muss man herbeiführen. Die Theorie, dass es einem Land nur besser gehen kann, wenn es einem anderen schlechter geht, ist genau so falsch wie die Annahme, dass es einem Menschen nur besser gehen kann, wenn es einem anderen schlechter geht.

In einer funktionierenden freien Wirtschaft soll es allen Menschen schrittweise immer besser gehen.

Zyklen wird es immer geben, aber in einem freien System werden die Schwankungen wesentlich harmloser ausfallen, als wenn vorher ein künstlicher Aufschwung ohne belastbaren ‚Grund‘ durch staatliche Maßnahmen ausgelöst wurde oder durch kreditfinanzierte private Spekulationen. Je künstlicher der Aufschwung herbeigeführt und je länger er aufrecht erhalten wurde, desto bitterer werden die Folgen sein.

„Wahnsinn bei Individuen ist selten, aber in Gruppen, Nationen und Epochen die Regel.“ - Friedrich Nietzsche

Rück- und Ausblick, Politik

Wir haben gesehen, dass es zum Wohle aller ist, wenn in der Wirtschaft möglichst effizient und möglichst viel produziert wird. Denn nur das, was produziert wurde, kann auch verteilt werden.

Eine tragfähige und lebenswerte politische Ordnung muss Chancengerechtigkeit bieten und positive Perspektiven vor allem für junge Menschen. Die freie Marktwirtschaft tut genau das.

Der Chart zur Wohlstandsentwicklung hat gezeigt, wie stark die Kräfte der freien Marktwirtschaft den Lebensstandard der Menschen seit dem Beginn der Industriellen Revolution gesteigert haben. Dass der Kapitalismus zu einem großen Wohlstandsanstieg geführt hat, hatte selbst Karl Marx, der ‚Erfinder‘ des Kommunismus, anerkannt.

Die Frage der Verteilung ist natürlich auch wichtig. Ein Staat soll sich auch um die Schwächsten der Gesellschaft kümmern und allen eine Plattform bieten, sich bestmöglich zu entwickeln in Sachen Schule, Ausbildung und Aufstiegschancen. Die Welt wird besser, wenn alle bestmöglich ausgebildet und gefördert werden und dann im Rahmen ihrer Möglichkeiten tätig sind. Unabhängig davon sollte im Rahmen der menschlichen Solidarität für die Schwächsten gesorgt werden oder für Unglückliche, die sich verkalkuliert haben. Das ist aber kein ökonomisches Problem oder ein Problem der freien Wirtschaft, sondern ein humanitäres.

Chancen bieten und Risiken absichern heißt aber nicht, dass der Staat eine bequeme Hängematte darstellen soll für Menschen, die Leistung ablehnen und lieber auf Kosten anderer leben möchten. Bis zu einem gewissen Punkt ist das vertretbar, aber die Finanzierung eines Luxuslebens auf Kosten Dritter ist ungerecht und teuer und muss über Steuern und Abgaben finanziert werden. Das ist doppelt demotivierend für leistungsbereite und hart arbeitende Bürger, die die „Zeche bezahlen“ müssen.

Rein aus der Tatsache, dass es unterschiedliche Löhne und unterschiedliche Vermögen gibt, ‚soziale Ungerechtigkeit‘ abzuleiten, ist nicht gerechtfertigt. Gleichheit aller kann auch deshalb kein vernünftiges Ziel sein, weil die Menschen schon von Natur aus nicht gleich sind und auch nie sein werden.

Es muss an dieser Stelle aber noch einmal darauf hingewiesen werden, dass es auch in freien Marktwirtschaften immer wieder durchaus kritische Entwicklungen gibt. Die auf die Globalisierung zurückzuführende Tatsache, dass sich die Löhne in den westlichen, weit entwickelten Ländern in den letzten mehr als 30 Jahren allenfalls seitwärts entwickelt haben, die Kapitaleinkommen dagegen stark gestiegen sind, ist gesellschaftlich nicht unkritisch. Diese Situation wird sich allerdings vermutlich in den kommenden Jahren wieder umkehren.

Stabiles Geld ist die Grundlage soliden Wirtschaftens und Wachstums.

Ausufernde Staatsschulden sind für den Wohlstand der Bürger gefährlich und belasten vor allen Dingen in ungerechter Weise die nachfolgenden Generationen, die für den Verbrauch ihrer Vorfahren büßen müssen.

