Klimaleugner. Was soll das sein?

  • Der Begriff ist unsinnig. Kein Mensch leugnet das Klima, das wĂ€re so, als ob man den Tod oder physikalische Naturgesetze leugnet.
  • Der Begriff ist pejorativ, also abwertend gemeint. Er suggeriert semantisch, wohl nicht ohne Absicht, eine NĂ€he zum Holocaustleugner, setzt also den Anderen in eine unmoralische Position, die die eigene aufwertet und moralisch adelt.
  • Der Begriff ist totalitĂ€r, da er insinuiert, es gĂ€be nur eine einzige Wahrheit und wer ihr widerspricht, der muss im Unrecht sein, also leugnen. Eine andere Meinung wird so gar nicht mehr zugelassen oder in den Bereich des Verfemten verschoben.

Äußerst perfide, aber wirkungsvoll

Wer Andersdenkende als „Leugner“ diskreditiert, ist fĂŒr Dogmen und Unfehlbarkeit und versucht zu diffamieren. Ist man gegen Greta, dann ist man das Böse. Denn niemand kann gegen Greta/Umwelt sein. Wer gegen die herrschende Auffassung ist, ist nicht nur ein Leugner, sondern auch gegen Umweltschutz. Diese Gleichung ist Ă€ußerst perfide, aber wirkungsvoll, denn sie macht den Anderen zum unmoralischen Menschen, der im Diskurs keine Stimme haben kann.

Das scheint mir fĂŒr Deutschland symptomatisch: Praktisch jedes Themenfeld wurde in diesem Land seit Jahren von unzĂ€hligen Tabus und Sprechverboten begleitet: Migration, Bildung, GeschlechterverhĂ€ltnisse, Kindererziehung, KriminalitĂ€t, Klimawandel, Atomkraft, Gentechnik. Im Idealfall hat jeder die „richtige Meinung“ dazu, ja, in allen diesen FĂ€llen kann es im Prinzip nur eine richtige Meinung geben, alle anderen sind am besten bei Strafe des gesellschaftlichen Ausschlusses zu verbieten oder – die Macht dazu hat man noch nicht – unter Strafe zu stellen. Zumindest mĂŒssen die Protagonisten von „Fehlmeinungen“ in die rechte, rassistische, populistische, neoliberale oder unmoralische Ecke gestellt werden.

Die moderne Wissenschaft basiert auf Hypothesenbildung und Falsifikation. Es ist vollkommen naiv, zu glauben, dass eine einmal formulierte Hypothese auf alle Zeiten GĂŒltigkeit haben kann, insbesondere bei einem chaotischen und multivariaten System wie dem Klima. Es handelt sich hier um komplexe Simulationsmodelle, die mit vielen Unsicherheiten rechnen. Alle diese Modelle haben einen experimentellen Charakter. Biologen, Geologen oder PalĂ€oklimatologen, die mit empirischen Daten (etwa der Analyse von Baumringen oder Stalagmiten) arbeiten, sind bezeichnenderweise oft kritischer, was die Theorien des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) betrifft. Warum ein einziges Element (CO2) aus einem hochkomplexen System nun alles erklĂ€ren soll, erschließt sich vielen Wissenschaftlern nicht. Ein kritischer Kopf muss sich fragen, warum so sehr auf wissenschaftliche Übereinstimmung gepocht wird. Schließlich sind Wissenschaftler auch bei weit weniger komplexen Fragen immer verschiedener Meinung.

Kann man die Ergebnisse wissenschaftlicher Arbeit noch bezweifeln, wenn ein Diskurs darĂŒber verhindert wird und das einzig mögliche Narrativ von vornherein feststeht? Das IPCC verfolgt in den Augen vieler Kritiker mehr eine politische Agenda und hat mit Wissenschaft wenig zu tun. Der Austritt ehemaliger Mitglieder aufgrund von Zweifeln an den vorherrschenden ErklĂ€rungsmodellen, die Manipulation widersprechender Daten (im sog. Climategate kulminierend), die stĂ€ndige RĂŒcknahme von Prognosen, die Verquickung von Politik und Wissenschaft, das alles sind Hinweise darauf, dass wir zumindest vorsichtig sein sollten, was die Ergebnisse des IPCC anbelangt.