Die Beschränkung staatlicher Macht beim Zugriff auf das Geld der Bürger ist langfristig der Schlüssel für eine gute Wirtschaftsentwicklung und zur Erhöhung des Lebensstandards. Die Abschaffung des Geldmonopols eines Staates und die Zulassung privater Währungen würde das gewährleisten. Ebenso eine dauerhaft garantierte Golddeckung der Währungen. Beides würde auch die hemmungslose Verschuldung der Staaten verhindern.

„Der Wettbewerb ist das großartigste und genialste Entmachtungsinstrument der Geschichte.“ - Franz Böhm

Liberalismus ist tendenziell friedensstiftend – er basiert auf einem friedlichen Miteinander, auf freiem Handel.

Zentralplanerischer Merkantilismus dagegen ist insofern eher konfliktfördernd als die einzelnen Länder versuchen, Vorteile auf Kosten der anderen Länder zu erreichen.

Liberale Wirtschaftspolitik hat das Ziel – und es ist nach aktuellem Wissenstand die einzige Politik, die dieses Ziel erreichen kann – den Lebensstandard aller zu verbessern, indem die Zahl der produzierten Güter für alle wächst.

Dieses lobenswerte Ziel der Verbesserung der Situation aller Menschen können sozialistische Gesellschaftsformen nicht erreichen.

Zentralplanung und Planwirtschaft sind in der Realität noch immer krachend gescheitert; mit schrecklichen Folgen für die Bevölkerung – was die Kritik der Österreichischen Schule am Sozialismus, Keynesianismus und Merkantilismus vollkommen bestätigt.

Der Staat sollte sich möglichst weit aus dem Wirtschaftsleben heraushalten und nur für einen guten Ordnungsrahmen sorgen, im Rahmen dessen die Wirtschaftssubjekte frei agieren können. Das Kennzeichen jeden Versuchs, die Wirtschaft ‚zu stabilisieren‘, sind Zwang und Rationierung – die die Freiheit der Menschen einschränken. Ökonomische Freiheit ist von politischer Freiheit nicht zu trennen.

„Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren.“ - Benjamin Franklin

Grundsätzlich ist nichts dagegen einzuwenden, wenn in Ausnahmesituationen – bei Rezessionen und Arbeitslosigkeit (wenn tatsächlich Ressourcen längere Zeit und auf längere Sicht ungenutzt bleiben) – sinnvolle Investitionen vom Staat vorgenommen werden.

Aber staatliche Eingriffe können langfristig nur gute Folgen haben, wenn der Staat in der vorherigen Aufschwungphase ‚gespart‘ hat, oder aber in der folgenden Aufschwungphase die Kraft oder auch nur den Willen hat, durch Ausgabensenkungen und Steuererhöhungen die Konjunktur zu dämpfen. Dieser wichtigste Teil der keynesianischen Politik wurde jedoch noch nie umgesetzt.

Es wird vermutlich nie eine Situation eintreten, in dem die Bedürfnisse aller Menschen vollständig befriedigt sind und es insofern keinen Raum mehr für Verbesserungen geben kann (dazu gehören auch besseres Klima, mehr Umweltschutz, besserer Tierschutz, Aufforstungen, Verhinderung von Hungersnöten, besseres Trinkwasser u.v.a.m.).

Insofern wird es wohl nie zu einer vollständigen ‚Sättigung‘ kommen. Und wenn diese irgendwann vorhanden sein sollte, hat vielleicht der Kapitalismus ausgedient, aber vermutlich eben nicht vorher.

Wenn wieder paradiesische Zustände herrschen sollten, wird sich die Frage nach dem Gesellschafts- oder Wirtschaftssystem nicht mehr stellen, denn dann ist für alle ausreichend gesorgt, man muss sich nicht mehr Gedanken über Produktion und Lebenserhalt mache und vor diesem Hintergrund dürfte sich hoffentlich auch das menschliche Verhalten ändern (Neid, Kriminalität, Gewalt, Krieg…). Im Paradies muss es somit auch keinen mächtigen Staat mehr geben und die Paradies-Bürger können alles selbst untereinander frei organisieren.

Bis dahin haben wir allerdings noch ein bisschen Zeit und müssen, da Milch und Honig noch nicht fließen, weiter für unseren Lebensunterhalt arbeiten und möglichst effizient Güter produzieren – und möglichst nett, freundlich und freiheitlich miteinander umgehen.

Und vor allen Dingen dürfen wir die Hoffnung nicht verlieren, dass sich langfristig die Vernunft durchsetzt und sich frei von Ideologien die Wirtschaftsordnung durchsetzt, die für alle die besten Ergebnisse zeitigt.

“You can fool all the people some of the time, and some people all the time, but you cannot fool all the people all of the time.” - Abraham Lincoln

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