Widersprechende Theorien

Es gibt durchaus viele Wissenschaftler, die sowohl den anthropogenen Anteil als auch die CO2-Theorie aufgrund eigener Ergebnisse bezweifeln (die 97-Prozent-Theorie, die der Mainstream stĂ€ndig propagiert, ist lĂ€ngst widerlegt, sogar der SPIEGEL hatte dazu mal einen kritischen Artikel, das kann man also wissen). So zu tun, als ob man im alleinigen Besitz der Wahrheit ist, das ist Religion, aber nicht Wissenschaft. Im Netz kann man sofort hunderte Studien finden, die unter dem Stichwort: „Supporting Skeptic Arguments Against ACC/AGW Alarmism“, gegenteillige Positionen vertreten.

Vor Kurzem gab es eine Petition von 500 Wissenschaftlern an die UNO, in der die CO2-Theorie komplett abgelehnt wird. Warum hört man davon so wenig in den Medien? Es gibt auch andere Positionen als diejenigen, die die mediale Aufmerksamkeit haben, da sie nicht das erwĂŒnschte Narrativ bedienen. Warum kann nicht zugelassen werden, dass es die EINE ErklĂ€rung nicht gibt und warum wird derart emotional reagiert, nur weil man nĂŒchtern die unterschiedlichen Positionen abwĂ€gt. Meist kennt man eben niemanden mit einer anderen Meinung. Das ist natĂŒrlich ein guter Schutz.

Wir können mit unseren basalen naturwissenschaftlichen Kenntnissen auch schwer beurteilen, welche Theorie nun richtig ist und welche falsch. Zumindest sollte man aber zur Kenntnis nehmen, dass es unterschiedliche ErklÀrungsmodelle gibt.

KindeswohlgefÀhrdung

Schaue man sich nun einige Videos von Greta Thunberg, auch jenes bei den Vereinten Nationen, an. Was man dann sieht, erschĂŒttert einen wirklich. Die Instrumentalisierung eines behinderten Kindes fĂŒr die eigene Agenda grenzt fast an KindeswohlgefĂ€hrdung. Es gibt in der westlichen Welt eine Schutzpflicht gegenĂŒber einem Kind. Warum werden die Eltern nicht wegen Kindesmissbrauchs belangt? Man braucht kein Psychologe zu sein, um zu prophezeien, dass hier bald ein psychischer Zusammenbruch erfolgen wird.

UnabhÀngig davon ist vor allem der letzte Auftritt mehr als grotesk. Die Untergangsszenarien und die Unerbittlichkeit, die Maximalforderungen, die jeden, der nicht bereit ist, 100-prozentig zuzustimmen, grenzenlos beschimpft, das alles hat etwas TotalitÀres, Erschreckendes. Am interessantesten ist aber die Reaktion der beschimpften Erwachsenen: Sie applaudieren ihrer eigenen Abwertung! Ein Facebook-User schrieb dazu treffend:

„Mich hat dieser Auftritt tief geschockt, und ebenso die Reaktionen. Dieser Fanatismus. Diese Instrumentalisierung. Das Ganze hat etwas Mittelalterliches. TotalitĂ€res. Es erinnert an Videos von sowjetischen RevolutionĂ€ren in den Anfangstagen und Applaus fĂŒr Selbstbezichtigungen unter Stalin. Oder an chinesische Auftritte zur Zeiten der Kulturrevolution. Die heutige Greta Rede in New York sollte jeder sehen, um eine Diktatur zu verstehen. Und alle sind begeistert. Wer das ablehnt, hat sich fĂŒr immer aus der Volksgemeinschaft ausgeschlossen. Schon jetzt, nur mit einer oberflĂ€chlichen Diskussion, ist die Stimmung aufgeladen.“

Willkommen im totalitĂ€ren Staat, nur diesmal unter dem Banner des Ökologismus und zum Wohl der Uneinsichtigen. Wer kann wirklich nicht sehen, was hier fĂŒr ein Tor geöffnet wird? Denn um die Menschheit zu „retten“, sind totalitĂ€re Visionen ohne jegliche Scham aussprech- und umsetzbar. So fordert Fridays for Future eine globale, totale Mobilmachung von Ressourcen zur „Rettung“ und zwar in einem Ausmaß „Àhnlich wie zu Kriegszeiten“. Dass Bewegungen wie die Endzeitsekte Extinction Rebellion gerade in Deutschland so viele glĂ€ubige AnhĂ€nger finden, ist kein Zufall. Und es ist wohl keine allzu gewagte Prognose, dass mit der sogenannten Klimabewegung neue Formen des Terrors und der Gewalt einhergehen werden.

Weniger Ende der Welt, mehr Ende des Monats

Es ist vollkommen anmaßend und zeugt von keinerlei Geschichtskenntnis, wenn Jugendliche Westeuropas behaupten, sie hĂ€tten Angst, in dieser Welt zu leben. Alle vorherigen Generationen haben wirkliche Kriege, Katastrophen, Hunger und Diktaturen erlebt. Die heute herabgesetzte VorgĂ€ngergeneration hat all das unter großen Anstrengungen, Verzicht und Disziplin aufgebaut, von dem die Wohlstandskinder nun profitieren. Einer der wenigen vernĂŒnftigen GrĂŒnen, Boris Palmer, hat in diesem Sinne auf die Rede Thunbergs geantwortet: „Nein, wir haben deine Jugend nicht zerstört. Wir haben eine Welt erschaffen, die bessere Lebenschancen fĂŒr junge Menschen bietet als jemals zuvor in der Geschichte.“

Die erste Generation, die in ihrem Leben keinerlei Entbehrungen oder Verzicht mehr leisten musste, hat nun mit dem Klimawandel ihr sĂ€kulares Heilsprojekt gefunden, auf das sie ihren Generationenkonflikt projiziert. Es gĂ€be ĂŒbrigens viel fĂŒr die FFFs zu tun, das wĂ€re aber anstrengend: nĂ€mlich Umwelt- und Naturschutz aktiv zu unterstĂŒtzen, Parks von MĂŒll zu sĂ€ubern, Flussufer, StĂ€dte zu reinigen, wirklichen Konsumverzicht. In der RealitĂ€t hinterlassen die GretajĂŒnger nach ihren Demos aber nur tonnenweise Dreck und WohlstandsmĂŒll. Umweltschutz fordert in der Regel ein wenig mehr Engagement als imaginĂ€rer Klimaschutz. Was die Militanz der Bewegung derzeit noch hemmt, ist nur das schlechte Gewissen ob der eigenen Heuchelei.

Man weiß ja aus Untersuchungen, dass der GrĂŒnwĂ€hler im Durchschnitt ĂŒber das höchste Einkommen verfĂŒgt, die meisten Flugreisen unternimmt und auch beim privaten Konsum ganz vorne dran ist. Zur SUV-Dichte in den linksgrĂŒn dominierten Stadtteilen, mit denen Soja-Malte oder Anna-Sophie zur Schule gefahren werden, sage ich jetzt nichts.

Die eigentliche Spaltung (nicht nur) in Deutschland bringt der französische Sozialgeograph Christophe Guilly auf den Punkt. Sie verlĂ€uft heute zwischen einer linksgrĂŒnen Bourgeoisie und denjenigen, die „sich weniger Gedanken ĂŒber das Ende der Welt machen, sondern ĂŒber das Ende des Monats.“ In der Regel leben Letztere aber wohl um einiges umweltvertrĂ€glicher als der urbane, globale Moralist.

SĂ€kularer Religionsersatz

Wir haben es hier mit einer sĂ€kularen Heilslehre zu tun, die alle Zeichen einer Religion trĂ€gt. Dazu gehören: Die Masse der GlĂ€ubigen und der MitlĂ€ufer, eine Gruppe von HĂ€retikern und Ketzern („Klimaleugner“, kritische Wissenschaftler) die bekĂ€mpft werden muss. Dann natĂŒrlich Schuldige (die böse Industrie, der Kapitalismus, die Alten), das Auftauchen einer Prophetin (Greta), die lauten Forderungen nach Buße und Verzicht (vor allem fĂŒr die anderen), die Zerknirschtheit des SĂŒnders, gepaart mit Scham, schließlich die ertrĂ€umte Katharsis und natĂŒrlich auch eine apokalyptische Vision, nur, anders als noch in der Offenbarung des Johannes, ohne Transzendenz, das heißt, es folgt kein Paradies.

Es scheint, als wÀre hier eine Ersatzreligion gefunden worden, die insbesondere eine von allen existenziellen Problemen befreite Jugend anzieht, die nun ein gemeinsames Projekt hat. In der Vorstellung des drohenden Unterganges der Menschheit, in der die Schuldigen ausgemachte Sache sind, steckt aber auch ein Moment der Lust an der Katastrophe. Angstlust hat Freud das genannt.

Endzeitreligionen neigen zu Fanatismus. Widerspruch ist nicht mehr erlaubt. Jeder, der nur ansatzweise Kritik oder Fragen stellt, wird gnadenlos ins Abseits gestellt. Er leugnet eben. Hier kommen typisch „deutsche Tugenden“ zum Ausbruch: die SelbstĂŒberschĂ€tzung, der missionarische Eifer, die moralische RigorositĂ€t und ein humorbefreiter Furor. Am deutschen Wesen soll wieder einmal die Welt genesen.

Tabuisierung der Bevölkerungsexplosion

Das grĂ¶ĂŸte Problem, das immer noch tabuisiert wird, ist die Demographie. Die demografische Entwicklung der arabischen, aber vor allem der afrikanischen LĂ€nder, ĂŒbertrifft alles, was historisch bekannt ist. Selbst die Bevölkerungsexplosion in Europa seit dem 15. Jahrhundert, die im 19. Jahrhundert ihren Höhepunkt fand, verblasst dagegen in ihrer Dynamik. Afrika wĂ€chst jede Woche um fast eine Million Menschen, das sind 40-50 Millionen im Jahr. Keine Ökonomie der Welt kann auf Dauer ein Bevölkerungswachstum wie in Afrika oder den arabischen LĂ€ndern absorbieren. Damit bleiben den nachdrĂ€ngenden jungen MĂ€nnern drei Möglichkeiten:

  1. Die Gewalt richtet sich nach innen, BĂŒrgerkrieg, Rebellion, ein Aufstand gegen die staatlichen Institutionen und dominanten VĂ€ter.
  2. Gibt es infolge staatlicher Repression kein Ventil, das den Druck reduziert, kann die Lösung in der Konstruktion eines Ă€ußeren Feindes (der Westen, das Judentum) und dem Anschluss an radikale Gruppen (IS, Boko Haram, andere Terrormilizen) liegen.
  3. Es gelingt die Flucht und Auswanderung in die befriedeten Wohlstandzonen, nach geografischer Lage der Dinge also nach Europa und hier – aufgrund seines umfangreichen Sozialsystems und der mentalen Verfassung des Landes – nach Deutschland.

Diesem Problem mĂŒssen wir uns stellen, und es ist in meinem Augen um vieles dringlicher. DAS wird aber aktuell durch die Klimadebatte vollkommen verstellt.

Moralisierung ist kontraproduktiv

Dass die Energiewende gescheitert ist, das kann man inzwischen vielfach nachlesen. Die horrenden Kosten von mehreren 100 Milliarden Euro haben keinerlei Einsparungen an CO2 gebracht (das war ja das Ziel). Die physikalischen und chemischen Grenzwerte von Wind und Sonnenenergie können nicht außer Kraft gesetzt werden, auch wenn manche glauben, zaubern zu können. Das alleinige Setzen auf E-MobilitĂ€t (Rohstoffe, Problem der Batterien, Ladestationen und so weiter), die Zerstörung und Rodung von WĂ€ldern fĂŒr immer grĂ¶ĂŸere Windanlagen, die nicht grundlastfĂ€hig sind und deren Recycling ungeklĂ€rt ist, fehlende Trassen, fehlende Speichermöglichkeiten, das notwendige und irrsinnig teure Back-up durch konventionelle Kraftwerke, die zur Stabilisierung des Stromnetzes am Netz gehalten werden mĂŒssen und so weiter.

Wir sollten anfangen umzudenken und nicht Abermilliarden von Euro ausgeben fĂŒr null Effekt. Wir mĂŒssen unsere Umwelt und Natur schĂŒtzen. Dass jeder einen vernĂŒnftigen Umweltschutz verfolgen sollte, darĂŒber herrscht wohl Konsens. Man sollte sich aber wehren gegen hysterische, radikale und völlig unvernĂŒnftige Forderungen, gegen Weltuntergangs-Phantasien, die unsinnige Milliarden kosten und die die heimischen Industrien zerstören, auf denen der Reichtum des Landes beruht. Jeder vernĂŒnftige Mensch sollte sich gegen diese Einseitigkeit wehren und kritisch hinterfragen, wem das alles nĂŒtzt. Politik ist immer interessengebunden. Die Moralisierung politischer oder wissenschaftlicher Kontroversen ist kontraproduktiv.

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